Samstag, 31. Mai 2014

Uriah Heep - Outsider


Murmeltiertag 2014 in dieser unserer Szene: die grauen Eminenzen von Led Zeppelin sammeln schon wieder fleißig Titelstories im Abo alleine dafür ein, dass man die eigenen Urzeitwerke nicht nur zu Re-, sondern wahrscheinlich mittlerweile auch schon zu Kontra-, Bock- und Hirschmasters wiederkäut und fortan den Rock-Yuppies aller Nationen als Statussymbol/Penisverlängerung aufmotzt bis zum Gehtnichtmehr, und die ewig fleißigen Zeitgenossen von Uriah Heep? Werden in der Regel unter ferner liefen abgehandelt, wenn überhaupt. Und hey, warum auch nicht, alles was die dieser Tage noch machen ist schließlich FUCKING NEUE MUSIK ZU SCHREIBEN! Und die hat es in sich: Nach der zehnjährigen VÖ-Pause, die auf das 1998er „Sonic Origami“-Album folgte und während der man schon mal den Eindruck gewinnen konnte, dass aus Heep jetzt auch so 'n typischer Nostalgie-only-Act werden würde, ist „Outsider“ schon die dritte Platte nach der Rückkehr. (Eine Debütvorstellung ist es allerdings für Neu-Bassist Dave Rimmer, der die vier Saiten von dem leider seinem Krebsleiden erliegenen Urgestein Trevor Bolder (R.I.P.!) übernehmen durfte.) Diese Jungs haben ihre Motivation wiedergefunden, keine Frage.


Diese Spielfreude hört man bereits dem kraftvollen Opener „Speed Of Sound“ unschwer heraus, der klipp und klar macht, dass es sich dem merkwürdig Prog-artigem Cover, das man prinzipiell eher einer Band wie Arena zuordnen würde, zum Trotze hier zwar um absolute „Keine Experimente“-Zone handelt (spätestens seit „Sea Of Light“ hat sich nicht mehr sonderlich viel getan im Sound der Briten, aber wünscht sich das ernsthaft jemand anders?), das Quintett ihre über Jahrzehnte etablierten Trademarks aber in Perfektion ausspielt wie ein Pokerspieler seinen Royal Flush. „Outsider“ ist nur deshalb nicht die großartigste Liebeserklärung an die gute alte Hammondorgel, weil vor nicht allzu langer Zeit ein gewisser Don Airey auf „Now What?!“ eine zumindest in einer Welt ohne Jon Lord kaum zu übertreffende Hürde gesetzt hat. Nichtsdestotrotz ist es aller Ehren wert, was uns ein Phil Lanzon hier an facettenreichen Tastenteppichen auffährt, als wäre es das Leichteste der Welt. Gerne auch immer mal wieder unterstützt durch die charakteristischen, unwillkürlich Gänsehaut produzierenden Chorgesänge („aaaaaah-ha!“, you know...), of course.

Dazu klingt die Band auch in härteren Momenten erstaunlich frisch, als hätte sie sich vorgestern gegründet und nicht vor beinahe 45 Jahren. Der Titeltrack ist das beste Beispiel: „The Outsider“ ist ein ungewöhnlich flotter, beinahe schon Metal-Härtegrade erreichender Rocker mit Weltklasse-Chorus, der die Klassikerqualitäten eines „Easy Livin'“ nicht um viel verfehlt. Dürfte einer der stärksten Uriah Heep-Songs der vergangenen paar Jahrzehnte sein, wenn die Langzeitwirkung anhält. Very „Highway Star“ nebenbei, if I may say so. Auf den ersten Blick eher unscheinbar dagegen zeigt sich das ähnlich harte „The Law“, das dann halt die außergewöhnliche Tastenarbeit rausreißen muss, bis es dann doch um so gewaltiger zündet.

Klassischeren Rock'n'Roll mit Feelgood-Chorus hat „Rock The Foundation“ auf der Pfanne, „Looking At You“ recycelt vielleicht ein wenig arg offensichtlich den Refrain von Maidens „Wildest Dreams“, was aber bei dieser Band deutlich besser ins Konzept passt, und „Jessie“ hat was von dieser typischen „AOR-Schmachtrocker mit Frauenname“-Eingängigkeit, die Gestalten wie Survivor in den Achtzigern zweifelsohne hoch in die Charts geprügelt hätten. Alleine übersetzen Heep das astrein in den Sound der vorherigen Dekade – hat was! Das einzige, was ein wenig fehlen mag, ist wohl ein überlanges, eskapistisches Epos in „July Morning“-Tradition: dem kommt „Is Anybody Gonna Help Me?“ noch am nächsten, ist aber mit gerade mal fünf Minuten Spielzeit etwas spärlich bestückt. Das sollte aber um Himmels willen niemand davon abhalten, sich mit „Outsider“ das stärkste Heep-Werk seit dem '95er Prachtstück „Sea Of Light“ zuzulegen. (EZ)

Label: Frontiers Records
Veröffentlichung: 06. 06. 2014

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