Montag, 27. Oktober 2014

70's Heavies: Jericho Jones - Junkies, Monkeys & Donkeys


Israelische Bands gab und gibt es nicht gerade viele, zumindest wenn man sich in der Rockszene umsieht. Eine der besten Band aus diesem, im Gedächtnis von Rockfans wohl kaum auftauchenden Landes sind sicherlich JERICHO JONES. Ende der 60er als THE CHURCHILLS gegründet war die Band Anfang der 70er oft in deutschen Clubs unterwegs, (den größten Erfolg hatten sie auch in Deutschland), dazwischen auch mal in Südafrika. 1971 entschieden sich die Bandmitglieder aber, nach London umzusiedeln, da ihnen ein Vertrag von dem dort ansässigen Label Red Bus Records (dieses hatten unter anderem den 70er Hit `In The Summertime` von MUNGO JERRY veröffentlicht) offeriert wurde.

Die Truppe war dann viel auf Tour, sei es in Frankreich, in den Niederlanden oder Belgien , auch Deutschland stand wieder auf dem Plan. Dort gelang ihnen sogar ein Charteinstieg. Ausgerechnet in England spielten sie aber nur eine handvoll Gigs in dieser Zeit, was natürlich dazu führte, dass die Truppe im Heimatland ihres Labels kaum bekannt wurde und der Erfolg dort ausblieb. Mehr Erfolg hatten Sie bei einer erneuten Tour in Südafrika, die aber fast gleichzeitig das Ende für die Band bedeutete. 1972 wurde zwar noch ein zweites Album, diesmal nur unter dem Namen JERICHO veröffentlicht, kurz darauf gingen die Bandmitglieder aber getrennte Wege. Die einzelnen Musiker sind immer noch aktiv, wenn auch mit wechselhaftem Erfolg.

Stilistisch kann man Jericho Jones dem 70er Heavyrock zuordnen, teilweise nah an DEEP PURPLE wobei ab und an noch die 60er Einflüsse aus den Anfangszeiten zu hören sind, was man auch beim Opener `Mare Tranquilitatas` merkt. Mit `Man In The Crowd` legt die Band aber recht heftig los, der Track ist auch ein Highlight der Scheibe. Tolle, fuzzige Gitarrenläufe und Riffs, dazu die geniale Stimme von Danny Shoshman. Alleine schon wegen diesem Track lohnt sich die Scheibe für jeden Fan des härteren 70er Rock. `There Is Always A Train` hat schöne Southernrockeinflüsse, die aber nicht überhand nehmen. Hier hört man auch, wie gut die Band mehrstimmige Gesänge beherrscht. Recht ruhig kommt `Yellow And Blue` in den Gehörgängen an. Unterlegt mit Geigenklängen erinnert der Song etwas an das Material von der 60er Truppe THE ZOMBIES. Wunderschön! Ein weiteres Highlight kommt mit dem folgenden `Freedom`, das durchaus auch von DEEP PURPLE stammen könnte. Cooler, rifflastiger Heavyrock. Im Zirkus oder auf einem Rummelplatz wähnt man sich bei dem, eher als Songübergang gedachten `Triangulum`. `No School To-Day` ist leider im Kontext recht schwach. Nicht falsch verstehen, der Song ist nicht schlecht, kann aber qualitativ nicht mit dem anderen Material mithalten. Der Titeltrack des Albums ist ein ruhigerer Song, der schon fast als Jam durchgehen könnte. Der Soloausbruch des Gitarristen erinnert, ohne eine Kopie zu sein, etwas an Alvin Lee´s Monstersolo in `Love Like A Man` von TEN YEARS AFTER. Richtig heftig wird es wieder mit `Time Is Now`. Grandioser Rocksong, ein weiteres absolutes Highlight neben `Man In The Crowd`. Der offiziell letzte Song der LP, `What Have We Got To Lose` hinterlässt aufgrund der Funkeinflüsse einen etwas zwiespältigen Eindruck. Die fünf Bonustracks der Re-Issues sind von unterschiedlicher Qualität, sind aber, bis auf `Hey Man` weit über dem Durchschnitt anzusiedeln.

Es existieren mehrere offizielle Re-Issues auf CD im Digipack, auf Akarma Records von 2002, zum anderen auf Mandala Records von 2009 und auch eine Auflage von Repertoire. (Diese allerdings im Jewelcase) Die Trackliste ist aber auf jedem Re-Issue gleich (inklusive der fünf Bonustracks), deshalb ist es die günstigste Variante sich die Repertoire-CD zu holen. Es scheint auch ein russisches Bootleg der CD zu geben, also aufpassen. Wer sich unbedingt die Originalpressung in den Schrank stellen will, sollte schon mit 2-300 Euronen für ein sehr gutes Exemplar rechnen.


Erstveröffentlichung: 1971

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