Freitag, 26. Juni 2015

Forgotten Heroes - Mike Slamer

Bevor ich mich wieder einer kompletten Band widme, will ich nochmals einen „Forgotten Hero“ der Rockmusik ins Gedächtnis zurückbringen. Leider sind die Infos über den Mann spärlich gesät, deshalb wird der Artikel nicht ganz so umfangreich.

Der Mann, um den es hier geht, war an unzähligen Alben beteiligt und hat, insbesondere im AOR/Melodicrock-Bereich, einige wirkliche Knaller abgeliefert.

Die Rede ist von Mike Slamer, einem Gitarristen, Songwriter und Produzenten.

Der Brite startete seine Karriere Mitte der 70er bei den aus Birmingham stammenden CITY BOY, die heutzutage leider kaum noch Jemand kennt.
Die Truppe hat mehrere Alben veröffentlicht, wobei der internationale Erfolg leider ausblieb. Lediglich in ihrer Heimat und in Skandinavien konnten die Musiker so etwas wie Erfolge verbuchen. CITY BOY gehören zu den unterbewerteten Bands, was auch vielleicht daran liegen mag, dass ihr Stil (eine Mischung aus AOR und Pomprock mit progressiven Einflüssen) nicht Jedermanns Sache ist. Interessierte sollten aber mal reinhören, insbesondere „The Day the Earth caught Fire“, (dass auch schon von Jorn Lande gecovert wurde) und „Hap-Ki-Do-Kid“ sind großartige Songs.

CITY BOY lösten sich 1981 nach Veröffentlichung von „It's Personal“ auf. Slamer siedelte daraufhin in die USA über und gründete dort, zusammen mit dem KANSAS-Sänger Joe Walsh und dem Bassisten Billy Greer, die Band STREETS, die mit „First“ (1983) und „Crimes in Mind“ (1985) zwei herausragende Alben veröffentlichten,
die zu wirklichen Kultscheiben geworden sind, was nicht zuletzt an Songs wie „Nightmare begins“ liegt. Später wurde noch ein „Live“-Album, eine Aufzeichnung einer Radioshow der King Biscuit Flower Hour, nachgeliefert.

Walsh und Greer kehrten 1986 zu Kansas zurück. Mike Slamer machte sich nach der Zeit mit STREETS einen Namen als Sessionmusiker und Songwriter.
Unter anderem arbeitete er mit und für ANGRY ANDERSON, KIX, FIONA, HARDLINE, HOUSE OF LORDS, WALL OF SILENCE, Axe und TOWER CITY. Auch an Soundtracks wie etwa ROCK STAR war er beteiligt.

Kurz vor der Jahrtausendwende war er wieder komplett in eine Band integriert. STEELHOUSE LANE veröffentlichten zwei Alben (1998 und 1999), die man durchaus als Meisterwerke des Melodicrocks bezeichnen kann. Wie bei vielen ähnlich gearteten Bands waren die Verkäufe aber eher schlecht.

Zwei Jahre später arbeitete Mike Slamer wieder mit Billy Greer zusammen. SEVENTH KEY waren geboren und veröffentlichten mehrere Alben, die absolute Highlights des melodischen Rocks sind.
Zwischen den SEVENTH KEY-Alben veröffentlichte er 2006 noch das Album „Nowhere Land“ unter dem Namen SLAMER. Auch hier wurde Melodic Rock vom Feinsten geboten, verfeinert von der Stimme des ehemaligen STRANGEWAYS Mitglieds Terry Brock.

In letzter Zeit ist es relativ ruhig um Mike Slamer geworden, als Sessionmusiker und Songwriter ist er aber weiterhin aktiv.

Empfehlen kann ich eigentlich Alles, an dem er beteiligt war. Wer nicht gleich voll zuschlagen will, sollte sich zumindest die beiden STREETS und das Debut von SEVENTH KEY besorgen.

Freitag, 1. Mai 2015

Forgotten Heroes - Russ Ballard

Ich gebe es ja zu, der Spartentitel ist vielleicht etwas übertrieben, aber was die Bildzeitung kann, kann ich schon lange.

Auch wenn Russ Ballard kein wirklich Unbekannter im Rockuniversum ist - Die Berichterstattung über ihn ist recht spärlich.

Der mittlerweile fast siebzigjährige, britische Musiker, Songwriter und Produzent begann seine Karriere in den frühen 60ern. Die erste Band, in der Russ Ballard mitwirkte, war THE ROULETTES.
Diese ursprünglich als Backingband für den britischen Sänger Adam Faith gegründete Truppe brachte es auf ein Album, „Stakes and Chips“, das 1966 erschien. Russ Ballard wanderte danach zu UNIT 4+2,
die mit „Concrete and Clay“ sogar einen Hit innehatten.












Richtig los ging es für Russ Ballard aber 1970, als er zu ARGENT stieß.

















Seine Songwriterfähigkeiten brachten der Band einige Erfolge, darunter die Songs „Liar“ (der auch von THREE DOG NIGHT veröffentlicht und in dieser Version ein großer Hit wurde) und der wohl bekannteste Titel von Argent, nämlich „Hold your Head up“, der auch immer wieder auf 70er Compilations auftaucht. Persönlich finde ich jetzt das Gesamtwerk von ARGENT aber nicht essentiell.

1974 verlies Russ Ballard ARGENT wieder. Ab diesem Zeitpunkt startete er seine Solo-Karriere, nicht nur als Musiker, sondern auch als Songwriter und Prodzent für eine Unzahl von Bands und Solokünstlern.

Mit den Songs, die er für andere Künstler geschrieben hat, (und teilweise selbst auch auf seinen Soloalben veröffentlicht hat) könnte man mehrere Seiten füllen. Ich will mich deshalb nachfolgend auf ein paar der wichtigsten Songs beschränken.

Unter anderem stammen folgende Songs von Russ Ballard.

RAINBOW: I surrender (Difficult to the Cure) und Since you been gone (Down to Earth). Since you been gone wurde auch von HEAD EAST auf ihrem selbstbetitelten 78er Album veröffentlicht und dazu noch von zig anderen Bands.

AMERICA: You can do Magic (View from the Ground), The Border (Your Move)

URIAH HEEP: On the Rebound (Abominog), der Song ist auch auf Russ Ballards „Barnet Dogs“-Album enthalten.

MAGNUM: Rockin' Chair und No Way out (Goodnight L.A.)

ACE FREHLEY: New York Groove (Kiss/Ace Frehley), der Song war auch ein Hit für HELLO.

Desweiteren hat er auch sehr viel für Roger Daltrey (THE WHO) geschrieben. Auch SANTANA griff auf seine Fähigkeiten als Songwriter zurück. Ebenso hat er für zwei Mitglieder von ABBA Songs geschrieben. Für AGNETHA FÄLTSKOG schrieb er „Can't shake loose“, für ANNI-FRID LYNGSTAD „There's something going on“.

Einer seiner bekanntesten Songs in Metalkreisen ist sicherlich „Riding with the Angels“, das u.a. von SAMSON aufgenommen wurde und von ihm selbst auf dem „Barnet Dogs“-Album veröffentlicht wurde.


Aber nun zu Russ Ballard und seinen eigenen Scheiben. Ich werde nicht für jedes Album die einzelnen Songs besprechen, da ich eigentlich jedes seiner Werke bis 1985 empfehlen kann und meine werte Leserschaft auch auf Entdeckungsreise gehen soll.





1974 erschien das selbstbetitelte Solo-Debut.
Teilweise noch sehr dem etwas softeren Rock'n Roll verbunden zeigt es aber schon, was in Russ Ballard so steckt. Herausragend ist sicherlich „Kicks“ das später von SAVOY BROWN in einer extrem geilen Version auf „Make me sweat“ veröffentlicht wurde.





1976 wurde „Winning“ veröffentlicht.
Den Titeltrack hatte Ballard ursprünglich für SANTANA geschrieben. „Just a Dream away“ hört man auch auf dem Soundtrack des Films „McVicar“, allerdings in einer Version von Roger Daltrey, Dazu ist noch „Since you been gone“ enthalten, das, wie schon geschrieben, bereits zigmal gecovert wurde. Impelliteri sind hier auch noch zu nennen. (Und wer will kann auch mal die sehr geile Version der BRYAN MAY-Band live at Brixton 93
checken)

Sein 78er Werk hört auf den Namen „Third Stroke“.
Der Opener „Dancer“ist ein genialer Rocksong, hier hört man neben Russ Ballard noch so illustre Namen wie Jeff Porcaro und David Paich (TOTO). Mein Fave des Albums hört auf den Namen „I'm a Scorpio“. Auch „Cast the Spirit“ ist sehr zu empfehlen.





1980 kam „Barnet Dogs“ auf den Markt.
Hier ging Russ Ballard um einiges härter ans Werk, wie man schon an „Rene didn't do it“, dem ersten Track, merkt. Auf „Barnet Dogs“ findet man, wie schon angesrochen auch „On the Rebound“, das mir persönlich in der Version von URIAH HEEP besser gefällt, sowie „Riding with the Angels“

„Into the Fire“, das 1981 erschien, nahm die Härte wieder etwas weg. Trotz oder gerade weil hier nur Material enthalten ist, das für keinen anderen Musiker bestimmt war (zumindest meiner Kenntnis nach) ist das Album eine durchgehend sehr gute Rockscheibe. „Madman“, „Guilty“ und „Where we go from here“ zeigen das auf eindrucksvolle Weise.


1984 sollte, zumindest was den Erfolg unter seinem eigenen Namen anbelangt, ein großes Jahr für Russ Ballard werden. Erneut schlicht selbstbetitelt enthielt die Scheibe eine Reihe Klassiker, unter anderem auch das unsterbliche „Voices“, das man auch in einer Folge von Miami Vice hören kann und seit mittlerweile Jahrzehnten zu den ganz großen Rockclubklassikern gehört und von jeder Rockradiostation immer wieder gespielt wird. Aber auch die anderen enthaltenen Songs, allen voran der Opener „I can hear you no more“, das ebenfalls in Miami Vice zu hörende „In the Night“, das fröhliche, mit „Since you been gone“ verwandte „Two Silhouettes“, sowie die großartige AOR-Songs „A Woman like you“ und „The last Time“ wissen zu begeistern.


Ein Jahr später kam ein besonderes Album von Russ Ballard auf den Markt, das in einer bestimmten Version zu einem Kultsammlerstück wurde und in diesem Form auch eine, zumindest meiner Meinung nach, Pioniertat enthielt.
Die Rede ist von „The Fire still burns“, das es in einer speziellen Auflage, mit der sogenannten Broadcast-Disc gab, dazu aber später mehr. „The Fire still burns ist ein großartiges Album in der Schnittmenge zwischen klassischem Rock und AOR. „Once a Rebel“, „The Omen“, das überragende „Your Time is gonna come“, „Dream on“ oder der Titeltrack sind ganz großes Kino. Aber nun zu der angesprochenen Auflage des Albums mit der Broadcast-Disc. Im Gegensatz zur normalen Veröffentlichung bekam man diese Version in einem FOC mit zwei LP's. Neben dem normalen Album war die genannte Broadcast-Disc enthalten, die auf einmalige Weise und soweit ich weiß erstmalig überhaupt, den Entstehungsprozess eines Songs (The Fire still burns) anhand einzelner Spuren aufzeigte. Oft taucht diese Version nicht auf, obwohl längst nicht mehr die Preise wie Anfang der 90er dafür erzielt wurden. (600 bis 800 DM) Mit 80 -100 Euronen ist man mittlerweile dabei.
Der Track ist aber mittlerweile auch bei youtube zu finden. Etwas gekürzt lief der Song auch desöfteren in den bayrischen Rockclubs und auch in Läden wie dem Aladin in Bremen. Offiziell war er lange Zeit nur auf Vinyl erhältlich. Bei der großen Bootlegwelle in den 90ern (Munich City Nights, Bavarians Best usw.) war er aber öfters auf CD zu haben. Erstmals offziell und in der etwas gekürzten Version war er bei der Los Rockos-Compilation des bayrischen Rundfunks enthalten.


8 Jahre lies sich Russ Ballard Zeit für „The Seer“. Ich muss zugeben, dass ich das Album recht schwach finde, bis auf „King for a Day“ kann mich daran nichts begeistern. „Book of Love“, das erst 2006 das Licht der Welt erblickte, ist wieder etwas besser geworden, reicht aber auch bei weitem nicht mehr an die früheren Glanztaten heran. Seitdem gibt es keine neuen Veröffentlichungen von Russ Ballard, live hingegen ist er immer noch unterwegs.

Die Alben sind bis auf die Broadcast-Disc-Version von „The Fire still burns“ leicht und günstig zu bekommen.




Donnerstag, 23. April 2015

70's Heavies - Birtha

Nach einer etwas längeren, krankheitsbedingten Pause geht es hier weiter.

Die nächste Vorstellung im Sacred Metal Blog nimmt sicherlich eine Sonderstellung in den 70's Heavies ein, gelten BIRTHA doch als erste Rockband , die nur aus Frauen bestand.

Die drei kalifornischen Freundinnen Shele Pinizzotto (Gitarre), Rosemary Butler (Bass) und Sherry Hagler (Keyboards) machten schon seit der Highschool zusammen Musik. 1968 kam noch Liver Favela am Schlagzeug dazu und BIRTHA waren komplett. Jetzt fragen sich sicher einige Leute wo zum Geier die Sängerin ist-Alle vier Mädels teilten sich die Leadvocals, was ja auch nicht alle Tage vorkommt.




Direkt nach dem Einstieg von Favela gingen die Frauen auf eine ausgedehnte Westküstentour, die sie von ihrem Heimatstaat bis nach Alaska führte. Bei diesen Gigs spielten BIRTHA allerdings noch kein eigenes Material, zu diesem Zeitpunkt war die Truppe eine reine Coverband. Während dieser Tour, die bis 1971 andauerte, verfeinerten die Mädels ihren eigenen Stil und trauten sich nach Tourende an die ersten eigenen Songs. 1972 erhielten BIRTHA einen Plattenvertrag mit Dunhill Records und kurz darauf wurde auch das selbstbetitelte Debut veröffentlicht, das auch eine Singleauskopplung nach sich zog. Auf das Debut komme ich noch zurück.

Gleich im Anschluss ging es wieder auf Tour, diesmal mit eigenem Material und dem Album im Rücken. Beackert wurden neben Kanada und den USA auch Europa (hier mit den KINKS) Nach Ende dieser Tour, die ein knappes Jahr dauerte, gingen BIRTHA zurück ins Studio um den Nachfolger des Debuts aufzunehmen. „Can't stop the Madness“ hieß das Werk, dass es der Band ermöglichte im Anschluß Konzerte mit so illustren Namen wie FLEETWOOD MAC, ALICE COOPER und BLACK OAK ARKANSAS zu spielen. Knapp 250 Konzerte rissen die Mädels so in einem Jahr runter, viele davon in ihrer Heimat Los Angeles und da natürlich in den Kultclubs wie dem Troubadour und dem Whiskey.

Es folgten noch viele Livegigs, bis sich die Truppe 1975 trennte.

Rosemary Butler machte weiter Musik, primär als Backgroundsängerin, u.a. für NEIL YOUNG und JAMES TAYLOR, dazwischen konnte sie aber noch mit „Ridin' High“ einen Nummer 1 Hit in Japan landen. Zudem war sie als Vocal Coach tätig und hat mittlerweile wieder eine eigene Band am Start.

Was die anderen Mädels nach der Trennung machten, konnte ich leider nicht rausfinden. Eventuell kann ich aber noch ein Interview mit Rosemary Butler führen. Den Artikel würde ich dann damit ergänzen.

Der Stil von BIRTHA ist sehr abwechslungsreich. 70er Rock, mal mehr, mal weniger heavy, aber immer mit sattem Drive, einem kleinen Spritzer Funk und einem teils sehr eigenen Gitarrensound.

Das Debut beginnt kurz und knackig mit „Free Spirit“ einem sehr groovigen und extrem eingängigen Titel. „Fine Talking Man“ ist ein Prototyp eines sich immer mehr steigernden Songs. Vom relativ ruhigen Anfang bis zum Ausrasten der Instrumentalfraktion, dem sich noch eine unglaubliche Vocalperformance anschließt, ein feines Stück Rockmusik. Boogie ist mit „Tuesday“ angesagt, schön straight nach vorne gehend. Hier zeigt sich besonders wie die Mädels den Spannungsbogen eines Songs durch Abwechslung halten können. „Feeling lonely“ beginnt als eine schöne aber unspektakuläre Halbballade, die durch die schönen Vocals besticht. Im Mittelteil wird aber wieder heftig auf die Instrumente eingeschlagen. Mit „She was good to me“ präsentiert die Band eine textlich sehr schöne, aber musikalisch leider sehr seichte Ballade. Dafür startet die Truppe mit „Working on a Dream“ wieder durch, sehr funky und mit Soul, erinnert etwas an RARE EARTH. „Too much Woman (for a Hen Pecked Man) ist neben „Free Spirit“ mein persönliches Highlight der Scheibe. Genialer Gesang, gepaart mit heavy Gitarren und groovig ohne Ende. Der „Judgement Day“ schlägt in die selbe Kerbe, ist aber durch den stärkeren Orgeleinsatz und der fuzzigen Gitarre doch wieder anders. Das Ende des Albums markiert „Forgotten Soul“, wieder sehr abwechslungsreich, bei der die Band nochmal alle Register zieht.


Die Birtha-Scheiben gehören jetzt nicht zu den ganz großen Raritäten, nachgeschmissen werden sie einem aber auch nicht. Etwa 25 Euronen sollte man für eine Originalpressung in gutem Zustand rechnen. Das gilt für beide Alben. Meines Wissens nach gibt es die beiden Scheiben nur in einer 2 on 1-Auflage auf CD, diese scheint aber sehr selten zu sein. Von dieser 2 on 1 gibt es anscheinend auch noch ein Bootleg.

Freitag, 30. Januar 2015

Kraut für Krauts: Birth Control - Operation

Vorweg: Auch wenn viele Krautrockbands vom Sound her auch in den 70s Heavies-Bereich passen würden, hab ich denen hier im Blog eine eigene Sparte gegönnt. Krautrock ist stilistisch einfach zu vielfältig, so das mit dieser Schritt nötig erschien.


Zu den bekanntesten Vertretern des Krautrock gehören sicher BIRTH CONTROL. (Auch wenn die Band bereits in der, ich sage mal, Prä-Krautrockära gegründet wurde).

1966 war das „Geburtsjahr“ für die Band, die aus dem Zusammenschluss zweier Berliner Truppen entstand. In dieser frühen Besetzung, in der die Band nur Coverversionen spielte, war auch noch der immer wieder zitierte Hugo Egon Balder dabei, der BIRTH CONTROL aber vor dem ersten Album verließ. Kleine Anmerkung am Rande-Man kann von HEB halten was man will, Ahnung von Musik hat er.

Nach gut zweieinhalb Jahre Tingeln durch Berliner Clubs erhielt die Band ein Angebot aus dem Libanon (?!) um drei Monate in einem Nachtclub in Beirut zu spielen. Nach der Rückkehr nach Deutschland hatten BIRTH CONTROL ihren Gitarristen, Reiner Borchert, verloren, der im Libanon geblieben ist. Als kurze Zeit später Sänger Fritz Gröger ausstieg und durch Bernd Noske(+2014) ersetzt wurde, begann die Band erstmals, eigene Stücke zu schreiben. Die Band beackerte wieder kleine Clubs in ganz Deutschland, und nahm bei einem kleinen Schlenker nach Wien 1970 dort die erste Single auf. Kurz darauf wurde auch das selbstbetitelte Debut veröffentlicht. Dieses Album verschaffte BIRTH CONTROL die Möglichkeit, als einzige deutsche Band beim Super Concert 70 neben Größen wie TEN YEARS AFTER und PROCOL HARUM zu spielen.

Das Debutalbum, insbesondere die Erstauflage, ist schon alleine aufgrund der Covergestaltung ähnlich legendär wie das Mülltonnencover des ELOY-Debuts.
Ihrem Namen entsprechend haben BIRTH CONTROL das Cover als Antibabypillen-Verpackung gestaltet, natürlich ist die echte Pille enthalten.

Nach einer Tour, die bis 1971 andauerte, begab sich die Truppe wieder in Studio um das nächste Album, „Operation“, aufzunehmen, auf das ich dann noch eingehen werden.

Ihren sicherlich größten Erfolg hatte die Band aber 1972 mit der Veröffentlichung von „Hoodoo Man“, insbesondere mit dem darauf enthaltenen Song „Gamma Ray“, der trotz einer Länge von fast zehn Minuten ein Hit, nicht nur in Deutschland, wurde.

Nun aber zu „Operation“, das mir persönlich besser als „Hoodoo Man“ gefällt, zumal „Gamma Ray“ wirklich schon tot gespielt wurde.


Mit „Stop Little Lady“ gelingt der Band ein Albumeinstieg nach Maß. Sämtliche Markenzeichen der Band (heftiges Schlagzeugspiel, harte, aber punktuell eingesetzte Gitarrenriffs, einprägsames Hammondspiel und allgemein ausufernde Instrumentalparts) werden hier zelebriert.“Just before the Sun will rise“, hat einen, ich will mal sagen, Westerntouch und erinnert von der Instrumentierung teilweise an Intrumentalbands wie THE SPOTNICKS. Geht extrem gut ab und ins Ohr. Mein persönlicher Fave der Band folgt mit „The Work is done“. (Das bei einem Beatclubauftritt fälschlicherweise mit „Give me Shelter“ angekündigt wird) Heavy und extrem einprägsam findet der Song immer wieder Eingang in meine Playlists. „Flesh and Blood“ zeigt auf, was Bernd Noske für ein geiler Sänger war. Dazu wieder heftiges Treiben sämtlicher Musiker, ein Killer! Das folgende „Pandemonium“ nimmt rein intrumental gesehen, schon etwas von „Gamma Ray“ vorweg. Hier hört man auch wieder, wie gut die Band das Songwriting sowie die Instrumentierung beherrscht. „Let us do it now“ fällt gegenüber den anderen Songs aus dem Rahmen, erinnert durch den Einsatz von Streichern etwas an frühe MOODY BLUES und klingt fast wie ein Soundtrack.

Noch etwas Trivia zu dem Album. Das Cover erzeugte auf zwei Arten einen Skandal. Das Originalcover, das den Papst und eine babyfressende, mutierte Heuschrecke zeigt wurde heftig diskutiert, aber seltsamerweiße nie zensiert. Für England wurde ein vermeintlich harmloseres Cover genutzt, dort weigerten sich die Mitarbeiter der Plattenfirma aber, die Platte zu verpacken, da sie das Cover anstößig fanden.
Es zeigt einen Aal in einem Kondom, was anscheinend von einigen Personen als stilisiertes Spermium angesehen wurde.

Es existieren mittlerweile zig Auflagen auf Vinyl und CD, hier sollte sich jeder selbst das für ihn beste Exemplar aussuchen. Für ein Erstauflagenoriginal muss man so um die 300 Euronen anlegen.