Sonntag, 20. April 2014

Portrait - Crossroads

"Crossroads" heißt nicht nur der letzte Track auf dem unterbewerteten "Dead Again"-Album von Mercyful Fate, sondern auch das neue, lang erwartete Album der schwedischen Echtmetallinstitution PORTRAIT.
Es ist schon erstaunlich, welche Wandlung diese Band seit dem ersten Demo "Welcome To The Funeral", welches ich irgendwann im Jahr 2006 aus dem Briefkasten fischte, genommen hat.
Nach besagtem ersten kauzigen Demotape, der darauffolgenden Single und dem tollen selbstbetitelten Debüt verließ zunächst True as fuck-Sänger Phillip Svennefeld die Band - für viele der deutliche Schwachpunkt der ersten Scheiben, für mindestens aber ebenso viele einer der Gründe, die Schweden ganz fest in ihr Herat Of Steel geschlossen zu haben. Ich mochte seine charismatische, herrlich unperfekte Stimme sehr, wenngleich sein Nachfolger Per Karlsson, der ab dem Zweitwerk "Crimen Laesae Majestatis Divinae", mit dem man zugleich beim renommierten Metalblade-Label andockte, objektiv natürlich der deutlich überzeugendere Mann am Mikro ist. Nun liegt also "Crossroads" vor, es gilt "make it or break it" - doch leicht habe ich mich mit diesem Album wirklich nicht getan.
Dabei stimmen alle Zutaten bis aufs kleinste Detail: Tolles Artwork, ein wundervolles Akustikgitarrenintro, das glatt etwas "Awaken The Guardian"-Atmosphäre erzeugt, das Duo Lindell/Olofsson hat die schon immer gute Saitenkunst der Band nochmals auf ein neues Level gehoben und Sänger Karlsson besitzt genau die richtige Stimme, um herrlich hohe und bei den richtigen Leuten verhasste Screams auf die Menschheit los zu lassen. 
Schwer verdaulich oder gar progressiv-verschachtelt ist das Songmaterial auch nicht, weshalb es mir noch immer ein kleines Rätsel ist, weshalb mir die neue Mekong Delta direkt beim ersten Hören perfekt mundete und ich nach diversen Kreuzungsgängen noch immer ein dickes Fragezeichen im Gesicht hatte. 
Und dann, als ich schon aufgeben wollte und einen weiteren Haken an eine einst vielversprechend gestartete Band machen wollte, hat es doch gezündet. Alle Songs machten plötzlich Sinn und die scheinbar hinterhältig versteckten Melodien setzten sich endlich im Ohr fest.
Die Hooks von Songs wie dem Quasi-Opener "At The Ghost Gate" und dem Hassbratzen "Our Roads Must Never Cross" (mehr King Diamond-Verbeugung geht kaum), die Ohrwurmriffs von "We Were Not Alone" oder (Frohe Ostern!) "Black Easter", die wundervollen Double-Leads im schnellsten Track des Albums, "In Time" (ist unten zu hören), oder der abschließende, neunminütige Atmosphärenhöhepunkt "Lily", welches die Tradition von "The Adversary" und "Der Todesking" forsetzt und mit seinem Akustikoutro den Bogen zum Intro schlägt - das alles ist doch PORTRAIT, wie man sie sich wünscht und so sehr Heavy Metal, wie sie eigentlich immer waren.
Dass es dieses Mal so lange gedauert hat, um mich zu packen, kann demnach nur ein Pluspunkt für die Langlebigkeit des Songmaterials sein. Daumen hoch für "Crossroads"! (MK)



Label: Metal Blade
VÖ: 25.04.2014

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