Donnerstag, 6. März 2014

Dread Sovereign - All Hell's Martyrs

Sehr umtriebig ist er, der Herr Averill.
Im Jahr 2011 begeisterte er noch mit dem bislang letzten Primordial-Album "Redemption At The Purtian's Hand", 2013 folgte dann das Twilight Of The Gods-Debüt, welches einen großen Eindruck im Underground hinterließ. Außerdem spielte er eine EP mit einer weiteren Band ein: DREAD SOVEREIGN  waren geboren. "Pray To The Devil In Man" war in meinen Augen ein guter Einstand, richtig von den Socken gehauen haben mich die drei Songs jedoch nicht.
Umso überraschter war ich, als zum ersten Mal "All Hell's Martyrs" durch meine Ohren fegte - wobei "fegen" bei diesem Doom-Meisterwerk wohl definitiv das falsche Verb sein dürfte. 
Das atmosphärische Intro "Drink The Wine" mit seinen Sprachsamples saugt einen sofort hinein in eine fast 70minütige, tiefschwarze, verdammt heavy klingende und manches Mal ob seiner Boshaftigkeit fast körperlich spürbare Achterbahnfahrt.
Das bereits von der EP bekannte "Thirteen Clergy To The Flames", der erste "echte" Song, ist in der Neuaufnahme direkt ein Paradebeispiel für den totalen Doom DREAD SOVEREIGNs. Ein dominanter, herrlich nach vorne gemischter Bass, einfaches Riffing, ein furztrockendes Solo, Averills prägnanter Gesang, fantastisches Drumming und ein simpler Chorus - mehr bietet sie nicht, diese Doomwelt. Aber hey -  mehr BRAUCHT sie auch nicht, diese, unsere Welt! In diesem Track (und in vielen weiteren, die noch folgen) vereint sich all das, was eine eingeschworene Gemeinde an leider verblichenen Combos wie Reverend Bizarre oder The Gates Of Slumber, aber auch an Brüdern im Geiste wie Warning oder 40 Watt Sun, geliebt hat und auf ewig lieben wird.
Zusätzlich, und das hat der Herr Nemtheanga wunderbar bei Twilight Of The Gods, aber selbstverständlich auch in den Jahren mit Primordial, gelernt, ist jede Sekunde dieses Albums verdammt noch mal eines: absolut und ohne jeden Kompromiss Heavy Metal!
Das vorab bei youtube veröffentlichte, ultraheavy tönende "Ctulu Opiate Haze" (bitte unbedingt unten anhören!) entwickelt beim ersten Hören ebenfalls eine Sogwirkung, der man sich nur schwer entziehen kann. Über zehn Minuten sitzt man da und lässt sich überrollen von einer Finsternis, die nicht einmal die meisten Black Metal-Bands erreichen. Man höre nur mal die Stelle ab Minute vier, wenn man ausschließlich durch ein waberndes Keyboard und eine Flüsterstimme ein Schauern erzeugt, für welches King Diamond heute, nun ja, töten würde.

Der einzige Schwachpunkt, wenn man es denn so nennen möchte, folgt danach - "The Devil's Venom", ein instrumentales Zwischenstück, ist mit seinen über vier Minuten mindestens derer zwei zu lang geraten, obwohl die beabsichtigte Teufelsatmosphäre ganz gelungen ist. Erster und einziger Skipkandidat.
Der Titeltrack der letztjährigen EP ("Pray To The Devil In Man") gewinnt in der kompletten Neuauflage noch einmal deutlich an Klasse und das packende "Scourging Iron" ist ein kollossaler Metalknaller, der einfach heavy as fuck ist. Nach einem weiteren kurzen Zwischenstück ("The Great Beast Speaks") folgt er dann, der finale Triple-Abschuss:
"We Wield The Spear Of Longinus" (wer bei diesem (ebenfalls neu aufgenommenen) Song nicht vor Gnade winselnd am Boden wimmert, hat diese Musik niemals richtig gespürt), "Cathars To Their Doom" (der Bass, DER BASS!!) und "All Hell's Martyrs, Transmissions From The Devil Star" sind zusammen fünf Minuten länger als das komplette "Reign In Blood"-Album und die Essenz der Musik, die mit dem schnöden Wort "Doom" auf dem Papier bzw. dem Monitor nur so mangelhaft beschrieben werden kann. Sie sind Dunkelheit, Nihilismus, Boshaftig- und Bedrohlichkeit zugleich und zeigen der staunenden Konkurrenz in diesem Jahr mit ziemlicher Sicherheit nur zwei Dinge:
1) Überragender, vor allem aber dunkler ist dieser Stil nicht mehr zu spielen.
2) Reverend Bizarre sehen sich posthum mit einer Band konfrontiert, die ihren Klassikern verdächtig nahe kommt.

I bow down. (MK)



Label: Van Records
VÖ: 21.03.2014

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