Montag, 3. November 2014

70's Heavies: Jackal - Awake

Es gibt Bands, deren komplette Biografie man problemlos recherchieren kann. Und dann gibt es wieder Bands, über die man durch Zufall stolpert und über die man so gut wie nichts findet.

Die Band, die ich nun vorstellen will gehört zur zweiten Kategorie. Ein wirklicher Kandidat für die „Forgotten Jewels“. Über die Kanadier JACKAL sind kaum Infos zu finden, selbst Spezialisten sind sich nicht ganz einig, wer hinter dem Namen stand usw. Deshalb kann ich nachfolgend nur die wenigen Infos, die mir vorliegen, wiedergeben und ob das Alles so stimmt, kann ich auch nicht garantieren.

JACKAL wurden wohl 1969 von den beiden Brüdern Chris und Jack Kellesis in Toronto gegründet. Jack spielte Bass, sein Bruder saß an den Tasten und ein Highschoolfreund, der aus Schottland nach Kanada ausgewanderte Charlie Shannon übernahm den Gesang. Bis das Line-up, ergänzt mit den beiden Gitarristen Steve Hayward und Dave Bernard sowie dem Drummer Louis Mutton vollständig war, ging aber noch einige Zeit ins Land. Erst 1973 (laut anderen Quellen schon 1971) konnten JACKAL mit Hilfe einiger, namentlich leider nicht bekannten Sessionmusiker ihr erstes und auch einziges Album namens „Awake“ aufnehmen. Diese Aufnahmen zogen sich aber aufgrund Geldmangel einige Monate hin.

Mehr ist über die Band leider nicht bekannt und was die Bandmember mittlerweile machen, habe ich auch nicht rausgefunden.

JACKAL spielen progressiven Rock, der teilweise sehr von der Hammondorgel dominiert wird und auch noch sehr den 60ern verbunden ist. Hervorzuheben ist das Gefühl der Band für tolle Melodien.

Der Opener des Albums, „At the Station“, ist eine fast perfekte Mischung aus Härte, Melodie und Progressivität. Eher softe Parts wechseln sich mit heftigen Passagen ab. Hervorzuheben ist hier auf alle Fälle die Stimme von Charlie Shannon, der von sanften Gesangslinien bis zu rauen „Gebrüll“ alles drauf hat. „For you“ bezaubert mit seiner Melodie, hat einen leichten Folktouch und erinnert stellenweise an Songs wie „White Rabbit“ von JEFFERSON AIRPLANE. Die Feuerzeuge werden bei „Sunny Side of the Day“ ausgepackt. Der Song ist eine wunderbare Midtempo-Ballade, die irgendwie den Spirit von Woodstock in sich trägt. Sehr abwechlungsreich kommt „A new Day has arisen“ aus den Boxen. Ruhige und heftige Parts wechseln sich ab und es wird wieder etwas Folk eingebaut, aber auch heftige Momente stellen sich ein. Ich lehn mich jetzt vielleicht für Manche weit aus dem Fenster, aber die Melodie und überhaupt der ganze Song kommen für mich nah an „Warning“, dem Meisterwerk von ASHBURY oder an „Dark Ages“von JETHRO TULL ran. „How Time has flown“ gibt richtig Gas, heavy, progressiv, treibend. Auch hier zeigt die Band wieder sehr viel Gefühl für Melodien. Mit „Lost in the World“ gibt es einen heftigeren Song auf die Ohren. Toller Heavyrock, dessen Hauptriff mir aber extrem bekannt vorkommt, ich weiß nur nicht woher. „In the Heavens“ wird dann noch einen Tick härter, auch wenn die Band im Refrain die Härte etwas rausnimmt, dafür aber wieder mit einer tollen Melodie glänzt. Abgeschlossen wird das Album durch den Titelsong, einem richtigen Progressiv-Monster, dass sich auf fast acht Minuten verteilt. Abgerundet wird das Ganze noch durch das tolle Coverartwork, dass sich bei näherem Hinsehen als Buntstiftzeichnung entpuppt.


Bei der Verfügbarkeit des Albums geht es einem ähnlich wie bei der Biografie der Truppe. Mir liegt die 2004er Radioactive-CD vor, die aber laut diversen Quellen ein Bootleg ist und auch kaum noch auftaucht. Wer sie irgendwo zu einem günstigen Kurs sieht sollte zuschlagen. Ebenfalls um ein Bootleg soll es sich bei der Labyrinth-Version von 1994 handeln. Ob es ein offzielles Re-Issue gibt kann ich leider nicht sagen. Die Original-LP auf dem Periwinkle-Label von 1973 taucht sehr selten auf und dementsprechend sind die Preise. Zwischen 200 und 250 Euronen sollte man dafür rechnen.

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