Sonntag, 2. November 2014

70's Heavies: Killing Floor - Out of Uranus

Wir wildern weiter in den 70ern. Ich will diesmal eine Scheibe einer Band vorstellen die immer noch oder besser gesagt wieder aktiv ist.

KILLING FLOOR wurden 1968 von dem Sänger Bill Thorndycraft (Was für eine Name) und dem Gitarristen Mick Clarke gegründet, die sich bei dem ersten und einzigen Gig einer nicht namentlich bekannten Londoner Bluesband kennenlernten. Bill kannte von früher noch den Drummer Bazz Smith und nach einer Anzeige im Melodymaker fanden noch Bassist Stuart McDonald und Pianist Lou Martin zur Band.

Nach harter Arbeit im Proberaum und bei diversen Gastspielen in winzigen Pubs, hatte die Band ihren ersten richtigen Gig im Vorprogramm von CAPTAIN BEEFHEART. Dem Publikum gefiel die Mischung aus altem Chicagoblues mit rockigen Elementen und so konnten KILLING FLOOR immer mehr und größere Gigs spielen, unter anderem auch als Opener für Bands wie THE NICE oder YES.

1969 wurde das selbstbetitelte Debut veröffentlich, dass gute Kritiken und Airplay bekam (unter anderem durch John Peel) und der Band weitere Türen öffnete. Es ging auf eine mehrwöchige Tour mit FREDDY KING, die dann aber abgebrochen wurde, als FREDDY KING keine Bezahlung seitens des Promoters erhielt. KILLING FLOOR bekamen somit auch kein Geld und kehrten frustriert nach London zurück. Enttäuscht ob der ganzen Sache löste sich die Band Ende 1969 auf und die Musiker beteiligten sich an diversen Projekten. Nach kurzer Zeit wurde die Band aber doch wieder reanimiert (allerdings ohne Lou Martin) und da sie in ihrer Heimat auf keinen grünen Zweig kamen gingen die Musiker auf eine Faust auf Tour, unter anderem in der Schweiz und in Deutschland wo sie auch Festivalauftritte mit Bands wie BLACK SABBATH hatten. Danach verschlug es KILLING FLOOR nach Frankreich. Dort konnte die Truppe soviel Geld verdienen, dass sie nach ihrer Rückkehr nach England das Album „Out of Uranus“ in Angriff nehmen konnte, dass hier gleich noch vorgestellt wird. Von diesem Album wurde eine Single ausgekoppelt, die sehr oft auf BBC 1 gespielt wurde und auch ein Auftritt bei Disco 2, einer TV-Sendung der BBC, verschaffte der Band einen höheren Bekanntheitsgrad. Trotzdem sollte „Out of Uranus“ für lange Zeit das letzte Album der Band sein. Das Line-up wechselte die nächste Jahre ständig. 2002 wurde Mick Clarke vom Inhaber eines italienischen Labels angesprochen, ob es nicht möglich wäre ein weiteres KILLING FLOOR-Album aufzunehmen. Mick Clarke kontaktierte die Originalmitglieder und seitdem existieren KILLING FLOOR bis heute wieder und das quasi in der Urbesetzung.

Aber nun zur Musik von KILLING FLOOR und „Out of Uranus“

Das Album beginnt mit dem Titelsong, der so gar nicht zu einer Bluesrockband passen will. Heftiger Psychedelicrock mit nur ganz leichten Bluesspuren wird dargeboten, dessen Klasse man aber erst nach mehrmaligen Hören erkennt.“Soon there will be Everything“ lässt sich auch sehr schwer klassifizieren. Ein bunter Mischmasch aus Country (die Leadgitarre), Psychedelic, Hardrock und den drogengeschwängerten Songs von Band wie JEFFERSON AIRPLANE. Einen Ohrwurm, der sich insbesondere durch das Mainriff festsetzt ist „Acid Bean“. Toller Losgehrocker, der sogar leicht punkig rüberkommt. Mit „Where nobody never goes“ wird die Band erstmal dem Genre gerecht, das sie sich selbst auf die Fahne geschrieben hat-Bluesrock, langsam aber tonnenschwer, dreckig und im Mittelteil richtig heftig rockend. „Sun keeps shining down“ könnte auch den Anfängen des Rock'n Roll stammen, wären da nicht die doch recht heftig bratenden Gitarren. Sicher auch live ein Kracher. Richtig gute Laune verbreitet „Call for the Politicians“, das etwas an die frühen ROLLING STONES gepaart mit CREEDENCE CLEARWATER REVIVAL erinnert und auch noch ein Überbleibsel aus den 60ern zu sein scheint. Bei „Fido Castrol“ (!?) geht die Band wieder etwas psychedelischer zu Werke, teilweise recht heavy. „Lost alone“ ist wieder Bluesrock mit einer Prise Rock'n Roll und zumindest ein Part klingt so, als hätte die Band einfach wild improvisiert. Sehr geil. Mein Lieblingssong der Scheibe und auch Anspieltip ist „Son of Wet“, ein richtig cooler und relaxter Rocksong mit sehr einprägsamen Riff und einem entfesselten Drummer im Mittelteil. Zum Abschluss kommt leider ein insgesamt etwas schwacher Song. „Milkman“ klingt etwas uninspiriert, konfus und ideenlos.


Es gibt mehrere Re-Issues auf Vinyl und CD. Mir liegt die CD-Version von Repertoire vor, die am günstigsten zu erwerben ist. (Achtung, es existiert auch wieder ein russisches Bootleg auf CD) Und wieder die Info für die Originalfanatiker. Zwischen 500 und 700 Eurodollar solltet ihr für ein gutes Exemplar rechnen.

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