Dienstag, 29. April 2014

Mechanical Organic - This Global Hive (Part One)

David Bellion ist nicht nur Sänger bei den gutklassigen Fracture sowie den großartigen Neue Regel, sondern war auch noch bei der Progressive Metal-Legende Vauxdvihl/Vaudeville als Mann am Mikro für unzählige Gänsehautmomente zuständig - die aber bis heute leider unveröffentlicht blieben. Keyboarder Eddie Katz (auch Ex-Vauxdvihl) hat seit 2005 mit MECHANICAL ORGANIC eine neue Band am Start und, das haben die wenigsten bislang auf dem Schirm, bereits drei Alben in Eigenregie veröffentlicht. Von diesen dreien ist das 2012er-Werk (hier ist erstmals Bellion am Gesang zu hören) das bislang überzeugendste und während der zweite Teil von "This Global Hive" in diesen Tagen erscheint, möchte ich die Gelegenheit nutzen, auf diese Band hier kurz hinzuweisen. Was haben wir also auf der Habenseite von MECHANICAL ORGANIC zu verbuchen?

Mittwoch, 23. April 2014

Ian Anderson - Homo Erraticus


Es beginnt, wie es so oft beginnt: mitten im Doggerland. Keine Trompeten weit und breit, fürchte ich, but I hear there were giants in the earth in those days. Von dieser prähistorischen, untergegangenen Landmasse aus führt uns Ian Anderson auf eine fast zehntausend Jahre andauernde Reise des sehr britischen „Homo Erraticus“ - der Landstreicher, the wandering man, nenn' ihn, wie Du willst. (Die verschiedenen Inkarnationen, aus deren point of view Ian die voranschreitenden Zeiten besingt, erinnern zwar auf den ersten Blick ein wenig an Ayreons „The Dream Sequencer“, textlich ist das aber natürlich um Welten besser inszeniert.) Und ja, mittlerweile meldet sich da endgültig „nur“ noch Anderson: Jethro Tull ist laut Liner Notes in Rente geschickt worden. Ob dem ewigen Godfather of Kauz eben das auch dann so leicht gefallen wäre, wenn zumindest der langjährige Weggefährte Martin Barre noch mit an Bord wäre, bleibt Spekulation, zumal das Textkonzept der aktuellen Scheibe den fiktiven Hirnen gleich zweier ebenso fiktiver Anderson-Alter Egos - darunter auch wieder der legendäre Gerald Bostock of „Thick As A Brick“ fame - entsprungen sein soll. Jemand Lust auf eine Runde „Six Degrees of Jethro Tull“?

Sonntag, 20. April 2014

Portrait - Crossroads

"Crossroads" heißt nicht nur der letzte Track auf dem unterbewerteten "Dead Again"-Album von Mercyful Fate, sondern auch das neue, lang erwartete Album der schwedischen Echtmetallinstitution PORTRAIT.
Es ist schon erstaunlich, welche Wandlung diese Band seit dem ersten Demo "Welcome To The Funeral", welches ich irgendwann im Jahr 2006 aus dem Briefkasten fischte, genommen hat.
Nach besagtem ersten kauzigen Demotape, der darauffolgenden Single und dem tollen selbstbetitelten Debüt verließ zunächst True as fuck-Sänger Phillip Svennefeld die Band - für viele der deutliche Schwachpunkt der ersten Scheiben, für mindestens aber ebenso viele einer der Gründe, die Schweden ganz fest in ihr Herat Of Steel geschlossen zu haben. Ich mochte seine charismatische, herrlich unperfekte Stimme sehr, wenngleich sein Nachfolger Per Karlsson, der ab dem Zweitwerk "Crimen Laesae Majestatis Divinae", mit dem man zugleich beim renommierten Metalblade-Label andockte, objektiv natürlich der deutlich überzeugendere Mann am Mikro ist. Nun liegt also "Crossroads" vor, es gilt "make it or break it" - doch leicht habe ich mich mit diesem Album wirklich nicht getan.

Freitag, 18. April 2014

Mekong Delta - In A Mirror Darkly

Spricht man über Progressive Metal, so fallen schnell und ganz selbstverständlich Namen wie WatchTower, Dream Theater, Fates Warning oder auch Zero Hour, Psychotic Waltz, Power Of Omens und gerne auch mal Anacrusis. Seltsamerweise taucht in fast keiner Aufzählung der Bandname MEKONG DELTA auf. Ob das nun mit dem berühmten Propheten im eigenen Lande zu tun hat oder schlichtweg dem Übersehen großartiger Klassiker wie "Dances Of Death", "The Music Of Erich Zann" oder dem vor vier Jahren veröffentlichten, fantastischen "Wanderer On The Edge Of Time" vermag ich nicht zu sagen. Eines ist jedoch klar: Das lange angekündigte und mehrmals verschobene neue Album gehört zu den ganz großen progressiven Werken der letzten Jahre und, ich nehme es vorweg, wer 2013 beim genialen Memento Waltz-Erstling ausgeflippt ist vor Begeisterung, muss dies zwangsläufig auch bei "In A Mirror Darkly" tun.

Mittwoch, 2. April 2014

Gamma Ray - Empire Of The Undead


Woran erkennt man eigentlich am zuverlässigsten, ob man eben in einem Paralleluniversum aufgewacht ist? Ich meine, in manchen Fällen ist es offensichtlich: Deutschland hat den Zweiten Weltkrieg gewonnen? Such' mal besser nach dem nächstgelegenen Dimensionstor. Superman kämpft auf der Seite von Josef Stalin für das Proletariat? Da brüllt Gastkritiker Sheldon C. aus P. bereits lauthals ein entsetztes „Das ist Elseworlds, das giltet nicht!“ in die Runde, bevor ich den Satz auch nur zu Ende geschr...ihr wisst schon. Ein vormals lieber Bekannter trägt plötzlich Spitzbart und/oder Augenklappe und übt sich in Evil Laughter? Da sollte Holzauge zumindest wachsamer als gewöhnlich sein.

Aber wo in dieser Skala der Absurditäten ist eigentlich das Szenario „Es ist 2014 und ausgerechnet das alte Schlachtschiff Gamma Ray ist der Liebling aller Kritiker“ einzusortieren? Es ist schließlich nicht so, als hätte das Kleeblatt um Szene-Urgestein Kai Hansen irgendeine seiner gewohnten Songwriting-Konventionen für sein zehntes, nach einem Brand im heimischen Studio reichlich verspätet erschienenes Studiowerk „Empire Of The Undead“ sonderlich überarbeitet, geschweige denn über Bord geschmissen. Der Rundling bietet vielmehr die auf den ersten Blick altbekannte Mischung aus „Walls Of Jericho“-Aggression, der Eingängigkeit der ollen „Keeper...“- und „Land Of The Free“-Zeiten sowie einer großzügigen Schippe Priest-Klau, öhm, -“Hommage“ just because. Ist es also doch die Welt, die sich geändert hat? Hören wir mal genauer rein.