Donnerstag, 6. November 2014

70's Heavies: Dirty Tricks - S/T

Es ist immer wieder erstaunlich über welche, auch bekanntere Bandnamen man im Zusammenhang stolpert, wenn man versucht, die Biografie einer eher unbekannten 70er Truppe nachzuvollziehen.

Die Ursprünge der Schottisch/Britischen Band DIRTY TRICKS gehen bis weit in die 60er zurück. Der Sänger Kenny Stewart und der Gitarrist Johnny Fraser begannen etwa Mitte der 60er in diversen Bands in Schottland zu spielen und ließen dabei so gut wie kein Musikgenre aus. Beide landeten 1970 bei AEGIS, einer Truppe, die einen eher avantgardistischen Ansatz hatte. Hier waren die beiden etwa drei Jahre tätig, bis AEGIS Geschichte waren. Die beiden gingen nach London, wo sie vorerst bei diversen Bands landeten und sich mehr schlecht als recht durchs Leben schlugen.

Von der anderen Seite kam Terry Horbory, der bei DIRTY TRICKS den Bass übernahm. Mit 16 gründete er seine erste Band in der englischen Provinz bis diese in der Gegend so etwas wie die Lokalmatadoren war. Er zog nach London und schloss sich dort einer Art Künstlertruppe namens THE GOOSE FAYRE SHOW an, die neben Musik auch Theater und dergleichen darbot und aus Musikern, Schausspielern und Herumtreibern bestand. Kenny Stewart und Terry Horbory lernten sich dann bei einer Band namens SAN APPLE PIE kennen, bei der sie beide fast zur gleichen Zeit einstiegen. Da die Richtung, die die Band einschlug beiden nicht gefiel verliesen sie SAN APPLE PIE wieder und nahmen dabei gleich noch den Drummer Dave von einer anderen Band namens RENIA mit an Bord.


Zu diesem Zeitpunkt hatte die Band noch keinen Namen. Die Jungs verbrachten einige Zeit mit Üben und Jams, aber ohne Gigs. Irgendwann beschlossen sie ein Demo aufzunehmen, was die Firma Polydor dazu veranlasste, der Band einen Vertrag anzubieten. Kurz danach verließ Dave die Truppe, für ihn kam John Lee in die Band. John Lee stammte aus England, war aber im Alter von 14 mit seinen Eltern nach Australien gezogen. Er hatte als Einziger schon Erfahrung mit größeren Band, da er in Australien eine Weile zu den recht bekannten BLACKFEATHER gehörte mit denen er zwei recht erfolgreiche Touren hinter sich brachte und auch ein Album aufnahm. Er verlies die Band aber, um einem Angebot der Band ARIEL zu folgen. Mit dieser Truppe ging er auf Englandtournee, die aber wenig erfolgreich war. Er beschloss danach in England zu bleiben. Durch Zufall kam er zu einem Vorspielen DIRTY TRICKS ( den Namen hatten sie sich dann zugelegt) und wurde auch engagiert. Nachdem die Band endlich komplett war wurde das selbstbetitelte Debut, um das es hier auch gehen soll, in Angriff genommen und 1975 veröffentlicht. Produziert wurde das Ding übrigend vom Rodger Bain (BLACK SABBATH, BUDGIE usw.)

Dirty Tricks spielen, vereinfacht gesagt, Hardrock. Etwas Blues ist zeittypisch natürlich auch dabei, insbesondere die Stimme von Kenny Stewart ist dafür eigentlich prädistiniert. Eine Band, die man vielleicht als Vergleich heranziehen kann sind The Free bzw. Bad Company.

Der Einstieg ins Album, „Wait till Saturday“ zeigt schon mal die Marschrichtung an. Kräftiger Hardrock mit coolen Riffs und einer schön trockenen Rhythmusgruppe. „Back off Evil“ beginnt etwas psychedelisch, wandelt sich dann aber in einen bluesigen Rocksong, der durch die Riffs aber schon fast doomartig rüberkommt. BLACK SABBATH standen auch Pate, keine Frage, aber trotzdem oder gerade deswegen ein starker Track. Im krassen Gegensatz dazu steht „Sunshine Day“, ein schon fast fröhlich zu nennender Song, der aber ordentlich rockt und sich schnell in den Gehörgängen festsetzt. „If you believe in me“ ist eine ruhige, folkige Ballade und gar nicht mal schlecht. Eine Verschnaufpause für den nachfolgenden Riffrocker, „Too much Wine“ genannt. Cooler Song, der ein nettes kleines Gesang/Gitarrenduell beinhaltet und auch zu AC/DC passen würde.“Call me up for Love“ ist ein gefälliger Track, der aber nicht so ganz in den Albumkonsens passt und qualitativ etwas abfällt. Irgendwie erinnert mich die Nummer durch den Glamrocktouch an die fröhlichen SWEET oder auch an frühe KISS. Um eine „Marcella“ geht es im nächsten Song, der insbesondere durch die Gitarren einen leichten Southerntouch bekommt. Mit „High Life“, einem echten und richtig geilen Bluesrock endet das offizielle Album. Auf der mir vorliegenden VÖ sind noch vier Bonustracks enthalten. „Hire Car“ ist nicht schlecht, aber ziemlich kommerziell ausgefallen und wohl auch deshalb zusammen mit mit dem ähnlich gearteten nächsten Song „I'm gonna get me a Gun“ auf Single veröffentlicht worden. Die zwei anderen Bonustracks sind alternative Versionen von „Wait until Saturday“ und „Too much Wine“.



Die Band scheint wieder zu existieren, jedenfalls gab es 2009 ein Album als Eigenveröffentlichung. Allerdings nur in digitaler Form. Insgesamt hat die Band somit 4 Alben veröffentlicht.  Interessant ist noch der Werdegang von zwei Musikern. Andy Beirne, der 1976 den Posten von Drummer John Lee übernahm, landete später bei den ja nicht so unbekannten GRAND PRIX, während Terry Horbory bei VARDIS einstieg.

Ich habe hier die Flawed Gems CD Veröffentlichung mit 4 Bonustracks von 2012 vorliegen. Es gibt wohl noch eine CD-Version von Majestic Rock mit 6 Bonustracks von 2004, sowie ein Re-Release auf Vinyl auf dem Label PVC aus dem Jahr 2013, das allerdings ohne Bonustracks auskommen muss. Die Originalpressungen sind relativ günstig zu bekommen, etwa 30 bis 40 Euronen sollte man rechnen.



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