Donnerstag, 29. Mai 2014

California Breed - California Breed


Mit den grandiosen Black Country Communion befanden sich die Herren Glenn Hughes (v., b.) und Jason Bonham (dr.) völlig zu Recht auf der Erfolgsspur. Zumindest vor dem eher mittelmäßigen Drittwerk "Afterglow" und der damit verbundenen, sehr öffentlichen Trennung von Blues-Wunderknabe Joe Bonamassa zockte diese Band schließlich den famosesten klassischen Hardrock nach Manier von Hughes' Siebziger-Betätigungsfelder, den man in dieser unserer digitalen Ära noch zu hören bekommt. Kein Wunder, dass das eingangs erwähnte Duo daran gerne anknüpfen möchte. Wohlan: BCC ist tot - es lebe California Breed!
 
Aber es ist nicht nur die Abwesenheit von Bonamassa, die dafür sorgt, dass es sich bei ihrem selbstbetitelten Debüt nicht um das verkappte vierte BCC-Album handelt. Auch Tastenwizard Derek Sherinian ist hier nicht am Start - und seine Position wurde auch nicht neu besetzt. Der Name "California Breed" steht für ein aufs absolut Wesentliche reduzierte Rock-Trio der alten Schule. Wenn es nicht irgendwo Blasphemie wäre, würde ich vielleicht von "The Glenn Hughes Experience" kalauern: Hughes und Bonham bilden eine deftigst groovende Rhythmusgruppe vom feinsten, Glenn röhrt darüber mit jahrzehntelang geprüfter Souveränität soulful wie eh und je, und der neu dazu geholte Jungspund an den sechs Saiten, Andrew Watt, gibt uns in seiner Debütvorstellung den klassisch filigranen, aber doch immer auf dem Boden gebliebenen Gitarrenhelden nach Page- oder Hendrix-Vorbild. Wobei der Bursche sich selbst als Kind der Grunge-Ära charakterisiert, der aber durch Papas Plattensammlung auch früh genug mit den Sixties- und Seventies-Vorbildern von Bands wie Soundgarden, Alice In Chains &Co., die man seinem Spiel mit etwas Fantasie auch durchaus heraushören kann, sozialisiert wurde. Das nenne ich mal Erziehung - Daumen hoch!

 Dementsprechend ist die Scheibe denn auch all denjenigen beinahe uneingeschränkt ans Herz zu legen, die sich ihren Oldschool-Kick in den unendlichen Weiten irgendwo zwischen The Who und Chickenfoot besorgen. Beinahe, weil mir ähnlich wie beim Debüt der Letztgenannten doch die ganz großen Kinnlade-Runterklapp-Momente etwas abgehen, die noch BCC etwa mit einem "Song Of Yesterday" im Programm hatten. Hier fehlt es dazu gerade über die großzügige Spielzeit von zwölf Songs doch ein wenig an Abwechslung, was der herrlich authentische Sound (was für warme Gitarren!) in der Regel aber ausgleichen kann. Anspieltipps: "The Way" eröffnet die Scheibe mit Townshend-würdigem Wumms, das schwer Led Zeppelin-verdächtige "Chemical Rain" läuft geradezu über vor lauter Feeling, und das balladeske "All Falls Down" zeigt nicht nur Hughes mal wieder in stimmlicher Höchstform - nein, wenn Ihr denn wissen wollt, warum Mr. Watt die nächste große Entdeckung im Feld des erdigen Roots-Rock darstellen wird, reicht es schon, das hier ansässige Solo angemessen zu begutachten: von diesem Manne wird noch zu hören sein. (EZ)

Label: Frontiers Records
VÖ: 16.05.2014

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