Samstag, 29. November 2014

Canada rocks: Wireless

Wir sind wieder Land des Ahorns.

Im Gegensatz zu MOXY dürften WIRELESS den Wenigsten bekannt sein. Wer sich Anfang der 90er viel in bayrischen Rockclubs rumgetrieben hat dürfte zumindest ein paar Songs kennen, auch wenn der Name nicht geläufig ist.

WIRELESS sind eine der Bands, bei denen das „The Third make it or break it“ wirklich passt, dazu später mehr.

Die Vorstellung der Band wird etwas kurz ausfallen, da die Infos recht spärlich gesät sind und der Bandmember, den ich ausfindig gemacht hatte, leider nicht auf Emails reagiert.

WIRELESS gingen aus der Band AUTUMN hervor. Hinter dem Namen standen die Australier Allan Marshall (Bass), Steve McMurray (Gitarre) und Glenn Beatson (Drums), die Mitte der 70er zuerst nach England und anschließend nach Kanada übersiedelten, da sie in ihrem Heimatland mit ihrer Musik keinen Fuß auf den Boden bekamen. In Kanada tourte die Band eine Weile mit LIGHTHOUSE bis sie dann irgendwann in Toronto hängenblieb. Dort stießen der Sänger Michael Lalonde und der Gitarrist Mike Crawford zu AUTUMN, die sich kurz darauf in WIRELESS umbenannten.
Nach relativ kurzer Zeit erhielt die Band einen Plattenvertrag mit Atlantic Records. Die Truppe ging ins Soundstage Studio in Toronto und nahm dort unter der Regie von Jack Richardson (produzierte unter Anderem THE GUESS WHO und ALICE COOPER) ihr selbstbetiteltes Debut auf. Das Album und die daraus ausgekoppelte Single „Spend the Night with me“ wurden relativ gut angenommen, von einem Erfolg kann aber nicht unbedingt die Rede sein.

Zum Debut ist zu sagen, dass es sich um ein recht gutes Rockalbum handelt. Herausragend ist auf alle Fälle „Lady Anne“, eine groovige Halbballade und die recht gelungene Coverversion von „Chain of Fools“.

Nach der Veröffentlichung des Albums gingen WIRELESS auf Tour, die nicht besonders erfolgreich war. Da auch die Verkäufe der Scheibe hinter den Erwartungen zurückblieben, verlor die Band den Vertrag mit Atlantic wieder. Ein weiterer Rückschlag kam, als Beatson wieder in seine alte Heimat zurückwollte. Aus diesem Grund verließ er die Band. WIRELESS lagen auf Eis wie man so schön sagt-Der Rest der Band verbrachte die kommenden Monate damit einen neuen Drummer zu suchen. Besetzt wurde der Posten dann schließlich mit Marty Morin, der vorher bei Goddo am Schlagzeug saß. Kurz darauf verabschiedete sich auch Lalonde von der Band. Die verbliebenen Musiker entschieden sich dann zu Viert weiterzumachen, mit Marshall als Sänger, der diesen Posten ja bereits bei AUTUMN innehatte. Man wollte nicht noch mehr Zeit verplempern um auch noch einen neuen Sänger zu finden.

WIRELESS holten sich einen neuen Manager namens Ray Danniels um schnellstmöglich ein neues Label zu finden. Dieses fanden sie in Anthem, das unter anderem auch RUSH und MAX WEBSTER betreute. Mit dem Produzenten Mike Tilka, dem ehemaligen Bassisten von MAX WEBSTER ging es ins Studio und das Zweitwerk „Positively Human, relativily Sane“ wurde aufgenommen. Zwei Songs darauf, „The Rut“ und „What you make it“ wurden von Marty Morin eingesungen. Das Album erhielt gute Kritiken und die Verkäufe waren ok, aber nicht überragend.

Wenn man sich das Album anhört wird man feststellen, warum das Album nicht Jedermanns Sache. An sich handelt es sich um sehr guten AOR/Hardrock, der aber, ähnlich wie bei RED RIDER, etwas sperrig ist. Aber genau das macht meiner Meinung nach die Klasse des Albums aus. Insbesondere das auf ein tolle Riffs aufbauende „No way out“, das coole „Hard Way“ und „461 Markham“ wissen zu gefallen.

Anthem war an sich zufrieden mit den Verkäufen und glaubte an die Band. Um WIRELESS noch den letzten Schub zum Erfolg zu geben, wurde für das nächste Album ein neuer Produzent engagiert. Anthem wollte jemanden, der bereits einen Namen in der Szene hatte. Bei diesem Produzenten handelt es sich um keinen Geringeren als Geddy Lee von RUSH. Mit ihm zusammen ging die Band in ein Studio in Quebec um ihr 80er „No Static“ einzuspielen.

Eigentlich standen alle Zeichen auf Erfolg. Ein bekannter Produzent, eine nicht mehr gänzlich unbekannte Gruppe und Anthem geizte auch nicht mit der Promotion. Trotz der ganzen Bemühungen schaffte es die ausgekoppelte Single namens“ Pay to Ride“ nicht einmal in die Top 30 und die Verkäufe des Albums blieben auch weit hinter den Erwartungen zurück. Dies war das Ende für WIRELESS.

Resigniert verließ Morin die Band anschließend um sich den reformierten GODDO anzuschließen. Die anderen Musiker zogen sich meines Wissens nach komplett aus der Musikszene zurück.

„No Static“ ist in Kanada heute so etwas wie ein Kultalbum und auch in Europa gilt die Scheibe als sträflichst unterbewertet. Wie so oft wurde die Klasse des Albums leider erst zu spät entdeckt.

Das Album ist härter als die anderen Scheiben und in Teilen auch etwas progressiv. Wirklich herausragend sind Songs wie „Go naked through the World“, „One of a Kind“, „East of the Sun, West of the Moon“ und der Überknaller „Journey of a possible Hero“.



Donnerstag, 27. November 2014

70's Heavies: Solid Ground - Made in Rock

Unser Reise in die 70er führt uns nach Schweden und zu einem „heiligen Gral“ für Sammler des Genres.

Die Geschichte von SOLID GROUND beginnt Mitte der 70er in Solna (Stockholms Län, also im Bezirk Stockholm), allerdings unter dem Namen 4-EVER. Die beiden Gitarristen und Sänger Gösta Hjelmqvist und Tobbe Benckert wollten unbedingt eine Band an den Start bringen und nachdem Anders Berge an den Drums und Cary Lindfors am Bass dazustießen, war das Lineup komplett. Obwohl die Truppe noch keinen Livegig gespielt hatte und im Prinzip nur im Proberaum existierte gingen die Musiker ziemlich bald ins Studio um eine Single aufzunehmen. Sie entdeckten nämlich in einer Zeitung eine Anzeige des HZ-Studios, das kurz zuvor von Hans Östlund (der in den 60ern in der zumindest in Schweden relativ bekannten Beatband HEP STARS Keyboard gespielt hatte) eröffnet wurde. Da er gleichzeitig ein kleines Label gründete (Scam Records) war er auf der Suche nach Bands und bot Aufnahmen zu sehr günstigen Preisen an. Die Band nahm die Songs „Tunnelbane Blues“ und „Vansinniga Berta“ für die Single auf, die in einer Auflage von 200 Stück gepresst wurde und dementsprechend so gut wie nicht zu finden ist. Auch blieb es die einzige Veröffentlichung von 4-EVER.

Cary und Tobbe mussten kurz nach den Aufnahmen ihren Militärdienst antreten und verließen die Band somit. Nachdem mit Björn Uhr an der Gitarre und Peter Eklund am Bass Ersatz gefunden wurde, nannte sich die Band in SOLID GROUND um. Der Namenswechsel ging auch gleich mit einer Änderung des Musikstils einher, der rockiger und heavier wurde.

Mitte 1975 begab sich die Band wieder in ein Studio um die Single „My Song/Tell me“
aufzunehmen. Obwohl SOLID GROUND sich nicht erneut für das Studio von Hans Östlund entschieden betreute er die Aufnahmen als Produzent und war auch für den Endmix zuständig. Diese Single wurde auch wieder nur in einer Auflage von 200 Stück veröffentlicht.

Anschließend begann die Band regelmäßig zu touren, meistens jedoch mit Truppen, die einen ähnlichen Status innehatten. Erwähnenswert ist hier vielleicht FRIENDSHIP TIME, deren einziges Album bis vor ein paar Jahren unveröffentlicht blieb.

Ende 1976 hatten SOLID GROUND genügend Material zusammen um ein Album aufzunehmen.
„Made in Rock“, dass das einzige Album der Band bleiben sollte, wurde in nur zwei Tagen aufgenommen, wobei hier ein Tag auf die Aufnahmen, der andere Tag für den Endmix genutzt wurden. Hans Östlund war hierfür wieder zuständig. (Während der Aufnahmen nutzte die Band ein Instrument namens Orchestron, dass wohl Ähnlichkeiten zu einem Mellotron hat. Viel ist über das Ding nicht bekannt, es soll aber mit einem anderen Prinzip gearbeitet haben.) Das Album wurde bald nach den Aufnahmen veröffentlicht, aber, man kann es schon erraten-die Auflage betrug wieder nur 200 Stück, was den „Holy Grail“-Status unter Sammlern nachvollziehbar macht.

SOLID GROUND tourten wieder intensiv, mussten aber bald feststellen, dass Schweden für ihre Art von Musik zu dieser Zeit das falsche Pflaster war. Disco war angesagt und die Musiker wollte das Risiko nicht eingehen, es im Ausland zu versuchen. So trennte sich die Band bald und die Musiker sollten sich für knapp 30 Jahre komplett aus der Musikszene zurückziehen. Dazu kommen wir später noch.

Man kann durchaus behaupten, dass SOLID GROUND eine der härtesten schwedischen Bands aus dieser Zeit sind. Hört man sich das Album an so kann man eigentlich nicht glauben, dass die Band nur eine so kurze Zeit existierte, da auch das Songwriting weit über dem Durchschnitt anzusiedeln ist. „Made in Rock“ verdient das Prädikat Proto-Metal mehr als viele andere Alben aus der Zeit. Die Band spielt hier harten Rock, unbekümmert, frisch, heftig und mit unglaublicher Energie.

„Saturday Rae“ mit dem Beititel „Handrock“ zeigt als Einstieg gleich in welche Richtung das Ganze gehen soll. Heftiger Rock mit Punk/Glam-Einschlag. Der nächste Track „Just tell me“ beginnt verhaltener, geht dann aber über in einen sehr starken Rocker, dessen Refrain man nicht mehr aus den Gehörgängen bekommt. „This bloody Town“ ist textlich eine Art Abrechnung mit der Discoszene und echt ein Knaller, wenn auch nicht ganz so heftig wie die ersten beiden Tracks. Eher eine Ballade ist „Mata Hari“. Vom Sound her erinnert das Ganze etwas an ruhigen Southernrock, was hier aber nicht einfach abgekupfert klingt. „Oh Lord“ gibt wieder etwas mehr Gas und hat etwas von „London calling“ von THE CLASH, insbesondere durch den Gesang, geht später dann etwas in die Glamrichtung. Richtig groovig ist „Tombstone Kiss“. Fast schon Mainstream, geht schnell ins Ohr und in die Beine. „Rock'n Roller“ ist genau Das – Ein rockiger Song, Glam und Punkeinschläge wechseln sich und der Gitarrist geht auch heftig ab. Bei „16 Track“ weiß ich nicht so genau was ich davon halten soll. Auf der einen Seite schön heavy, auf der anderen Seite aber mit sehr seltsamen Sing a long-Parts. Aber wer weiß, was die Band bei den Aufnahmen eingeworfen hatte, zumal es ja im Text um eine 16 Spur-Aufnahme geht. Beim letzten Song des ursprünglichen Albums, schlicht nach der Band benannt fassen SOLID GROUND nochmal Alles zusammen, was ihren Sound ausmacht. Heavyrock, Glam, Punk, Southern usw. werden zu einem wilden Gebräu vermischt. Dazu bekommt man schöne Doppel-Leads serviert. Die Bonustrack-Abteilung startet mit „My Song“, dem A-Seiten-Track der ersten SOLID GROUND-Single. Glam-Rock ist angesagt, nicht schlecht, aber kein Überhammer. Die B-Seite, „Tell me“ist eine etwas härtere Version des Album-Tracks „Just tell me“ und genauso gut. „Inner Sin“ stammt von 2007. Die Band hatte nach knapp 30 Jahren mit dem neuen Sänger Kristian Andren wieder zusammengefunden um bei dem 20-jährigen Jubiläum des Mellotronen-Labels dabei zu sein. Das machte den Musikern soviel Spaß, dass sie vier neue Tracks aufnahmen. „Inner Sin“ ist richtiger Kracher, heavy, stampfend, so soll es sein. Mit „Man on the Run“ liefern SOLID GROUND einen groovigen Rocksong mit sehr einprägsamen Refrain ab. „Turkish Delight“ dürfte der heftigste Song der bisherigen Bandgeschichte sein. Schnell,mit harten Riffs, eigentlich schon Metal, sehr geil. Dafür fällt „Yes, No“ etwas ab. Liegt vielleicht auch daran, dass das Ganze nach den anderen Tracks etwas zu seicht rüberkommt. Kommen wir nun zu den letzten beiden Bonustracks Es handelt sich hierbei um die Single, die unter dem Namen 4-EVER aufgenommen wurden. „Tunnelbaneblue“ ist eher Glamrockstandard und klingt durch die schwedischen Texte auch etwas unfreiwillig komisch. Die wahnsinnige Berta ist da schon besser, ziemlich abgefahren. Der Track geht auch schon eher in die Richtung des späteren Sounds.


Eine kleine Randbemerkung noch. SOLID GROUND sind einer der wenigen Bands aus dieser Zeit, die ich schon live (Muskelrock 2009) erleben durfte. Die alten Herren hatten da auch sichtlich Spaß.

Ich denke mal, dass Jedem klar ist, dass mir nicht die Original-LP vorliegt. Ich habe hier das sehr gute 2007er CD-Reissue im Digipack vom Mellotronen vorliegen, das mit ACHT Bonustracks den Fan erfreut. Es gibt zwar noch frühere Re-Issues vom gleichen Label, allerdings ohne die Bonustrack, deshalb empfehle ich auf alle Fälle, nach der 2007er Veröffentlichung zu suchen. Eine Japan-CD mit den Bonustracks gibt es auch. Es existiert auch ein Vinyl-Reissue ohne die Bonustracks. Dies scheint wohl ein Bootleg zu sein. Eine Picturedisc taucht auch ab und an auf, diese soll allerdings von Record Heaven offiziell lizensiert sein. Für die Original-Fanatiker sei gesagt – Wenn die Original-LP überhaupt mal auftaucht, dann muss man tief in die Tasche greifen und so zwischen 500 und 1000 Euronen auf den Tisch blättern.


Freitag, 14. November 2014

Canada rocks: Moxy - Part Two 1977 - 2009

Im März 1977, nachdem MOXY seit Erscheinen des zweiten Albums ununterbrochen auf Tour waren, kehrte die Truppe nach Toronto zurück um ihr drittes Album in Angriff zu nehmen. Erneut mit Jack Douglas an den Reglern entstand „Ridin' High', bei dem die Band den Härtegrad massiv anzog.
Das Album erhielt auch wieder gute Kritiken. Leider wurde das Airplay weniger. Zum Teil lag das sicher am härter gewordenen Sound von MOXY, zum Anderen aber auch an der neuen „Marschrichtung“ bei den kanadischen und amerikanischen Radiostationen. Diese setzten jetzt mehr auf sanfteren Rock. Weiter unterstützt wurden sie aber wieder von dem bereits angesprochenen Kiss-FM aus Texas. Joe Anthony verschaffte der Band drei Headlinerauftritte in Austin, San Antonio und Corpus Christi. Als Support für die drei Termine wurden AC/DC gebucht. Im Anschluss ging die Tour unter anderem nach Kalifornien und Michigan wo MOXY unter anderem mit den RAMONES, STYX, RAINBOW und TROOPER spielten.Die Tour endete mit einer Headlinershow in Toronto.

„Ridin' High“ ist trotz der angezogenen Härte ein eher schwaches Album. Meiner Meinung nach zeichneten sich hier schon die kommenden Schwierigkeiten innerhalb der Band ab. Mir persönlich gefallen nur zwei Songs richtig gut, „Another Time, another Place“ sowie „“Are you ready“.

Das intensive Touren hinterlies Spuren bei den Bandmitgliedern. Buzz Shearman bekam massive Stimmprobleme, so das ab und an der Soundmann Brian Maxim einspringen musste. Zudem hatte Shearman ein Alkoholproblem, was ihn dazu veranlasste, nach der „Ridin' High“-Tour seinen Abschied von der Band zu nehmen, da er diese Probleme wieder in den Griff bekommen wollte.

Als neuer Sänger kam Michael Rynoski zu MOXY, besser bekannt unter dem Namen Mike Reno, der ja später die Vocals bei Loverboy übernahm. Auch an den Drums gab es einen Wechsel. Bill Wade verließ die Band Ende 1977, für ihn kam Danny Bilan, der einige Jahre später bei HANOVER FIST und WILD T AND THE SPIRIT landete. Mit diesen Neuzugängen wurde „Under the Lights“ aufgenommen.
Um wieder mehr Airplay zu bekommen, nahm die Band wieder etwas Härte aus dem Sound, was dazu führte, dass die Band auf der folgenden Tour und den Festivalshows (u.a. mit AEROSMITH und TRIUMPH) das Publikum nicht mehr so begeistern konnte wie zu den Anfangszeiten. Aufgrund der neuen Ausrichtung der Band verließ schmiss nun auch Earl Johnson seinen Posten bei MOXY hin.Er wurde durch Woody West ersetzt, der früher bei BRUTUS spielte. Buzz Shearman indessen hatte mittlerweile eine andere Band namens BUZZSAW gegründet.

Ich finde „Under the Light“ insgesamt besser als „Ridin' High“. Insbesondere der Titeltrack, „Maybe i'm a Dreamer“ und „Highschool Queen“ sind tolle Rocksongs. Ein kleines Rätsel gibt es noch - Das Album wurde auch unter dem Titel „Thinking about you“ veröffentlicht, aber hier nicht nur unter MOXY sondern unter MIKE RENO & MOXY.
Warum, wieso, weshalb habe ich noch nicht rausgefunden. Angeblich erschienen beide Versionen gleichzeitig.

Danach war bei MOXY eine Pause angesagt. Reno ging wie schon erwähnt zu LOVERBOY. Terry Juric nutzt die Pause um bei THOR das Album „Keep the Dogs away“ mit einzuspielen. Auch die anderen Bandmember tauchten auf diversen Alben auf.

Ende 1979 kam Buzz Shearman zu MOXY zurück. Die Band spielte eine kleine Tour in Kanada und Texas. Dabei war hier auch der neue Gitarrist Doug MacAskill. Da nichts mehr richtig lief, machte die Band eine erneute Pause. Im Frühjahr 1980 tat sich für Buzz Shearman eine große Chance auf-Er war einer der Kandidaten um nach dem Tod von Bon Scott der neue Sänger von AC/DC zu werden. Aufgrund der immer noch auftretenden Stimmprobleme musste Shearman auf diesen Posten verzichten. Um nicht gänzlich aus dem Gedächtnis zu verschwinden unterstützten die Musiker eine gute Freundin bei ihrem Debut-Album. Diese gute Freundin war LEE AARON. Nebenbei arbeitete Shearman in einem normalen Job um die Band weiterführen zu können und lies nichts unversucht um einen neuen Plattenvertrag für MOXY zu bekommen. Das vorläufige „Ende“ für Moxy kam als Buzz Shearman im 1983 im Alter von 33 bei einem Motorradunfall ums Leben kam.

Die restlichen Mitglieder fanden sich zusammen um in Eigenregie noch eine Platte aufzunehmen. Die Einnahmen sollten der Witwe und dem Sohn von Shearman zu Gute kommen. Das Album erschien 1984 unter dem Namen „A Tribute to Buzz Shearman“ und enthielt auch einige ältere Stücke, die Shearman vor seinem Tod noch eingesungen hatte.
Danach war erstmal Schluss bei MOXY. Die verbliebenen Bandmitglieder tauchten bei diversen kanadischen Gruppen auf, von denen nur die BUDDY CAINE BAND einen gewissen Erfolg verzeichnen konnte.

Zwischen 1984 und der Re-Union 1999 gab es nur 1993 ein kurzes Lebenszeichen von MOXY. Es erschien die Compilation „The Best of Moxy-Self Destruction“. In Deutschland wurde die Band in dieser Zeit auch „wiederentdeckt“, insbesondere in den Rockclubs hörte man wieder Songs von den ersten beiden Alben. Das lag wohl daran, dass damals eine Reihe populärer Bootleg-Sampler veröffentlicht wurden auf denen diverse Stücke von MOXY enthalten waren. Einigen werden die „Munich City Nights“-Sampler bestimmt noch kennen.



1999 trommelte Bill Wade die Band wieder zusammen. Als Sänger stieg Brian Maxim ein, der Buzz Shearman ja schon bei der „Ridin' High“-Tour wegen seiner Stimmprobleme aushalf. 2000 spielte die Band zum 25-jährigen Bandjubiläum eine Show in San Antonio zusammen mit SAXON. Im Heimstudio von Bill Wade nahm die Band anschließend das schlicht mit „V“ betitelte Album auf, das 2001 erschien und eine Rückbesinnung auf den frühen Sound von MOXY war.
Wade erkrankte kurz nach der Veröffentlichung von „V“ schwer und starb im Juli 2001 im Alter von 53.

„V“ ist neben dem Debut mein persönliches Lieblingsalbum der Band. Mit „Yucatan Man“, „Nitro Love“ und „Working Man“ beinhaltet das Album drei absolute Kracher, aber auch der Rest ist richtig guter Hardrock, teilweise mit der Tendenz zum Metal. (Das abgebildete Cover gab es nur in Europa, das Cover für die USA und Kanada war in schlichtem Grau gehalten mit dem MOXY-Logo in rot)

2002 wurde das bisher letzte Album aufgenommen. Es handelt sich hierbei um ein Best of-Liveset, dass in einem alten Warenhaus vor einem geladenen Publikum aufgenommen wurde. Danach löste sich die Band zwar nicht offiziell auf, aber es gab aber nur noch vereinzelte Auftritte. 2009 soll eine Single namens „You can't stop the Music“ veröffentlicht worden sein, einem alten Track, den noch Buzz Shearman eingesungen hat. Gleichzeitig wurde wohl auch eine DVD veröffentlicht, die die Geschichte der Band beleuchtet. Leider besitze ich Beides nicht. Ob auf dieser DVD auch der einzige, jemals komplett mitgefilmte Gig von MOXY aus dem Jahr 2001 enthalten ist, ist mir leider nicht bekannt.


Die nächste Runde „Canada rocks“ ist in Vorbereitung. Ich habe mich noch nicht endgültig für eine Band entschieden, da ich noch auf auf Rückantworten warte. Ich kann nur soviel verraten - Female Fronted.



Dienstag, 11. November 2014

Canada rocks: Moxy - Part One 1974-1976

Bevor ich beginne muss ich anmerken, dass die Idee hinter dem Ganzen ursprünglich einen anderen Ansatz hatte. An sich wollte ich nur einen groben Überblick über die kanadische Rockszene, abseits von Rush, Anvil und Co bieten. Durch eine Mail und einen Kontakt , die mich über Facebook erreicht haben wurde mir aber schnell klar, das ein grober Überblick das falsche Ziel wäre. Dazu kommt noch, dass ein bestimmtes Magazin gefühlt in jeder Ausgabe zehn Seiten dem Herrn Bonamassa widmet, es aber nicht schafft, etwas über die kanadische Szene zu schreiben was auch nur den Umfang einer Randnotiz übertrifft.

Ich habe das Konzept jetzt umgeworfen und werde unter dem Oberbegriff „Canada rocks“ regelmäßig eine Band aus dem Land des Ahornblatts vorstellen. Ich wähle nur Bands aus, mit deren Material ich vertraut bin und die in Deutschland bzw. Europa nie einen großen Status erreichten, in ihrem Heimatland aber schon recht bekannt waren. Persönliche Kontakte zu bzw. Interviews mit ein paar der Szeneprotagonisten sollen das Tüpfelchen auf dem i werden. Zu den einzelnen Alben werde ich allerdings nur eine kurze Meinung abgeben. Sollte die History einer Band recht umfangreich sein, werde ich die Artikel aufteilen.

Die erste Band, die hier Einzug findet, dürfte zumindest dem Namen nach einigen Leuten bekannt sein.

MOXY entstanden 1974 in Toronto aus den Überresten von LEIGH ASHFORD, einer Band, die von 1966 bis 1974 existierte und bei der neben den noch zu nennenden Moxy-Membern auch Greg Godovitz (später bei GODDO) und Gil Moore (später bei Triumph) mitmischten.
Dass Ur-Lineup von MOXY bestand aus Sänger Buzz Shearman, Gitarrist Earl Johnson sowie Terry Juric am Bass und Bill Wade an den Drums. Es gab immer wieder Gastspiele von anderen Musikern, zuviel um Alle aufzuführen. Erwähnenswert sind auf alle Fälle Mike Reno (LOVERBOY), Woddy West (STAMPEDERS), Doug MacAskill (STAMPEDERS & ARROWS), Alex Machin (A FOOT IN COLD WATER &CHAMPION) sowie Russel Graham (KILLER DWARFS)

Die Aufnahmen für das erste selbstbetitelte Album, auch „I“ oder „Black“ genannt, fanden allerdings nicht in der Heimat der Band sondern 1975 in Kalifornien statt, nachdem die Band aufgrund ihrer LEIGH ASHFORD-Vorgeschichte einen Vertrag bei Polydor bekam.
Während der Aufnahmen kam es zu einer netten Anekdote. Ein gewisser Tommy Bolin (Ja, genau der) übernahm einen Teil der Gitarrenparts, (primär die Solos) die Earl Johnson eigentlich alleine einspielen sollte. Johnson legte sich nämlich mit Produzent Mark Smith an und der schmiss ihn kurzerhand aus dem Studio. Die Band war beeindruckt von dem Sound, den zwei Gitarren bei einer Aufnahme ausmachten und holten sich nach ihrer Rückkehr nach Toronto Buddy Caine, einen ehemaligen Bandkollegen von Johnson ins Boot. Ursprünglich wollten sie ihn nur für die anstehende Tour engagieren um den „fetten“ Doppelgitarrensound auch auf der Bühne zu haben, er wurde dann aber festes Mitglied der Band. MOXY tourten erst intensiv durch Kanada und hatten im Herbst 1975 einen kleinen Hit in ihrer Heimat mit dem Song „Can't you see i'm a Star“. Da der Song sich immer weiter verbreitete und nun auch in den USA massives Airplay bekam, wurde die Tour dort fortgesetzt. Große Unterstützung bekamen sie dabei auch von dem Radio-DJ Joe Anthony von Kiss_FM aus San Antonio,
bei dem sie auf der US-Tour auch einen Interview-Termin hatten. Angeblich stellte Earl Johnson an Joe Anthony die Frage, welche Songs er denn vom Moxy Debut spielen würde und Anthony antwortete 'Zuerst spielen wir die eine Seite, dann die Andere'. Das führte dazu, dass die Songs „Moonrider“, „Fantasy“ und „Sail on, sail away“ lange Zeit in der Top 20 von Kiss-FM verblieben. Joe Anthony unterstützte die Band danach auch weiterhin, aber dazu kommen wir noch.

Das intensive Touren zahlte sich für die Band aus. Nicht nur das die Band mittlerweile gößere Headlinerkonzerte geben konnt, auch der Vertrag mit Polydor wurde verlängert, das Debut wurde wiederveröffentlicht, diesmal mit Mercury für den weltweiten Vertrieb.

Das MOXY-Debut kann man ohne Frage als großartiges 70er Hardrock Album bezeichnen. Die Erfahrung, die die Bandmember durch ihre Vorgeschichte schon hatten, merkt man dem Album an jeder Ecke an. Herausragend sind für mich „Moonrider“ und mein persönlicher Hit „Sail on, sail away“.

1976 nahm die Band ihr zweites Album, schlicht „II“ betitelt in Angriff. Diesmal fanden die Aufnahmen aber in der Heimat der Band statt, in den Soundstage-Studios in Toronto. Als Produzent fungierte Jack Douglas, der auch schon für AEROSMITH tätig war.
Durch den jetzt bestehenden, weltweiten Vertrieb erregte die Band auch international Aufmerksamkeit, nicht nur im Radio, auch Magazine äußerten sich sehr wohlwollend über die Band. Das britische Magazin „Sounds“ , insbesondere der Redakteur Geoff Barton waren so begeistert von MOXY, dass es seinen Lesern ermöglichte, das Album für den Preis von nur 1,50 britischen Pfund zu erwerben.
MOXY gingen wieder auf Tour. Zuerst wieder in Kanada wo sie, Ontario, Quebec und andere Teile von Kanada bereisten. Danach ging es nach Texas, als Opener für BLACK SABBATH und BOSTON. Und wieder schafften es einige Tracks des Albums, darunter „Midnight Flight“ und „Take it or leave it“ bei vielen Radiostationen in die höchsten Ränge.

„II“ ist ein gutes Album geworden, auch wenn ich sagen muss, dass ich es persönlich nicht so stark wie das Debut finde. Herausragend sind für mich „Midnight Flight“ und „Wet Suite“, es fehlen aber so starke Songs wie „Sail on, sail away“ wie auf dem Debut.

Im nächsten Teil stolpern wir über Namen wie AC/DC und die RAMONES und erleben, wie die Band durch den Weggang ihres Sängers, durch das intensive Tourleben und aus anderen Gründen die ersten Rückschläge erlebt.




Sonntag, 9. November 2014

THE PETARDS oder Wie hessischer Beat zum Förderer des deutschen und internationalen Progrocks wurde.

Vorab: Der Artikel spiegelt einfach meine Meinung zu der ganzen Thematik wieder und ist das Ergebnis meiner eigenen Recherchen und Erfahrungen sowie von Gesprächen, die ich führen konnte. Ob Experten (wirkliche oder selbsternannte) das Thema genauso sehen, ist mir herzlich egal.

Macht man sich auf die Suche nach den Ursprüngen der deutschen Rockmusik bzw. der Rockszene, so findet man oft nur zwei Meinungen. Zum Einen, dass es vor Entstehung des sogenannten Krautrock überhaupt keine deutsche Rockszene bzw. Rockmusik gab, zum Anderen, dass es so etwas wie die deutsche Rockmusik eh nicht gibt und gab, da sowieso Alles von den Engländern und Amerikanern abgekupfert war. Meiner bescheidenen Meinung nach ist Beides absoluter Humbug. Denn auch die die englische bzw. amerikanische Rockmusik war ja auch schon abgekupfert, wie wir alle wissen,. (Wer es nicht weiß wird zu zwei Wochen Robert Johnson am Stück verdonnert!!!)
Was man allerdings zugeben muss, dass es Rockmusik in Deutschland, insbesondere in den frühen Jahren, schwerer hatte als Anderswo. In der Nachkriegszeit war einfach kein Platz für, bitte alle Political Correctness-Freaks jetzt wegsehen, Neger oder auch entartete Musik. Swing und Big Band Sound von Leuten wie Glenn Miller lies man gerade noch gelten, seichte Schlager waren total in (ok, irgendwie hat sich daran nichts geändert) aber Rockmusik war dem deutschen Durchschnittsbürger ein Greuel. (Daran hat sich aber auch nicht viel geändert.) Für Interessierte war es auch schwer an Rockmusik, egal woher, überhaupt ran zukommen. Platten zu bekommen war schier unmöglich, also lauschte man heimlich oder auch offen AFN, der immer das Neueste an Musik über den Äther schickten.

Nur wenige deutsche Rockmusiker bzw. Bands erhielten in dieser Zeit Anerkennung in Deutschland. Meistens fallen die Namen THE RATTLES oder THE LORDS. Keine Frage, THE RATTLES und insbesondere ACHIM REICHEL waren und sind für die Entwicklung der deutschen Rockszene immens wichtig und deren Einfluss will ich hier nicht schmälern. Eine ganz wichtige Band wird aber nur extrem selten genannt. THE PETARDS, um die es hier auch primär gehen soll. Warum die Truppe so wichtig war, wird noch ausführlich erläutert.

Es begann Alles Anfang der 60er Jahre in einem Gymnasium in Schwalmstadt. (Hessen). Die Brüder Klaus und Horst Ebert, die beide das Gymnasium besuchten, spielten mit weiteren Schulkameraden in einer Band namens Magic Stompers, die primär Free Jazz spielte. Im Zuge der aufkommenden Beatwelle und nachdem der Bassist Rüdiger Waldmann Ende 1962 zur Band stieß folgte man dieser neuen Richtung. 1964, nun mit Drummer Hans-Jürgen Schreiber als Neuzugang, nannte man sich in THE PETARDS (was aus dem französischen kommt und Knallfrosch oder auch einfach Krach bedeutet) um. Angeblich hat Horst Ebert den Namen in einem Lexikon gefunden.

Eines ihrer ersten Konzerte als THE PETARDS brachte der Band gleich Ärger ein. Vor dem Amtsgericht in Schwalmstadt mussten sie sich wegen Lärmbelästigung verantworten. Die Beweisführung des Richters ist legendär. Die Band musste mit ihrem Equipment im Gerichtssaal aufspielen. Aufgrund des -unerträglichen Gedröhns- das man dann im Gebäude hörte wurde der Truppe eine Strafe von 50,- DM aufgebrummt, da man die Lärmbelästigung als bewiesen erachtete.

Die erste Single mit Eigenkompositionen spielte die Band 1966 in der schulfreien Zeit ein. Neben den immer zahlreicher werdenden Gigs hatte die Band auch erste Interviewtermine im Radio. Mit der kurz darauf erschienenen zweiten Single stieg der Bekanntheitsgrad weiter und THE PETARDS bekamen ihren ersten Fernsehauftritt im ZDF bei der sie ihre dritte Single namens „Shoot me up to the Moon“ präsentierten.



 Anfang 1967 stieg Hans-Jürgen Schreiber aus und wurde umgehend durch Franz Binder ersetzt. Franz Binder war aber auch nur ein paar Wochen in der Band, bis mit Arno Dittrich dann der „endgültige“ Drummer der Band gefunden wurde. Kurz darauf traten THE PETARDS bei einem Nachwuchswettbewerb des Südwestfunks auf, dessen Gewinn den Musikern die Aufnahme einer LP ermöglichte. Die Aufnahmen entstanden im Studio Maschen, als Produzent war Joe Menke tätig, der Gründer des Studios. Das Album „A Deeper Blue“ erschien im November 1967 auf dem Europa-Label und kostete nur 5,- DM, was marketingtechnisch nicht das Dümmste war, da LP's normalerweise 18-20 deutsche Mark kosteten. So griffen mehr Leute zu der LP und die Band steigerte ihren Bekanntheitsgrad noch mehr. Gleichzeitig landete die „Shoot me up to the Moon“-Single bei diversen Radiostationen auf Platz 1 und die nachgeschobene Single namens „Golden Glass“schaffte dies auch mühelos.

Bevor es mit der Story weitergeht ein paar Worte zum Debut der PETARDS. Ich habe das Original auf dem Europalabel vorliegen und man muss Joe Menke wirklich ein Lob aussprechen. Er hat für das nicht gerade üppige Budget eine tolle und klare Produktion fabriziert, was in den 60ern nicht gerade selbstverständlich war. Zudem ist auch das Songmaterial wirklich gut und muss sich nicht vor internationalen Größen verstecken, so dass selbst Leute, die mit Beat wenig anfangen können, mal ein Ohr riskieren sollten.


Eines hatte die Band früh erkannt – Nicht nur die Musik war wichtig sondern auch die Präsentation des Ganzen. Sie nutzten alle Möglichkeiten die sie fanden um ihre Musik bei Liveshows auch visuell zu unterstützen, sei es durch extravagante Kostüme oder aufwendige Bühnenbilder mit diversen Lichteffekten, was damals schone in Unikum darstellte und später ja von vielen Bands, insbesondere im progressiven Bereich, übernommen wurde.

1968 wechselte die Band die Plattenfirma, da das Europa-Label zwar das Sprungbrett für THE PETARDS war, aber nicht über weitreichende Vertriebswege wie die großen Labels verfügte. Das Label der Wahl wurde Liberty, wo 1968 das zweite, schlicht „The Petards“ betitelte Album erschien. Von diesem Album stammt auch ihr erster richtiger Nummer 1-Hit namens „Pretty Liza“. Im Zuge der Veröffentlichung tourte die Band durch Deutschland und auch durch die damalige CSSR, was ja zu der Zeit nicht unbedingt der gängigen Praxis entsprach. 1969 wurden THE PETARDS in einer Umfrage des Musikexpress zur besten Nachwuchsgruppe gewählt und das Album schaffte es in der Umfrage auf Platz 5.

Noch bevor das dritte Album in Angriff genommen wurde, leisteten sich die Musiker etwas, was bis zu diesem Zeitpunkt wohl kaum eine Band gemacht hat. Unter dem Pseudonym ZONK veröffentlichten sie eine komplette LP, auf der sie Songs von CREEDENCE CLEARWATER REVIVAL coverten. Die LP trägt den Titel „Creedence Clearwater Revival Hits done by a Group called Zonk“. Das Album wurde weltweit veröffentlicht. (Wie sich einige denken können hab ich mich schon auf die Suche nach dem Ding gemacht.) Während der Aufnahmen zum dritten Album nahmen sie nochmals zwei Singles mit CCR-Coverversionen auf, diesmal unter dem Pseudonym FLITTER MOUSE.

Das dritte Album namens „Hitshock“ das die Band von einer etwas heftigeren und progressiveren Seite zeigte erschien im Januar 1970. Einen kleinen Skandal verursachte das Cover, dass die Band mit einer blutüberströmten Schaufensterpuppe zeigte, allerdings zog das Ganze nicht so eine Geschichte hinter sich her wie das berühmte „Butcher“-Cover der BEATLES vom „Yesterday and Today“.-Album. Horst Ebert nahm kurz darauf ein Soloalbum auf, das aber dem Singer/Songwriter-Genre zuzuordnen ist und bei einer Auflage von 100 Stück getrost zu den seltensten Raritäten der deutschen Musik gezählt werden kann.


Mit der Singleauskopplung „Blue Fire Light“ konnten sich THE PETARDS auch erstmals außerhalb Deutschland in den Charts plazieren mit Top 10 Plätzen in den französischen und belgischen Charts.

Einige werden sich jetzt sicher schon fragen was das Ganze mit der Förderung des Progressiv-Rock zu tun hat. Keine Angst, dazu komm ich gleich.

Bevor die Truppe durch ihre Teilnahme an einem Musical ein neues Kapitel in der Bandgeschichte aufschlugen begründeten sie eines der weltweit dienstältesten und damit eines DER Festivals für progressive Musik überhaupt – Ja, THE PETARDS waren diejenigen die das Burg Herzberg-Festival ins Leben riefen und schon bei der ersten Ausgabe, das bereits 3 Tage andauerte konnte das Publikum Bands wie AMON DÜÜL II, GURU GURU und JERONIMO erleben.

Ende 1970 nahm die Band ihr nächstes Album auf, dass das letzte mit Gründungsmitglied Klaus Ebert sein sollte. Er verließ die Band nach den Aufnahmen für das Doppelalbum „Pet Arts“, hatte aber beruflich weiterhin mit Musik zu tun, da er als Labelmanager bei Metronome anfing.
 THE PETARDS veranstalteten die zweite Ausgabe des Burg Herzberg-Festivals mit Bands wie FRUMPY und EMBRYO, um sich danach auf die Suche nach einem neuen Gitarristen zu machen. Von Bewerbern schier überrannt entschied sich die Band für Bernd Wippich, (nach dem Ende der PETARDS bei RANDY PIE) der neben der Gitarre auch den Posten des Sängers übernahm. Mit ihm nahm die Band das Album „Burning Rainbows“ auf, dass eine weiterentwickelte Band zeigte, die neben dem progressiven Sound auch dem frühen Hardrock frönte. Leider fand sich keine Plattenfirma, die das Werk veröffentlichen wollte, da die Labels mal wieder der Ansicht waren, das Rock out sei und Disco jetzt der große Renner ist. Erst 10 Jahre nach Entstehung des Albums wurde „Burning Rainbows“ von dem Label Bear Family veröffentlicht. Die PETARDS versuchten es 1972 nochmal mit einer Single, die von den Plattenfirmen aber auch abgelehnt wurde. Da der große Durchbruch so nicht mehr zu schaffen war, löste sich die Band auf.

2004 reformierte sich die Band unter der Regie von Arno Dittrich überraschenderweise und THE PETARDS tourten wieder durch Deutschland. Aktuell existieren THE PETARDS auch noch, obwohl Horst Ebert und Bernd Willich beide 2014 im Abstand von nur wenigen Monaten verstorben sind.


Ich hoffe, dass ich dem geneigten Leser mit dem Artikel etwas Freude gemacht habe. Sollte ich irgendwann mal die anderen Alben der Band mein Eigen nennen können, (ich hoffe auf Re-Issues“ so werden Diese sicher im Sacred Metal-Blog auftauchen. 


Donnerstag, 6. November 2014

70's Heavies: Dirty Tricks - S/T

Es ist immer wieder erstaunlich über welche, auch bekanntere Bandnamen man im Zusammenhang stolpert, wenn man versucht, die Biografie einer eher unbekannten 70er Truppe nachzuvollziehen.

Die Ursprünge der Schottisch/Britischen Band DIRTY TRICKS gehen bis weit in die 60er zurück. Der Sänger Kenny Stewart und der Gitarrist Johnny Fraser begannen etwa Mitte der 60er in diversen Bands in Schottland zu spielen und ließen dabei so gut wie kein Musikgenre aus. Beide landeten 1970 bei AEGIS, einer Truppe, die einen eher avantgardistischen Ansatz hatte. Hier waren die beiden etwa drei Jahre tätig, bis AEGIS Geschichte waren. Die beiden gingen nach London, wo sie vorerst bei diversen Bands landeten und sich mehr schlecht als recht durchs Leben schlugen.

Von der anderen Seite kam Terry Horbory, der bei DIRTY TRICKS den Bass übernahm. Mit 16 gründete er seine erste Band in der englischen Provinz bis diese in der Gegend so etwas wie die Lokalmatadoren war. Er zog nach London und schloss sich dort einer Art Künstlertruppe namens THE GOOSE FAYRE SHOW an, die neben Musik auch Theater und dergleichen darbot und aus Musikern, Schausspielern und Herumtreibern bestand. Kenny Stewart und Terry Horbory lernten sich dann bei einer Band namens SAN APPLE PIE kennen, bei der sie beide fast zur gleichen Zeit einstiegen. Da die Richtung, die die Band einschlug beiden nicht gefiel verliesen sie SAN APPLE PIE wieder und nahmen dabei gleich noch den Drummer Dave von einer anderen Band namens RENIA mit an Bord.


Zu diesem Zeitpunkt hatte die Band noch keinen Namen. Die Jungs verbrachten einige Zeit mit Üben und Jams, aber ohne Gigs. Irgendwann beschlossen sie ein Demo aufzunehmen, was die Firma Polydor dazu veranlasste, der Band einen Vertrag anzubieten. Kurz danach verließ Dave die Truppe, für ihn kam John Lee in die Band. John Lee stammte aus England, war aber im Alter von 14 mit seinen Eltern nach Australien gezogen. Er hatte als Einziger schon Erfahrung mit größeren Band, da er in Australien eine Weile zu den recht bekannten BLACKFEATHER gehörte mit denen er zwei recht erfolgreiche Touren hinter sich brachte und auch ein Album aufnahm. Er verlies die Band aber, um einem Angebot der Band ARIEL zu folgen. Mit dieser Truppe ging er auf Englandtournee, die aber wenig erfolgreich war. Er beschloss danach in England zu bleiben. Durch Zufall kam er zu einem Vorspielen DIRTY TRICKS ( den Namen hatten sie sich dann zugelegt) und wurde auch engagiert. Nachdem die Band endlich komplett war wurde das selbstbetitelte Debut, um das es hier auch gehen soll, in Angriff genommen und 1975 veröffentlicht. Produziert wurde das Ding übrigend vom Rodger Bain (BLACK SABBATH, BUDGIE usw.)

Dirty Tricks spielen, vereinfacht gesagt, Hardrock. Etwas Blues ist zeittypisch natürlich auch dabei, insbesondere die Stimme von Kenny Stewart ist dafür eigentlich prädistiniert. Eine Band, die man vielleicht als Vergleich heranziehen kann sind The Free bzw. Bad Company.

Der Einstieg ins Album, „Wait till Saturday“ zeigt schon mal die Marschrichtung an. Kräftiger Hardrock mit coolen Riffs und einer schön trockenen Rhythmusgruppe. „Back off Evil“ beginnt etwas psychedelisch, wandelt sich dann aber in einen bluesigen Rocksong, der durch die Riffs aber schon fast doomartig rüberkommt. BLACK SABBATH standen auch Pate, keine Frage, aber trotzdem oder gerade deswegen ein starker Track. Im krassen Gegensatz dazu steht „Sunshine Day“, ein schon fast fröhlich zu nennender Song, der aber ordentlich rockt und sich schnell in den Gehörgängen festsetzt. „If you believe in me“ ist eine ruhige, folkige Ballade und gar nicht mal schlecht. Eine Verschnaufpause für den nachfolgenden Riffrocker, „Too much Wine“ genannt. Cooler Song, der ein nettes kleines Gesang/Gitarrenduell beinhaltet und auch zu AC/DC passen würde.“Call me up for Love“ ist ein gefälliger Track, der aber nicht so ganz in den Albumkonsens passt und qualitativ etwas abfällt. Irgendwie erinnert mich die Nummer durch den Glamrocktouch an die fröhlichen SWEET oder auch an frühe KISS. Um eine „Marcella“ geht es im nächsten Song, der insbesondere durch die Gitarren einen leichten Southerntouch bekommt. Mit „High Life“, einem echten und richtig geilen Bluesrock endet das offizielle Album. Auf der mir vorliegenden VÖ sind noch vier Bonustracks enthalten. „Hire Car“ ist nicht schlecht, aber ziemlich kommerziell ausgefallen und wohl auch deshalb zusammen mit mit dem ähnlich gearteten nächsten Song „I'm gonna get me a Gun“ auf Single veröffentlicht worden. Die zwei anderen Bonustracks sind alternative Versionen von „Wait until Saturday“ und „Too much Wine“.



Die Band scheint wieder zu existieren, jedenfalls gab es 2009 ein Album als Eigenveröffentlichung. Allerdings nur in digitaler Form. Insgesamt hat die Band somit 4 Alben veröffentlicht.  Interessant ist noch der Werdegang von zwei Musikern. Andy Beirne, der 1976 den Posten von Drummer John Lee übernahm, landete später bei den ja nicht so unbekannten GRAND PRIX, während Terry Horbory bei VARDIS einstieg.

Ich habe hier die Flawed Gems CD Veröffentlichung mit 4 Bonustracks von 2012 vorliegen. Es gibt wohl noch eine CD-Version von Majestic Rock mit 6 Bonustracks von 2004, sowie ein Re-Release auf Vinyl auf dem Label PVC aus dem Jahr 2013, das allerdings ohne Bonustracks auskommen muss. Die Originalpressungen sind relativ günstig zu bekommen, etwa 30 bis 40 Euronen sollte man rechnen.



Montag, 3. November 2014

70's Heavies: Jackal - Awake

Es gibt Bands, deren komplette Biografie man problemlos recherchieren kann. Und dann gibt es wieder Bands, über die man durch Zufall stolpert und über die man so gut wie nichts findet.

Die Band, die ich nun vorstellen will gehört zur zweiten Kategorie. Ein wirklicher Kandidat für die „Forgotten Jewels“. Über die Kanadier JACKAL sind kaum Infos zu finden, selbst Spezialisten sind sich nicht ganz einig, wer hinter dem Namen stand usw. Deshalb kann ich nachfolgend nur die wenigen Infos, die mir vorliegen, wiedergeben und ob das Alles so stimmt, kann ich auch nicht garantieren.

JACKAL wurden wohl 1969 von den beiden Brüdern Chris und Jack Kellesis in Toronto gegründet. Jack spielte Bass, sein Bruder saß an den Tasten und ein Highschoolfreund, der aus Schottland nach Kanada ausgewanderte Charlie Shannon übernahm den Gesang. Bis das Line-up, ergänzt mit den beiden Gitarristen Steve Hayward und Dave Bernard sowie dem Drummer Louis Mutton vollständig war, ging aber noch einige Zeit ins Land. Erst 1973 (laut anderen Quellen schon 1971) konnten JACKAL mit Hilfe einiger, namentlich leider nicht bekannten Sessionmusiker ihr erstes und auch einziges Album namens „Awake“ aufnehmen. Diese Aufnahmen zogen sich aber aufgrund Geldmangel einige Monate hin.

Mehr ist über die Band leider nicht bekannt und was die Bandmember mittlerweile machen, habe ich auch nicht rausgefunden.

JACKAL spielen progressiven Rock, der teilweise sehr von der Hammondorgel dominiert wird und auch noch sehr den 60ern verbunden ist. Hervorzuheben ist das Gefühl der Band für tolle Melodien.

Der Opener des Albums, „At the Station“, ist eine fast perfekte Mischung aus Härte, Melodie und Progressivität. Eher softe Parts wechseln sich mit heftigen Passagen ab. Hervorzuheben ist hier auf alle Fälle die Stimme von Charlie Shannon, der von sanften Gesangslinien bis zu rauen „Gebrüll“ alles drauf hat. „For you“ bezaubert mit seiner Melodie, hat einen leichten Folktouch und erinnert stellenweise an Songs wie „White Rabbit“ von JEFFERSON AIRPLANE. Die Feuerzeuge werden bei „Sunny Side of the Day“ ausgepackt. Der Song ist eine wunderbare Midtempo-Ballade, die irgendwie den Spirit von Woodstock in sich trägt. Sehr abwechlungsreich kommt „A new Day has arisen“ aus den Boxen. Ruhige und heftige Parts wechseln sich ab und es wird wieder etwas Folk eingebaut, aber auch heftige Momente stellen sich ein. Ich lehn mich jetzt vielleicht für Manche weit aus dem Fenster, aber die Melodie und überhaupt der ganze Song kommen für mich nah an „Warning“, dem Meisterwerk von ASHBURY oder an „Dark Ages“von JETHRO TULL ran. „How Time has flown“ gibt richtig Gas, heavy, progressiv, treibend. Auch hier zeigt die Band wieder sehr viel Gefühl für Melodien. Mit „Lost in the World“ gibt es einen heftigeren Song auf die Ohren. Toller Heavyrock, dessen Hauptriff mir aber extrem bekannt vorkommt, ich weiß nur nicht woher. „In the Heavens“ wird dann noch einen Tick härter, auch wenn die Band im Refrain die Härte etwas rausnimmt, dafür aber wieder mit einer tollen Melodie glänzt. Abgeschlossen wird das Album durch den Titelsong, einem richtigen Progressiv-Monster, dass sich auf fast acht Minuten verteilt. Abgerundet wird das Ganze noch durch das tolle Coverartwork, dass sich bei näherem Hinsehen als Buntstiftzeichnung entpuppt.


Bei der Verfügbarkeit des Albums geht es einem ähnlich wie bei der Biografie der Truppe. Mir liegt die 2004er Radioactive-CD vor, die aber laut diversen Quellen ein Bootleg ist und auch kaum noch auftaucht. Wer sie irgendwo zu einem günstigen Kurs sieht sollte zuschlagen. Ebenfalls um ein Bootleg soll es sich bei der Labyrinth-Version von 1994 handeln. Ob es ein offzielles Re-Issue gibt kann ich leider nicht sagen. Die Original-LP auf dem Periwinkle-Label von 1973 taucht sehr selten auf und dementsprechend sind die Preise. Zwischen 200 und 250 Euronen sollte man dafür rechnen.

70's: Sweet Smoke - Just a Poke

Der süße Duft der 70er weht einen an, insbesondere wenn die vorzustellende Band auf den vielsagenden Namen SWEET SMOKE hört.

Im Gegensatz zu dem, was ab und an behauptet wird, sind SWEET SMOKE keine Krautrockband. Dieser Irrtum rührt wahrscheinlich davon her, dass die Band Ende der 60er nach Deutschland zog.

Die Ursprünge der Truppe, die anfangs unter SWEET SMOKE OF THE HAPPY PLANT PIPEFUL firmierte, findet man aber ein paar tausend Kilometer weiter westlich, genauer gesagt Mitte der 60er Jahre in New York im Stadtteil Brooklyn. Die Band formierte sich anfangs einfach um Musik zu machen, an die Karriere als Profimusiker dachte zu dem Zeitpunkt noch keiner der Musiker. Man wollte neben der Ausbildung, die die Musiker an verschiedenen Musikakademien absolvierten, einfach Spaß haben. Die Einstellung änderte sich, als sich der Band einige Monate nach Gründung die Chance auftat auf Tour zu gehen. Und wer hätte da nein gesagt, wenn die Tour drei Monate durch Puerto Rico und auf die Virgin Islands führen sollte.

Nach der Tour hatte die Band keine Ambitionen wieder nach Hause zurückzukehren. Amsterdam war das Traumziel, das jedoch vorerst ein Traum bleiben sollte. Als die Band von Deutschland nach Holland einreisen wollte, wurde sie an der Grenze abgewiesen. Die Band hatte aber Glück und lernte in Emmerich am Rhein den deutschen Bildhauer Waldemar Kuhn kennen, der den Musikern seine Hilfe anbot. Er besorgte ihnen eine Unterkunft und übernahm dann gleich noch das Management von SWEET SMOKE. Die Managementaufgabe gab er aber bald an den Niederländer Nico Scholtens ab, der der Band auch wieder den Weg nach Holland ebnete.

Mit der Hilfe von Scholtens konnte die Band viele Engagements auf Festivals in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden ergattern. Unter anderem spielte sie dort mit Band wie FOCUS und GOLDEN EARRING. Electrola erschien dann auf der Bildfläche und bot SWEET SMOKE einen Plattenvertrag über drei Alben. Dieses Angebot nahm die Band natürlich gerne an.

Das Debut „Just a Poke“, (übrigens von Conny Plank produziert) um das es nachfolgend noch gehen wird, wird 1970 veröffentlicht und erhielt gute Kritiken. Mittlerweile hatte sich die Band durch viele dazugekommene Freunde eher in eine Kommune verwandelt, die zusammen Sessions veranstaltete. 1972 ging ein Teil der Band auf einen Hippie-Trail nach Indien um sich neue Inspiration zu suchen. Nach der Rückkehr 1973 zog die Band nach Sulzheim in Unterfranken, wo sich auch ihr Förderer Waldemar Kuhn wieder einfand. Im gleichen Jahr nahm die Band ihr zweites Album „Darkness to Light“ auf, das sehr von der Indienreise geprägt war. Nach der Veröffentlichung verließen zwei der Gründungsmitglieder die Band und auch die anderen Musiker machten sich Gedanken um die Zukunft. Mit einem neuen Gitarristen wurde dann 1974 anlässlich eines Benefizkonzerts noch ein Livealbum aufgenommen, was gleichzeitig auch das letzte musikalische Lebenszeichen von SWEET SMOKE sein sollte. Die Band löste sich auf und die einzelnen Mitglieder gingen in unterschiedliche berufliche Richtungen. Ab und an treffen sie sich aber noch um wie in den Anfangszeiten einfach gemeinsam Musik zu machen.

Den Sound von SWEET SMOKE kann man grob als Jazz-Rock einordnen, was aber Jazz-Hasser nicht davon abhalten sollte, mal reinzuhören.


„Just a Poke“ besteht im Grunde ja nur aus zwei Tracks, die jeweils über 16 Minuten lang sind. „Baby Night“ beginnt als Folksong, Akustikgitarre und Flöte, mit dem Gesang setzt dann auch das unaufdringlich spielende Schlagzeug ein. Nach zwei Minuten werden dann die ersten Jazz-Akzente gesetzt, groovig, etwas Funk ist auch mit dabei. Der Song steigert sich immer weiter, bis er wieder innerhalb von einer Sekunde auf die ruhige, jazzige Schiene zurückfällt. Der Song lebt auch von diesen Wechseln zwischen kurzzeitigen Ausbrüchen und den ruhigen Parts. „Silly Sally“, das wohl bekannteste Stück der Band, gibt von Anfang an mehr Gas als „Baby Night“. Auch sehr jazzig, sehr verspielt und sehr progressiv. Nach etwas über vier Minuten kommt auch eine gewisse Härte dazu, in der sich der Gitarrist ausgiebig meldet. Eigentlich darf sich jedes Instrument mal ausgiebig äußern. Herzstück von „Silly Sally“ ist aber eindeutig das Drumsolo, das knapp fünf Minuten lang geht und meiner Meinung nach dem Solo aus „In-a-gadda-da-vida“ von IRON BUTTERFLY in Nichts nachsteht.


„Just a Poke“ gibt es in zig Versionen, zuviele um sie alle aufzuzählen. Ich habe die 1970er Vinylversion von Columbia im FOC sowie die 2000er CD-Version von Harvest/Emi vorliegen (Auf dieser ist auch das „Darkness to Light“-Album mit enthalten). Ausnahmesweise muss man für die Originalpressung nicht so viel anlegen, für 20 Euronen sollte man ein gutes Exemplar bekommen.

Sonntag, 2. November 2014

70's Heavies: Killing Floor - Out of Uranus

Wir wildern weiter in den 70ern. Ich will diesmal eine Scheibe einer Band vorstellen die immer noch oder besser gesagt wieder aktiv ist.

KILLING FLOOR wurden 1968 von dem Sänger Bill Thorndycraft (Was für eine Name) und dem Gitarristen Mick Clarke gegründet, die sich bei dem ersten und einzigen Gig einer nicht namentlich bekannten Londoner Bluesband kennenlernten. Bill kannte von früher noch den Drummer Bazz Smith und nach einer Anzeige im Melodymaker fanden noch Bassist Stuart McDonald und Pianist Lou Martin zur Band.

Nach harter Arbeit im Proberaum und bei diversen Gastspielen in winzigen Pubs, hatte die Band ihren ersten richtigen Gig im Vorprogramm von CAPTAIN BEEFHEART. Dem Publikum gefiel die Mischung aus altem Chicagoblues mit rockigen Elementen und so konnten KILLING FLOOR immer mehr und größere Gigs spielen, unter anderem auch als Opener für Bands wie THE NICE oder YES.

1969 wurde das selbstbetitelte Debut veröffentlich, dass gute Kritiken und Airplay bekam (unter anderem durch John Peel) und der Band weitere Türen öffnete. Es ging auf eine mehrwöchige Tour mit FREDDY KING, die dann aber abgebrochen wurde, als FREDDY KING keine Bezahlung seitens des Promoters erhielt. KILLING FLOOR bekamen somit auch kein Geld und kehrten frustriert nach London zurück. Enttäuscht ob der ganzen Sache löste sich die Band Ende 1969 auf und die Musiker beteiligten sich an diversen Projekten. Nach kurzer Zeit wurde die Band aber doch wieder reanimiert (allerdings ohne Lou Martin) und da sie in ihrer Heimat auf keinen grünen Zweig kamen gingen die Musiker auf eine Faust auf Tour, unter anderem in der Schweiz und in Deutschland wo sie auch Festivalauftritte mit Bands wie BLACK SABBATH hatten. Danach verschlug es KILLING FLOOR nach Frankreich. Dort konnte die Truppe soviel Geld verdienen, dass sie nach ihrer Rückkehr nach England das Album „Out of Uranus“ in Angriff nehmen konnte, dass hier gleich noch vorgestellt wird. Von diesem Album wurde eine Single ausgekoppelt, die sehr oft auf BBC 1 gespielt wurde und auch ein Auftritt bei Disco 2, einer TV-Sendung der BBC, verschaffte der Band einen höheren Bekanntheitsgrad. Trotzdem sollte „Out of Uranus“ für lange Zeit das letzte Album der Band sein. Das Line-up wechselte die nächste Jahre ständig. 2002 wurde Mick Clarke vom Inhaber eines italienischen Labels angesprochen, ob es nicht möglich wäre ein weiteres KILLING FLOOR-Album aufzunehmen. Mick Clarke kontaktierte die Originalmitglieder und seitdem existieren KILLING FLOOR bis heute wieder und das quasi in der Urbesetzung.

Aber nun zur Musik von KILLING FLOOR und „Out of Uranus“

Das Album beginnt mit dem Titelsong, der so gar nicht zu einer Bluesrockband passen will. Heftiger Psychedelicrock mit nur ganz leichten Bluesspuren wird dargeboten, dessen Klasse man aber erst nach mehrmaligen Hören erkennt.“Soon there will be Everything“ lässt sich auch sehr schwer klassifizieren. Ein bunter Mischmasch aus Country (die Leadgitarre), Psychedelic, Hardrock und den drogengeschwängerten Songs von Band wie JEFFERSON AIRPLANE. Einen Ohrwurm, der sich insbesondere durch das Mainriff festsetzt ist „Acid Bean“. Toller Losgehrocker, der sogar leicht punkig rüberkommt. Mit „Where nobody never goes“ wird die Band erstmal dem Genre gerecht, das sie sich selbst auf die Fahne geschrieben hat-Bluesrock, langsam aber tonnenschwer, dreckig und im Mittelteil richtig heftig rockend. „Sun keeps shining down“ könnte auch den Anfängen des Rock'n Roll stammen, wären da nicht die doch recht heftig bratenden Gitarren. Sicher auch live ein Kracher. Richtig gute Laune verbreitet „Call for the Politicians“, das etwas an die frühen ROLLING STONES gepaart mit CREEDENCE CLEARWATER REVIVAL erinnert und auch noch ein Überbleibsel aus den 60ern zu sein scheint. Bei „Fido Castrol“ (!?) geht die Band wieder etwas psychedelischer zu Werke, teilweise recht heavy. „Lost alone“ ist wieder Bluesrock mit einer Prise Rock'n Roll und zumindest ein Part klingt so, als hätte die Band einfach wild improvisiert. Sehr geil. Mein Lieblingssong der Scheibe und auch Anspieltip ist „Son of Wet“, ein richtig cooler und relaxter Rocksong mit sehr einprägsamen Riff und einem entfesselten Drummer im Mittelteil. Zum Abschluss kommt leider ein insgesamt etwas schwacher Song. „Milkman“ klingt etwas uninspiriert, konfus und ideenlos.


Es gibt mehrere Re-Issues auf Vinyl und CD. Mir liegt die CD-Version von Repertoire vor, die am günstigsten zu erwerben ist. (Achtung, es existiert auch wieder ein russisches Bootleg auf CD) Und wieder die Info für die Originalfanatiker. Zwischen 500 und 700 Eurodollar solltet ihr für ein gutes Exemplar rechnen.

Heyoka - The Spirit Of Revelation (Do-LP)



Es war einmal in Texas...

Heyoka: die Progressive-Hardrockperle der Siebziger



Immer wieder tauchen sie wie aus dem Nichts auf: die vergessenen Bands mit ihren verschollenen Aufnahmen die, rätselhaft unbeliebt, irgendwo in einem Studioarchiv, Keller oder auf einem Dachboden vergammelten bis jemand sich ihnen empathisch annahm.

Seit den frühen Neunzigern gibt es weltweit ein Nischennetzwerk von eklektischen Labels, deren Wiederveröffentlichungen von Heavy über Folk bis Prog und Psych dafür sorgen, dass der Geldbeutel des Musikliebhabers nie problematisch überquellt. Dabei sei angemerkt, dass auch in Obskurmusikland nicht alles Gold ist, was da glänzt. Dennoch besitzt dermassen viel von dem, was aus den späten Revoluzzer-Sechzigern und den rocktechnisch ultimativ abenteuerlichen Siebzigern zu Tage gefördert wird so reichlich Qualität und Charme, dass man sich anstrengen muss, nicht bei jeder zweiten Ausgrabung die alte-Männer-Floskel ‘Früher war alles besser’ auszupacken.



Wobei wir beim eigentlichen Thema dieser Vorstellung wären, nämlich bei der Band, auf die der Spruch mit ‘früher’ und ‘besser’ vollends zutrifft: Heyoka aus San Antonio, Texas.

Nicht nur kann man ihr quantitativ äusserst bescheidenes Vermächtnis in allen Belangen als brillant bezeichnen, mindestens so rätselhaft ist es, dass dieses begnadete US-Quintett es nie aus der texanischen Szene heraus geschafft und zur internationalen Bekanntheit gebracht hat.

Kein Album, nichtmal eine EP, wurde veröffentlicht. Es gibt lediglich die drei selbstfinanzierten Singles ‘Whot boogie’/’It’s gonna be alright’ (1978), ‘Disco sucks’/’The quest’ (’79) und ‘Video madness’/’Change my ways’ (‘82) plus vereinzelte Tracks auf lokalen Radiokompilationen. Von dem gut Dutzend professionellen Aufnahmen aus der Periode 1975-1982, mit Producer Bob Bruce und Engineer Sal Monistare an den Reglern, kam das Gros zu Heyoka-Lebzeiten aber nicht zu Vinyl- oder sonstwelchen Ehren.

Im Jahr 2003 erschien, über Shroom Productions, unter dem Titel The lost Heyoka recordings (1976-1979) eine untergrundigst limitierte CD-R mit 11 Tracks, darunter zwei Liveaufnahmen. Es war der erste Versuch des Psych- und Progfreaks Richard S. Patz aus Houston, das Heyoka-Material doch noch einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Patz’ ShroomAngel Records veröffentlichte dann 2012 endlich die Songs - minus Live-Aufnahmen - offiziell als The spirit of revelation als edles Doppelvinyl und fabrikgepresste Digipak-CD. Das Ende eines langen, steinigen Weges. Was es auf diesen Tonträgern zu hören gibt, dürfte so manchem Classic-Progger mit Hardrock-Faible die Kinnlade gen Süden klappen lassen.



 

Die genaue Geschichte von Heyoka, anfang der Siebziger von Sänger/Querflötenspieler Michael Paul Grothues, Drummer Gerardo Ramírez, Bassist Val Mora und einigen Mitschülern als die Highschoolband Mother West Wind gegründet, werden wir vielleicht nie erfahren. Und das obwohl sie, laut ShroomAngel-Chef und die hard Heyoka-Fan Richard Patz in den Liner Notes zu The spirit of revelation, ein Buch füllen würde. Vor Jahren kündigte Mora, der bereits nach einigen Jahren ausgestiegen war, das Buch Passage to revelation - the birth of Heyoka an. Bisher ist es bei der Ankündigung geblieben. Auch wenn sich im Laufe der Jahre bei Heyoka das Personalkarussell immer wieder drehte, bildeten Grothues und Ramírez vom Anfang bis zum Ende das kreative Gerüst der Band.

Rückschläge diverser Art (darunter die doofe Copyright-Sache eines verwendeten Sound Effects in einem Video (!)), die sich rapide ändernde Rockszene im frühen MTV-Zeitalter, bandinterner Trubel - es durfte, so scheint es jedenfalls mehr als 30 Jahre später zumindest, schlichtweg nicht sein mit dem Durchbruch und Erfolg. Immer aufs Neue versuchte der unermüdliche Manager Bill Angellini - der in San Antonio neben seinem Hamburger-Restaurant noch einen Club betrieb, wo Heyoka eines Tages auftraten -, die Band ausserhalb Texas Fuss fassen zu lassen. Vergebens. Vom Business gefrustet warf man 1983 das Handtuch, just als die Band sich an, für Heyoka-Verhältnisse, mehr mainstreamigen Songs versuchte.

Dass es geschlagene drei Jahrzehnte dauern musste, bevor die kleine Heyoka-Schatztruhe auf bonafiden Tonträgern gepresst wurde, und dass Patz sich zu seinem Leidwesen im Juni 2014 gezwungen sah The spirit of revelation wieder aus dem ShroomAngel-Katalog zu streichen, sagt vielleicht auch einiges aus über das Verhältnis zwischen einigen verbliebenen Bandmitgliedern. Verblieben, ja. Denn Michael P. Grothues verstarb 2012 im Alter von 54 Jahren in seiner Heimatstadt an den Folgen einer unbehandelten Magenblutung. Mit ihm gingen de fakto auch Heyoka in die ewigen Jagdgründe.






Es war Grothues, der mit seiner unglaublich variablen Stimme, Querflötenvirtuosität und aussergewöhnlichen Texten einer oft spirituellen Natur den Heyoka-Stil prägte. Dabei lässt sich nicht leugnen, dass neben ihm ausschliesslich Spitzenmusiker aus der fruchtbaren Texas-Szene der Mittsiebziger am Werk waren. Der feine Unterschied zu vielen Progbands damals sowie heute: Heyoka verfügten gleich über mehrere vorzügliche Songschreiber. Die Versiertheit der Besetzung Grothues, Ramírez, Dito García und David Alcocer II (beide Gitarre und Background Vocals) und Pat Hood (Bass und Background Vocals) ermöglichte es zudem, mit einer ungeheuren Leichtigkeit Elemente aus anderen Stilrichtungen zu integrieren. Man teilte sich die Keyboardaufgaben, wobei Multi-Instrumentalist Ramírez den Löwenanteil der Tastenarbeit auf sich nahm. Später tauchte Ramírez mit Grothues (der den Namen Michael Steele Grothues führte, da er mit einer Dame namens Terri Steele verheiratet war) und Heyoka-Interim-Basser Dean Vallecillo in der San Antonio-Kultband Winterkat auf, wo er auch Keys und Synths spielte.

Der Sound von Heyoka ist somit weitaus facettenreicher als es der oft paradoxale Begriff ‘Progressive Rock’ zu transportieren vermag. Im Grunde hatten Heyoka sich eindeutig dem progressiven Hardrock verschrieben, wobei der Hauch von Mystik ihnen zusätzlich etwas spezielles verlieh. Wegen der Verspieltheit dürften die hart rockenden Jungs aus dem Lone Star State aber auch ein wenig zwischen den Stühlen gesessen haben.

Die Dynamik und Farbenfrohheit innerhalb der ausgetüftelten und dennoch immer limettefrischen Kompositionen erinnern desöfteren an eine gewürzte Mischung aus Point of know return-Kansas, Jethro Tull, Blue Öyster Cult, pre-Pop-Styx und Just a game-Ära Triumph. Man spielt die oft komplexen Sachen immer auf den Punkt, loses Gefrickel gibt es in diesen Songs nicht. Hier wurde immer schön diszipliniert gestrafft und somit konsequent verfeinert: die altmodische Tugend der Arrangierkunst hört man jedem Song an. In erster Linie geben bei Heyoka auch weniger die Riffs den Ton an, sondern bilden meistens eher die Melodien die Basis. Sprich: der WTQ (Wiedererkennungswerttrefferquotient) liegt bei circa 100 Prozent.





‘Thunderdreamer’, ‘Wooden birds’, ‘The quest’, ‘And the pessimist fled’, ‘Metamorphosis’ und ‘The monotony of change’ heissen die Songs, deren Kombi aus fliessend, komplex und schlüssig nur die ganz Grossen hinkriegen. Ob der gekonnten Verflechtung von Melodiekunst und öfters barocker Instrumentierung kommen leichte Assoziationen mit europäischen 70er-Progheroen wie Fantasy, T2 oder Culpeper’s Orchard auf. Dennoch ist diese Musik mit seinem Optimistenvibe und Showelement zu jeder Zeit so unverkennbar amerikanisch.

Im Opener ‘Thunderdreamer’, einem abwechslungsreichen Progrocker erster Kajüte, greift Michael P. Grothues das native American-Thema auf, aus deren Kulturgut der Bandname stammt. ‘Heyoka’ kommt aus der Sprache der Lakota-Sioux und bedeutet Clown, oder auch Gegensatz/Gegensätze. Der Heyoka ist ein contrary, eine närrische Figur der nordamerikanischen Wüstenindianer der von allem was andere tun oder für konventionell halten genau das Gegenteil praktiziert. In der Lakota-Mythologie erscheint der Heyoka auch als Geist mit Donner und Blitz, daher auch der Songtitel. Das Lied ist inspiriert von der Biographie des Oglala Sioux-Häuptlings Black Elk und hat ein tolles Intermezzo parat, in dem ritueller Sioux-Tanzgesang mit Querflöte verknüpft ist.

Stimmig-folkig à la Tull kommt anschliessend das akustisch gehaltene ‘Wooden birds’ daher. Mit seiner melancholischen Ausrichtung und dem in einer tieferen Tonlage singenden Grothues hätte diese unkonventionelle Ballade auf Endless skies von Ashbury eine sehr gute Figur abgegeben. Wieder spielt die Querflöte eine prominente Rolle. Die Streicherparts kommen aus dem Trickkästchen, klingen aber warm und liefern einen nicht geringen Anteil an der wehmütigen Grundstimmung.


 

Dass man in den Anfangsjahren auch mal das eine oder andere Santana-Cover mit ins Liveprogramm nahm, belegt die nächste Nummer: ‘The quest’ strotzt mit seinen locker-flockigen Percussionrhythmen (und der BÖC-Fan sprach: ‘More cowbell!’) nur so vor purem Latin-Swing. Ergo: Mitwippfussalarmstufe 1. Im Gitarrensolo klingt, fast selbstverständlich, Santanas Carlos dezent durch.

Ein klitzekleines bisschen Rush-ig wird’s in ‘And the pessimist fled’, was selbstverständlich nicht an den Vokalen, sondern rein an der Komposition und Spielweise liegt. Mit ungeheurem Drive peitschen Bass und Drums den Song voran. Keine Note, kein Break ist überflüssig. Wie in jedem Heyoka-Song sind hier die ausgeklügelten Backgroundvocals eine Klasse für sich.

Und der nächste Streich folgt sogleich. Wunderprognummer gefällig? Aber bitte sehr: ‘Metamorphosis’, ein lebensbejahendes und sehr Kansas-artiges Stück voller Feinheiten wie es im Buche steht. Realize,’ singt Grothues im Refrain, all things in time come to metamorphosis.’ Und so wandelt sich auch der Song mit seinen vielen Schattierungen und filigraner Percussionkunst bis zu seiner Apotheose. Und der geneigte Hörer sinniert: wie hat dieses 6 Minuten und 37 Sekunden dauernde Wechselbad der Gefühle damals wohl live geklungen?

Während der Heyoka-Gigs dürften sich die texanischen Hardrocker und Progger gegenseitig die Freudentränen aus den Augen gewischt haben. Die Band hatte über die Jahre hinweg einen prall gefüllten Konzertterminkalender: man eröffnete für Van Halen, Judas Priest, Rush, Budgie, Golden Earring (jawohl), Rush und viele anderen Acts. Angeblich existiert, so bedauerlich es auch ist, aus den vielen Auftrittsjahren aber nur einen integralen Live-Audiomitschnitt, aus dem Jahr 1982. Davon tauchte vor einiger Zeit der unveröffentlichte Song ‘The day of the moon’ auf der Reverbnation-Seite des ehemaligen Heyoka-Bassisten Patrick Hood auf. Hood stellte auch weitere Songs wie das kurze ‘Song of the grandfathers’, das akustische ‘The farce’ sowie die Ballade ‘That lonesome road’ ins Netz. Wann diese entstanden sind und wer darauf mitspielt, ist unklar.

Zurück zum Wanderpfad des Tex-Mex-Narren. Uptempo und mit Double Bass-Einlagen zeigt sich ‘The monotony of change’, das trotz Komplexität und Breaks wirkt wie ein straighter Hardrocksong - aber einer dessen Lyrics eine Substanz besitzen die man sonst in dieser Musiksparte selten vorfindet. Das kurze Intro ist spannungsvoll-effektiv, die Interaktion zwischen Drums, Bass und Querflöte später im Song eine einzige Freude. Glasklare Produktion und Mix ohne Zutaten machen’s möglich.






Das pièce de résistance des Heyoka-Schaffens steht dem Hörer aber noch bevor. ‘The trilogy’ ist eine aus - der Titel ist Programm - drei Teilen aufgebaute 24-Minuten-Reise in den siebten Hardproghimmel. Was darin abgeht, ist von A bis Z Olympniveau. Alleine die ebenso ausgedehnte wie mitreissende Querflöteneinlage und das polyrhytmische, magische Wechselspiel zwischen Rhythmus- und Sologitarrenparts auf der einen Seite und Drums/Percussion auf der anderen ist höchste Classic Prog-Filigrankunst. Vor allem Gerardo Ramírez stellt hier einmal mehr unter Beweis was für ein Kreativer er hinter dem Kit ist.

Sein Spiel in ‘The trilogy’ erinnert an Mark ‘Thunder Child’ Zonders Kunststücke auf dem Warlord-Livealbum …and the cannons of destruction have begun... Eine inventive, ja, melodische Art zu spielen, überraschende Akzente setzend, die Möglichkeiten der Dynamik voll ausschöpfend. Drums und Percussion als vollwertige Solo-Instrumente also, aber stets im Dienst des Songs, ohne überflüssige schau-mal-was-ich-alles-kann-Wirbeltrommlerei.

In Grothues’ Text geht es um die drei-Phasen-Transformation der menschlichen Seele. Wohlbetrachtet wird hier die ‘Metamorphosis’-Thematik ausgebaut: in seiner längeren Form passt diese hervorragend zu der epischen Atmosphäre dieses Heyoka-Herzstückes.

Einziger kleiner Qualm hier dürfte sein, dass die Gitarrensoli in ‘II. Passage’ in den Hintergrund gemixed wurden. Dafür entschädigen dann wieder die subtilen Doppelleads im überragenden Finale ‘III. Revelations’.


 

Mit ‘The trilogy’ dürften Heyoka den Grossteil der US-Rockfans, aber vor allem die Label- und Radioleute von damals mehr als nur etwas überfordert haben. Es war, vor allem als MTV mit verheerendem Effekt die Volksverdummungsmaschine enterte, klar dass auch kompaktere Songs her mussten. Wenn aber Heyoka in den letzten zwei, drei Jahren ihrer Karriere einen straighten Hardrocker schrieben, wurde daraus selbstverständlich kein simples Lied. Es lag einfach nicht in ihrer Macht, sich (erhofft) Radiotaugliches und Mainstreamkompatibles auszudenken und es dabei zu belassen. Daher fügen sich Tracks wie ‘Change my ways’ oder ‘It’s gonna be alright’ ohne allzu krassen Stilbruch in den kleinen Heyoka-Songkatalog ein: ersteres Lied bietet einen tollen Flötenausflug, letzteres ein lupenreines Metalfinale mit high-pitched Grothues-Screams. Sogar das powerpoprockende ‘Video madness’ aus den frühen Achtzigern - wofür man dann endlich einen Clip drehte, der aber ein wenig später aus Copyrightgründen zurückgezogen wurde - hat einige Überraschungen auf Lager. Die Version auf der LP, übrigens, klingt anders und wartet mit einem NASA-Sample-Intro auf.

Sowohl auf dem Vinyl als auf der CD mimt ‘Disco sux’ (auf der Single, mit Labelaufschrift ‘Not side A’, noch als ‘Disco sucks’ buchstabiert) den kurzweiligen Rausschmeisser mit pointiertem Satire-Text. Hier wechselt man mal eben mühelos zwischen stilistischen Antipoden. Die Männer aus San Antonio mögen Disco und alles was er verkörperte abgrundtief gehasst haben, den Funk und Groove hatten sie drauf, wie die astreine Pastiche im Song ganz locker belegt.





 Das Doppelvinyl von The spirit of revelation kommt in einer hochwertigen Klappcoveredition, mit den zwei superb gepressten LPs in verschiedenen Farben, sowie einem Poster. Hätte Michael Paul Grothues noch gelebt, wäre er bestimmt vom Covergemälde des Künstlers Guy Fountain begeistert gewesen, verbildlicht es doch die ursprüngliche Essenz Heyokas.

Auf Seite 1 und 4 der DLP-Ausgabe sind zusätzlich noch ‘Danger stranger’ und ‘Taking notes/Feel it’ enthalten. Und obwohl beide Aufnahmen aus 1982 stammen, könnten sie unterschiedlicher nicht sein. Ist ‘Danger stranger’ eine unkompliziert-flotte Hardrocknummer mit 80s Arenarock-Spirit, ‘Taking notes/Feel it’ klingt wie 70s Rush auf der Überholspur. Gerardo Ramírez eröffnet den ersten Teil, das fantastische Instrumental ‘Taking notes’, mit treibendem Double Bass. Anschliesslich legt auch Basser Dean Vallecillo los, dann erst klinkt die restliche Band sich ein und tritt so richtig aufs Gaspedal. Ohne das Tempo zu drosseln geht man schnurstraks in ‘Feel it’ über, den schnellsten Heyoka-Song überhaupt. Speed-Prog mit Powerriffing, Flitzefingerkeys und Hammer-Refrain, das trifft’s bei diesem Hardprog-Pendant zu einem Top-Tequila am besten.

Die kuriose Entscheidung, ‘Danger stranger’ und ‘Taking notes/Feel it’ nicht mit auf die CD zu packen, ergibt letztendlich zwei völlig unterschiedliche Releases von The spirit of revelation. Die stilistischen Apokryphen ‘Disco sux’ und ‘Video madness’ hätte man gut weglassen und dafür die zwei weitaus passenderen Songs nehmen können. Vor allem ‘Taking notes/Feel it’ ist ein Kracher vor dem Herrn und definiert quasi die härtere, undergroundige Seite der Band. Schade drum.

Jetzt stellt das auf 500 Stück limitierte Vinyl, wie die schlicht aufgemachte Digipak-CD-Version leider ohne Textblatt, klar die einheitlichere Ausgabe dieser bald raren Veröffentlichung dar. Dafür ist es erstaunlich dass diese über lange Jahre zerstreut aufgenommenen Songs in Sachen Sound ohne grosse Diskrepanzen auskommen. Genaugenommen fällt lediglich ‘Video madness’, mit seiner 80s Produktion und den wie Fremdkörper wirkenden Samples, aus dem Klangrahmen. Im Gegensatz zu so mancher Demokompilation aber wirkt das Material auf The spirit of revelation auch audiotechnisch homogen.







Kommen wir zum Schluss dieses Nachrufes und dem unvermeidlichen ‘Was wäre wenn..?’ Diese Frage beantworten zu wollen ist wohlbetrachtet sinnlos, erst recht seit dem Tod von Michael P. Grothues. Zwar spielten Heyoka in den Nullern ab und an eine Reunionshow, die kreative Magie der Siebziger konnte oder wollte man nicht mit neuen Aufnahmen reproduzieren. Das unvollendete Buch der legendären local heroes aus San Antonio wurde aus reiner Nostalgie aufgeschlagen. Sicher, wie zum Beispiel auch Kansas oder Blue Öyster Cult hatten Heyoka das Potential zum Erfolg. Es fehlte aber bedauerlicherweise die essentielle Portion Glück welche im damaligen Rockbiz eine Band aufs nächste Level hieven konnte.

Bis heute sind die ex-Heyokaner in der Musik aktiv, sei es meist semi-professionell. Gerardo Ramírez spielte zuletzt in einer Southern Hardrockband namens Wolfpak, in dem auch Patrick Hood für eine kurze Zeit mitmischte. Auf Ramírez’ YouTube-Kanal gibt es ein wunderbares, im Alleingang eingespieltes Instrumental aus 2006 mit dem Titel ‘Moonlight’. Mit seiner melancholischen Atmosphäre und seinem Finesse - sogar die Querflöte fehlt nicht - könnte es glatt für einen Heyoka-Song durchgehen. Aber Heyoka, das war einmal.

Was bleibt, ist das kleine Vermächtnis einiger texanischen Ausnahmerocker. Und, zum x-ten Mal, die ebenso traurige wie nüchterne Erkenntnis, dass die Qualität von Musik oft den geringeren - ein Zyniker würde sagen ‘geringsten’ - Anteil am Erfolg hat. Die Variablen im Business sind, leider, das Business der Variablen. Der Geist des Künstlers, des Musikers, des Poeten aber findet in der Welt seinen Weg und verzaubert, berührt, inspiriert, auch lange nachdem seine Traumexistenz auf Erden verflogen ist.

Überlassen wir Michael Paul Grothues ein letztes Mal das Wort:

If for once I could’ve told you

what went on inside my mind

you would have seen just why the words

were so very hard to find 
And I’m still searching


Merci, Heyoka, für die zeitlose Musik. Your spirit lives on.

Oliver ‘Prof’ Kerkdijk

Oktober MMXIV