Donnerstag, 22. Mai 2014

Timo Tolkki's Avalon - Angels Of The Apocalypse


It was twenty years ago today...Naja, beinahe, aber lasst mir die minimale, dramatische Übertreibung, denn der Rückenaufdruck des heute morgen zufällig aus dem Schrank gezerrten, halb zerfallenen Stratovarius-Shirts („Fourth Dimension“-Tour) führte es mir nur um so deutlicher vor Augen, wie verflucht lange es schon her ist, dass ein gewisser Timo Tolkki zu den absoluten Heroes der melodischen Metal-Szene zählte, dessen Alben man sich als qualitätsbewußter Fan blind einpacken konnte. Aber spätestens mit dem Ausstieg bei der Band, die er einst prägte wie kein anderer, begann trotz teilweise mehr als respektabler Werke mit Revolution Renaissance („Age Of Aquarius“, Leute!) die Kritik überhand zu nehmen. Nicht immer zu Recht, aber da mögen wohl auch die Umstände des Bandsplits ihre Rolle gespielt haben.


Sein aktuelles Avalon-Projekt nun, das vor Jahresfrist erst mit „The Land Of New Hope“ debütierte, ist ein Fall für die Liebhaber von Rock/Metal-Opern nach Ayreon- oder Avantasia-Manier. Stilistisch gesehen zumindest – qualitativ hingegen spielte Timos Ansammlung von Klassestimmen über bis zum Exzess aufgepomptem Allerweltsmaterial auf „The Land...“ schon ein oder zwei Ligen unter den großen Vorbildern. Für Abhilfe - und vor allem mehr Dynamik! - sollte die Quasi-Reunion des „Dreamspace“-Line-ups von Stratovarius sorgen: jawoll, erstmals seit 'ner halben Ewigkeit zockt Uns Timo wieder mit den Herren Tuomo Lassila (dr.) und Antti Ikonen (keys) zusammen, und der energische Opener „Jerusalem Is Falling“ deutet auch an, dass sich das gelohnt haben könnte. Klingt zwar nicht wie einst im Mai, rockt aber trotz mäßiger Produktion sehr beachtlich, und immerhin ist der nach wie vor gruselige Akzent von Gaststar Fabio Lione (Rhapsody Of Fire) von beinahe nostalgischem Wert.

Da kann das vorab präsentierte „Design The Century“ nur sehr bedingt mithalten, hat es Timo doch verpasst, der neuen First Lady von Nightwish, Floor Jansen, einen wirklich zündenden Chorus auf den Leib zu schneidern. So bleibt da nur ein mittelprächtiger Abklatsch des letztjährigen „Enshrined In My Memory“, und das war beim ersten Versuch schon eher zum Vergessen. Zudem ist das hier durch wirklich flachsten Achtziger-Keyboardsound gestraft, den man seinem ärgsten Feind nicht wünschen würde. Besser klappt das mit weiblicher Unterstützung – neben Floor sind noch Epica-Sirene Simone Simons sowie abermals Elize Ryd mit an Bord – dann auch eher in balladesk-bombastischer Manier in der zweiten Hälfte des Albums, in der Tolkki schon dann und wann mittelklassiges Nightwish-Niveau erreicht. „Bleed Forever“ etwa ist schon feiner Kitschstoff, zumindest wenn man prinzipiell in Titanic-Soundtrack-Stimmung ist.

Das ist bei der Leserschaft dieser Seite erfahrungsgemäß eher selten der Fall, also rede ich jetzt lieber über Metal. Als solcher geht am ehesten „Neon Sirens“ durch, nicht nur dem Titel nach vage (90s-)Savatage-kompatibel, was auch Sinn macht, denn Zak Stevens himself greift zum Mikro. Das bietet Tolkki Gelegenheit, diejenigen seiner Kritiker in die Schranken zu weisen, die ihm zuletzt oft vorwarfen, anders als etwa Tobias Sammet nicht in der Lage zu sein, Lieder auf die Stärken seiner Gastsänger zuzuschneidern. Daumen hoch, kann was. Skeptischer kann man angesichts eines „Rise Of The 4th Reich“ bleiben. Das hat zwar David DeFeis zu bieten, die Parallelen zu Virgin Steele beschränken sich aber sonst eher auf die Unzulänglichkeit der Produktion, und Dave röhrt hier doch ziemlich eindimensional und unbeteiligt den Löwen.

Qualitativ also eher wieder bestenfalls wechselhaft, darf der eine üble Komplettausfall leider nicht unerwähnt bleiben. In „Stargate Atlantis“ (!) geht es konzepttechnisch sicher wieder um etwas völlig anderes – trotzdem klingt der Song wie ein erster Songwritingversuch eines fünfzehnjährigen Melodic Metal-SciFi-Geeks, der seine Lieblingsserie in Musik verewigen möchte. Realsatire. Meister, Du hast doch mal Göttersongs wie „Out Of The Shadows“ geschrieben! Aber das ist eben – s.o. - verdamp lang her. „Angels Of The Apocalypse“ ist jedenfalls, einige Ausrutscher nach oben zum Trotze, nur ein Fall für die beinharten Tolkki-Supporter (zu denen sich der unverbesserliche Verfasser dieser Zeilen immer noch zählt!). Alle anderen werden mit wahlweise Avantasia oder Nightwish mehr Spaß haben, fürchte ich. (EZ)


Label: Frontiers Records
VÖ: 16.05.2014

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