Sonntag, 2. November 2014

Heyoka - The Spirit Of Revelation (Do-LP)



Es war einmal in Texas...

Heyoka: die Progressive-Hardrockperle der Siebziger



Immer wieder tauchen sie wie aus dem Nichts auf: die vergessenen Bands mit ihren verschollenen Aufnahmen die, rätselhaft unbeliebt, irgendwo in einem Studioarchiv, Keller oder auf einem Dachboden vergammelten bis jemand sich ihnen empathisch annahm.

Seit den frühen Neunzigern gibt es weltweit ein Nischennetzwerk von eklektischen Labels, deren Wiederveröffentlichungen von Heavy über Folk bis Prog und Psych dafür sorgen, dass der Geldbeutel des Musikliebhabers nie problematisch überquellt. Dabei sei angemerkt, dass auch in Obskurmusikland nicht alles Gold ist, was da glänzt. Dennoch besitzt dermassen viel von dem, was aus den späten Revoluzzer-Sechzigern und den rocktechnisch ultimativ abenteuerlichen Siebzigern zu Tage gefördert wird so reichlich Qualität und Charme, dass man sich anstrengen muss, nicht bei jeder zweiten Ausgrabung die alte-Männer-Floskel ‘Früher war alles besser’ auszupacken.



Wobei wir beim eigentlichen Thema dieser Vorstellung wären, nämlich bei der Band, auf die der Spruch mit ‘früher’ und ‘besser’ vollends zutrifft: Heyoka aus San Antonio, Texas.

Nicht nur kann man ihr quantitativ äusserst bescheidenes Vermächtnis in allen Belangen als brillant bezeichnen, mindestens so rätselhaft ist es, dass dieses begnadete US-Quintett es nie aus der texanischen Szene heraus geschafft und zur internationalen Bekanntheit gebracht hat.

Kein Album, nichtmal eine EP, wurde veröffentlicht. Es gibt lediglich die drei selbstfinanzierten Singles ‘Whot boogie’/’It’s gonna be alright’ (1978), ‘Disco sucks’/’The quest’ (’79) und ‘Video madness’/’Change my ways’ (‘82) plus vereinzelte Tracks auf lokalen Radiokompilationen. Von dem gut Dutzend professionellen Aufnahmen aus der Periode 1975-1982, mit Producer Bob Bruce und Engineer Sal Monistare an den Reglern, kam das Gros zu Heyoka-Lebzeiten aber nicht zu Vinyl- oder sonstwelchen Ehren.

Im Jahr 2003 erschien, über Shroom Productions, unter dem Titel The lost Heyoka recordings (1976-1979) eine untergrundigst limitierte CD-R mit 11 Tracks, darunter zwei Liveaufnahmen. Es war der erste Versuch des Psych- und Progfreaks Richard S. Patz aus Houston, das Heyoka-Material doch noch einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Patz’ ShroomAngel Records veröffentlichte dann 2012 endlich die Songs - minus Live-Aufnahmen - offiziell als The spirit of revelation als edles Doppelvinyl und fabrikgepresste Digipak-CD. Das Ende eines langen, steinigen Weges. Was es auf diesen Tonträgern zu hören gibt, dürfte so manchem Classic-Progger mit Hardrock-Faible die Kinnlade gen Süden klappen lassen.



 

Die genaue Geschichte von Heyoka, anfang der Siebziger von Sänger/Querflötenspieler Michael Paul Grothues, Drummer Gerardo Ramírez, Bassist Val Mora und einigen Mitschülern als die Highschoolband Mother West Wind gegründet, werden wir vielleicht nie erfahren. Und das obwohl sie, laut ShroomAngel-Chef und die hard Heyoka-Fan Richard Patz in den Liner Notes zu The spirit of revelation, ein Buch füllen würde. Vor Jahren kündigte Mora, der bereits nach einigen Jahren ausgestiegen war, das Buch Passage to revelation - the birth of Heyoka an. Bisher ist es bei der Ankündigung geblieben. Auch wenn sich im Laufe der Jahre bei Heyoka das Personalkarussell immer wieder drehte, bildeten Grothues und Ramírez vom Anfang bis zum Ende das kreative Gerüst der Band.

Rückschläge diverser Art (darunter die doofe Copyright-Sache eines verwendeten Sound Effects in einem Video (!)), die sich rapide ändernde Rockszene im frühen MTV-Zeitalter, bandinterner Trubel - es durfte, so scheint es jedenfalls mehr als 30 Jahre später zumindest, schlichtweg nicht sein mit dem Durchbruch und Erfolg. Immer aufs Neue versuchte der unermüdliche Manager Bill Angellini - der in San Antonio neben seinem Hamburger-Restaurant noch einen Club betrieb, wo Heyoka eines Tages auftraten -, die Band ausserhalb Texas Fuss fassen zu lassen. Vergebens. Vom Business gefrustet warf man 1983 das Handtuch, just als die Band sich an, für Heyoka-Verhältnisse, mehr mainstreamigen Songs versuchte.

Dass es geschlagene drei Jahrzehnte dauern musste, bevor die kleine Heyoka-Schatztruhe auf bonafiden Tonträgern gepresst wurde, und dass Patz sich zu seinem Leidwesen im Juni 2014 gezwungen sah The spirit of revelation wieder aus dem ShroomAngel-Katalog zu streichen, sagt vielleicht auch einiges aus über das Verhältnis zwischen einigen verbliebenen Bandmitgliedern. Verblieben, ja. Denn Michael P. Grothues verstarb 2012 im Alter von 54 Jahren in seiner Heimatstadt an den Folgen einer unbehandelten Magenblutung. Mit ihm gingen de fakto auch Heyoka in die ewigen Jagdgründe.






Es war Grothues, der mit seiner unglaublich variablen Stimme, Querflötenvirtuosität und aussergewöhnlichen Texten einer oft spirituellen Natur den Heyoka-Stil prägte. Dabei lässt sich nicht leugnen, dass neben ihm ausschliesslich Spitzenmusiker aus der fruchtbaren Texas-Szene der Mittsiebziger am Werk waren. Der feine Unterschied zu vielen Progbands damals sowie heute: Heyoka verfügten gleich über mehrere vorzügliche Songschreiber. Die Versiertheit der Besetzung Grothues, Ramírez, Dito García und David Alcocer II (beide Gitarre und Background Vocals) und Pat Hood (Bass und Background Vocals) ermöglichte es zudem, mit einer ungeheuren Leichtigkeit Elemente aus anderen Stilrichtungen zu integrieren. Man teilte sich die Keyboardaufgaben, wobei Multi-Instrumentalist Ramírez den Löwenanteil der Tastenarbeit auf sich nahm. Später tauchte Ramírez mit Grothues (der den Namen Michael Steele Grothues führte, da er mit einer Dame namens Terri Steele verheiratet war) und Heyoka-Interim-Basser Dean Vallecillo in der San Antonio-Kultband Winterkat auf, wo er auch Keys und Synths spielte.

Der Sound von Heyoka ist somit weitaus facettenreicher als es der oft paradoxale Begriff ‘Progressive Rock’ zu transportieren vermag. Im Grunde hatten Heyoka sich eindeutig dem progressiven Hardrock verschrieben, wobei der Hauch von Mystik ihnen zusätzlich etwas spezielles verlieh. Wegen der Verspieltheit dürften die hart rockenden Jungs aus dem Lone Star State aber auch ein wenig zwischen den Stühlen gesessen haben.

Die Dynamik und Farbenfrohheit innerhalb der ausgetüftelten und dennoch immer limettefrischen Kompositionen erinnern desöfteren an eine gewürzte Mischung aus Point of know return-Kansas, Jethro Tull, Blue Öyster Cult, pre-Pop-Styx und Just a game-Ära Triumph. Man spielt die oft komplexen Sachen immer auf den Punkt, loses Gefrickel gibt es in diesen Songs nicht. Hier wurde immer schön diszipliniert gestrafft und somit konsequent verfeinert: die altmodische Tugend der Arrangierkunst hört man jedem Song an. In erster Linie geben bei Heyoka auch weniger die Riffs den Ton an, sondern bilden meistens eher die Melodien die Basis. Sprich: der WTQ (Wiedererkennungswerttrefferquotient) liegt bei circa 100 Prozent.





‘Thunderdreamer’, ‘Wooden birds’, ‘The quest’, ‘And the pessimist fled’, ‘Metamorphosis’ und ‘The monotony of change’ heissen die Songs, deren Kombi aus fliessend, komplex und schlüssig nur die ganz Grossen hinkriegen. Ob der gekonnten Verflechtung von Melodiekunst und öfters barocker Instrumentierung kommen leichte Assoziationen mit europäischen 70er-Progheroen wie Fantasy, T2 oder Culpeper’s Orchard auf. Dennoch ist diese Musik mit seinem Optimistenvibe und Showelement zu jeder Zeit so unverkennbar amerikanisch.

Im Opener ‘Thunderdreamer’, einem abwechslungsreichen Progrocker erster Kajüte, greift Michael P. Grothues das native American-Thema auf, aus deren Kulturgut der Bandname stammt. ‘Heyoka’ kommt aus der Sprache der Lakota-Sioux und bedeutet Clown, oder auch Gegensatz/Gegensätze. Der Heyoka ist ein contrary, eine närrische Figur der nordamerikanischen Wüstenindianer der von allem was andere tun oder für konventionell halten genau das Gegenteil praktiziert. In der Lakota-Mythologie erscheint der Heyoka auch als Geist mit Donner und Blitz, daher auch der Songtitel. Das Lied ist inspiriert von der Biographie des Oglala Sioux-Häuptlings Black Elk und hat ein tolles Intermezzo parat, in dem ritueller Sioux-Tanzgesang mit Querflöte verknüpft ist.

Stimmig-folkig à la Tull kommt anschliessend das akustisch gehaltene ‘Wooden birds’ daher. Mit seiner melancholischen Ausrichtung und dem in einer tieferen Tonlage singenden Grothues hätte diese unkonventionelle Ballade auf Endless skies von Ashbury eine sehr gute Figur abgegeben. Wieder spielt die Querflöte eine prominente Rolle. Die Streicherparts kommen aus dem Trickkästchen, klingen aber warm und liefern einen nicht geringen Anteil an der wehmütigen Grundstimmung.


 

Dass man in den Anfangsjahren auch mal das eine oder andere Santana-Cover mit ins Liveprogramm nahm, belegt die nächste Nummer: ‘The quest’ strotzt mit seinen locker-flockigen Percussionrhythmen (und der BÖC-Fan sprach: ‘More cowbell!’) nur so vor purem Latin-Swing. Ergo: Mitwippfussalarmstufe 1. Im Gitarrensolo klingt, fast selbstverständlich, Santanas Carlos dezent durch.

Ein klitzekleines bisschen Rush-ig wird’s in ‘And the pessimist fled’, was selbstverständlich nicht an den Vokalen, sondern rein an der Komposition und Spielweise liegt. Mit ungeheurem Drive peitschen Bass und Drums den Song voran. Keine Note, kein Break ist überflüssig. Wie in jedem Heyoka-Song sind hier die ausgeklügelten Backgroundvocals eine Klasse für sich.

Und der nächste Streich folgt sogleich. Wunderprognummer gefällig? Aber bitte sehr: ‘Metamorphosis’, ein lebensbejahendes und sehr Kansas-artiges Stück voller Feinheiten wie es im Buche steht. Realize,’ singt Grothues im Refrain, all things in time come to metamorphosis.’ Und so wandelt sich auch der Song mit seinen vielen Schattierungen und filigraner Percussionkunst bis zu seiner Apotheose. Und der geneigte Hörer sinniert: wie hat dieses 6 Minuten und 37 Sekunden dauernde Wechselbad der Gefühle damals wohl live geklungen?

Während der Heyoka-Gigs dürften sich die texanischen Hardrocker und Progger gegenseitig die Freudentränen aus den Augen gewischt haben. Die Band hatte über die Jahre hinweg einen prall gefüllten Konzertterminkalender: man eröffnete für Van Halen, Judas Priest, Rush, Budgie, Golden Earring (jawohl), Rush und viele anderen Acts. Angeblich existiert, so bedauerlich es auch ist, aus den vielen Auftrittsjahren aber nur einen integralen Live-Audiomitschnitt, aus dem Jahr 1982. Davon tauchte vor einiger Zeit der unveröffentlichte Song ‘The day of the moon’ auf der Reverbnation-Seite des ehemaligen Heyoka-Bassisten Patrick Hood auf. Hood stellte auch weitere Songs wie das kurze ‘Song of the grandfathers’, das akustische ‘The farce’ sowie die Ballade ‘That lonesome road’ ins Netz. Wann diese entstanden sind und wer darauf mitspielt, ist unklar.

Zurück zum Wanderpfad des Tex-Mex-Narren. Uptempo und mit Double Bass-Einlagen zeigt sich ‘The monotony of change’, das trotz Komplexität und Breaks wirkt wie ein straighter Hardrocksong - aber einer dessen Lyrics eine Substanz besitzen die man sonst in dieser Musiksparte selten vorfindet. Das kurze Intro ist spannungsvoll-effektiv, die Interaktion zwischen Drums, Bass und Querflöte später im Song eine einzige Freude. Glasklare Produktion und Mix ohne Zutaten machen’s möglich.






Das pièce de résistance des Heyoka-Schaffens steht dem Hörer aber noch bevor. ‘The trilogy’ ist eine aus - der Titel ist Programm - drei Teilen aufgebaute 24-Minuten-Reise in den siebten Hardproghimmel. Was darin abgeht, ist von A bis Z Olympniveau. Alleine die ebenso ausgedehnte wie mitreissende Querflöteneinlage und das polyrhytmische, magische Wechselspiel zwischen Rhythmus- und Sologitarrenparts auf der einen Seite und Drums/Percussion auf der anderen ist höchste Classic Prog-Filigrankunst. Vor allem Gerardo Ramírez stellt hier einmal mehr unter Beweis was für ein Kreativer er hinter dem Kit ist.

Sein Spiel in ‘The trilogy’ erinnert an Mark ‘Thunder Child’ Zonders Kunststücke auf dem Warlord-Livealbum …and the cannons of destruction have begun... Eine inventive, ja, melodische Art zu spielen, überraschende Akzente setzend, die Möglichkeiten der Dynamik voll ausschöpfend. Drums und Percussion als vollwertige Solo-Instrumente also, aber stets im Dienst des Songs, ohne überflüssige schau-mal-was-ich-alles-kann-Wirbeltrommlerei.

In Grothues’ Text geht es um die drei-Phasen-Transformation der menschlichen Seele. Wohlbetrachtet wird hier die ‘Metamorphosis’-Thematik ausgebaut: in seiner längeren Form passt diese hervorragend zu der epischen Atmosphäre dieses Heyoka-Herzstückes.

Einziger kleiner Qualm hier dürfte sein, dass die Gitarrensoli in ‘II. Passage’ in den Hintergrund gemixed wurden. Dafür entschädigen dann wieder die subtilen Doppelleads im überragenden Finale ‘III. Revelations’.


 

Mit ‘The trilogy’ dürften Heyoka den Grossteil der US-Rockfans, aber vor allem die Label- und Radioleute von damals mehr als nur etwas überfordert haben. Es war, vor allem als MTV mit verheerendem Effekt die Volksverdummungsmaschine enterte, klar dass auch kompaktere Songs her mussten. Wenn aber Heyoka in den letzten zwei, drei Jahren ihrer Karriere einen straighten Hardrocker schrieben, wurde daraus selbstverständlich kein simples Lied. Es lag einfach nicht in ihrer Macht, sich (erhofft) Radiotaugliches und Mainstreamkompatibles auszudenken und es dabei zu belassen. Daher fügen sich Tracks wie ‘Change my ways’ oder ‘It’s gonna be alright’ ohne allzu krassen Stilbruch in den kleinen Heyoka-Songkatalog ein: ersteres Lied bietet einen tollen Flötenausflug, letzteres ein lupenreines Metalfinale mit high-pitched Grothues-Screams. Sogar das powerpoprockende ‘Video madness’ aus den frühen Achtzigern - wofür man dann endlich einen Clip drehte, der aber ein wenig später aus Copyrightgründen zurückgezogen wurde - hat einige Überraschungen auf Lager. Die Version auf der LP, übrigens, klingt anders und wartet mit einem NASA-Sample-Intro auf.

Sowohl auf dem Vinyl als auf der CD mimt ‘Disco sux’ (auf der Single, mit Labelaufschrift ‘Not side A’, noch als ‘Disco sucks’ buchstabiert) den kurzweiligen Rausschmeisser mit pointiertem Satire-Text. Hier wechselt man mal eben mühelos zwischen stilistischen Antipoden. Die Männer aus San Antonio mögen Disco und alles was er verkörperte abgrundtief gehasst haben, den Funk und Groove hatten sie drauf, wie die astreine Pastiche im Song ganz locker belegt.





 Das Doppelvinyl von The spirit of revelation kommt in einer hochwertigen Klappcoveredition, mit den zwei superb gepressten LPs in verschiedenen Farben, sowie einem Poster. Hätte Michael Paul Grothues noch gelebt, wäre er bestimmt vom Covergemälde des Künstlers Guy Fountain begeistert gewesen, verbildlicht es doch die ursprüngliche Essenz Heyokas.

Auf Seite 1 und 4 der DLP-Ausgabe sind zusätzlich noch ‘Danger stranger’ und ‘Taking notes/Feel it’ enthalten. Und obwohl beide Aufnahmen aus 1982 stammen, könnten sie unterschiedlicher nicht sein. Ist ‘Danger stranger’ eine unkompliziert-flotte Hardrocknummer mit 80s Arenarock-Spirit, ‘Taking notes/Feel it’ klingt wie 70s Rush auf der Überholspur. Gerardo Ramírez eröffnet den ersten Teil, das fantastische Instrumental ‘Taking notes’, mit treibendem Double Bass. Anschliesslich legt auch Basser Dean Vallecillo los, dann erst klinkt die restliche Band sich ein und tritt so richtig aufs Gaspedal. Ohne das Tempo zu drosseln geht man schnurstraks in ‘Feel it’ über, den schnellsten Heyoka-Song überhaupt. Speed-Prog mit Powerriffing, Flitzefingerkeys und Hammer-Refrain, das trifft’s bei diesem Hardprog-Pendant zu einem Top-Tequila am besten.

Die kuriose Entscheidung, ‘Danger stranger’ und ‘Taking notes/Feel it’ nicht mit auf die CD zu packen, ergibt letztendlich zwei völlig unterschiedliche Releases von The spirit of revelation. Die stilistischen Apokryphen ‘Disco sux’ und ‘Video madness’ hätte man gut weglassen und dafür die zwei weitaus passenderen Songs nehmen können. Vor allem ‘Taking notes/Feel it’ ist ein Kracher vor dem Herrn und definiert quasi die härtere, undergroundige Seite der Band. Schade drum.

Jetzt stellt das auf 500 Stück limitierte Vinyl, wie die schlicht aufgemachte Digipak-CD-Version leider ohne Textblatt, klar die einheitlichere Ausgabe dieser bald raren Veröffentlichung dar. Dafür ist es erstaunlich dass diese über lange Jahre zerstreut aufgenommenen Songs in Sachen Sound ohne grosse Diskrepanzen auskommen. Genaugenommen fällt lediglich ‘Video madness’, mit seiner 80s Produktion und den wie Fremdkörper wirkenden Samples, aus dem Klangrahmen. Im Gegensatz zu so mancher Demokompilation aber wirkt das Material auf The spirit of revelation auch audiotechnisch homogen.







Kommen wir zum Schluss dieses Nachrufes und dem unvermeidlichen ‘Was wäre wenn..?’ Diese Frage beantworten zu wollen ist wohlbetrachtet sinnlos, erst recht seit dem Tod von Michael P. Grothues. Zwar spielten Heyoka in den Nullern ab und an eine Reunionshow, die kreative Magie der Siebziger konnte oder wollte man nicht mit neuen Aufnahmen reproduzieren. Das unvollendete Buch der legendären local heroes aus San Antonio wurde aus reiner Nostalgie aufgeschlagen. Sicher, wie zum Beispiel auch Kansas oder Blue Öyster Cult hatten Heyoka das Potential zum Erfolg. Es fehlte aber bedauerlicherweise die essentielle Portion Glück welche im damaligen Rockbiz eine Band aufs nächste Level hieven konnte.

Bis heute sind die ex-Heyokaner in der Musik aktiv, sei es meist semi-professionell. Gerardo Ramírez spielte zuletzt in einer Southern Hardrockband namens Wolfpak, in dem auch Patrick Hood für eine kurze Zeit mitmischte. Auf Ramírez’ YouTube-Kanal gibt es ein wunderbares, im Alleingang eingespieltes Instrumental aus 2006 mit dem Titel ‘Moonlight’. Mit seiner melancholischen Atmosphäre und seinem Finesse - sogar die Querflöte fehlt nicht - könnte es glatt für einen Heyoka-Song durchgehen. Aber Heyoka, das war einmal.

Was bleibt, ist das kleine Vermächtnis einiger texanischen Ausnahmerocker. Und, zum x-ten Mal, die ebenso traurige wie nüchterne Erkenntnis, dass die Qualität von Musik oft den geringeren - ein Zyniker würde sagen ‘geringsten’ - Anteil am Erfolg hat. Die Variablen im Business sind, leider, das Business der Variablen. Der Geist des Künstlers, des Musikers, des Poeten aber findet in der Welt seinen Weg und verzaubert, berührt, inspiriert, auch lange nachdem seine Traumexistenz auf Erden verflogen ist.

Überlassen wir Michael Paul Grothues ein letztes Mal das Wort:

If for once I could’ve told you

what went on inside my mind

you would have seen just why the words

were so very hard to find 
And I’m still searching


Merci, Heyoka, für die zeitlose Musik. Your spirit lives on.

Oliver ‘Prof’ Kerkdijk

Oktober MMXIV


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen