Montag, 27. Oktober 2014

70's Heavies: Bakerloo - S/T

Dieses Review dürfte strenggenommen nicht unter dem 70's Heavies-Banner laufen, da die Scheibe bereits 1969 erschienen ist. Aber so eng sollte man das nicht sehen, insbesondere bei diesem Album.

Eigentlich sollte die selbstbetitelte und leider einzige LP der Briten BAKERLOO jedem Fan von Rockmusik der 70er ein Begriff sein. Ist aber leider nicht so, was einige vielleicht etwas verwundern wird, ob der Namen die im Review auftauchen. Leider ist die ganze Geschichte etwas verworren, ich hoffe aber, dass ich sie einigermaßen verständlich hinbekomme.

BAKERLOO wurden 1968 als THE BAKERLOO BLUES LINE gegründet. Der Initiator war David (Clem) Clempson, der die Band zusammen mit Terry Poole und anfangs wechslenden Drummern (angeblich war auch mal Bill Ward kurzzeitig dabei) auf die Beine stellte. Einer dieser Drummer war John Hinch, der eine Weile mit einem gewissen Rob Halford in der Band Hiroshima war und zur Urbesetzung von Judas Priest gehörte und dementsprechend auf dem Debut zu hören ist. John Hinch wurde noch vor den Aufnahmen zum Album durch Keith Baker ersetzt, der der erste Drummer bei SUPERTRAMP bzw. DADDY war. Keith Baker verlies BAKERLOO kurz nach den Albumaufnahmen um einer ganz großen Band der 70er beizutreten-URIAH HEEP, mit der er aber nur das „Salisbury“-Album aufnahm. Keith Baker trennte sich dann wieder von URIAH HEEP, weil er keine Lust auf lange Tourneen hatte. Zum Ende von Bakerloo kam es 1969. Während Clempson wieder ein Trio auf die Beine stellen wollte, diesmal mit Cozy Powell an den Drums (daraus wurde aber nichts) gründeten Poole und Baker zusammen mit dem Sänger Jamie Black die Band MAY BLITZ, die 70er Fans nicht ganz unbekannt sein dürfte. Poole und Baker haben die Band aber noch vor dem ersten Album wieder verlassen. Clempson stieg dann bei den britischen Jazzrockern COLLOSEUM ein, bis er 1971 dann bei HUMBLE PIE landete.

In der kurzen Zeit, die BAKERLOO bestand konnte die Truppe aber schon ein paar „Erfolge“ auf die Habenseite stellen. Support für Led Zeppelin und eine recht umfangreiche Tour, u.a. mit EARTH.

So, nachdem ich hoffentlich jeden Leser verwirrt habe, kommen wir zur Hauptsache - der Musik.

BAKERLOO spielen Bluesrock, deftig und treibend, auch mal verspielt und mit einer Prise Rock'n Roll. Das Album wird von „Big Bear Ffolly“ eröffnet, einem ziemlich abgefahrenen Instrumental. „Bring it on Home“ ist fast schon klassischer Blues, cool, locker aus dem Handgelenk gespielt bei der Gitarre und Bluesharp wunderbar harmonieren. Die nächste Nummer (die einzige Singleauskopplung) ist ein Stück, das jeder Rockfan kennt. BACHS „Bourree“, von dem die bekannteste Rockversion wohl von JOHN LORD stammt. Jetzt kommt das Allerletzte, nein, der „Last Blues“ kriecht regelrecht in die Gehörgänge. Eigentlich kein Blues im herkömmlichen Sinn eher eine schon fast folkige, leicht weinerliche Nummer, wäre da nicht der zwischenzeitliche Ausbruch, bei der Gitarre, Bass und Schlagzeug gewaltig vom Leder ziehen. „Gang Bang“, wieder ein Instrumental gibt von Anfang an Gas und ist ein Bastard aus Blues, Boogie, Swing und was weiß ich noch alles. Cooles Ding mit einem entfesselten Drummer, der seine Toms malträtiert. Vergesst „You can leave your Hat on“, „This Worried Feeling“ ist der richtige Sound zu dem sich hübsche Frauen langsam ausziehen sollten, auch wenn der Gitarrist zwischenzeitlich ausflippt. Gigantisch! Der Oberkracher der Scheibe und die letzte Nummer der regulären LP kommt aber jetzt und er kommt gewaltig. Tiefe, grollende Riffs, die sich dann mit einem unglaublichen, staubtrockenen Drumsound und einem fetten Groove verbinden. „Son of Moonshine“ sollte als Klassiker des Bluesrock gelten, der Wahnsinn was die Band hier in über 10 Minuten abzieht. abzieht. Am ehesten ist der Track noch mit „Hellbound Train“von SAVOY BROWN zu vergleichen. Die mir vorliegende CD hat noch zwei Bonustracks. „Once upon a Time“ versprüht noch etwas den Charme der 60er, ist aber recht heavy und gefällig. Zum Abschluss gibt es dann noch eine alternative Version von „“This Worried Feeling“.

Das Album gibt es als Re-Issue auf Vinyl und CD von mehreren Labels. Mir liegt die ProgTemple-CD-Version vor. Die Re-Issues sind aber recht leicht zu finden. Für diejenigen welchen, die unbedingt die Originalpressung im Schrank stehen haben wollen wieder der Hinweis-Exemplare in gutem Zustand gehen durchaus mal für 500,-€ über die Ladentheke.



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen