Donnerstag, 27. Februar 2014

Morbus Chron - Sweven

It's death metal, Jim – but not as we know it.“ Danke, Mr. Spock, das war so in etwa auch mein erster Eindruck vom Zweitwerk der Schweden-Jungspunde Morbus Chron. Immerhin käme wohl kaum jemand, dem man den Bandnamen vor dem Anhören nicht verraten hätte, spontan auf die Idee, dass es sich hier um dieselbe Truppe handeln könnte, die noch vor nicht allzu langer Zeit mit „Sleepers In The Rift“ ein Debüt vorlegte, das zwar weitaus einfallsreicheres Songwriting vorweisen konnte als das Gros der Entombed-Epigonen, Autopsy-Anbeter oder Carcass-Kopisten dieser Welt, aber stilistisch halt doch voll und ganz in diese Kerbe schlug. Nun, davon ist höchstens noch der kranke Gesang von Robert Andersson übrig geblieben – musikalisch hingegen melden sich die Schweden heuer zurück aus Welten jenseits unserer Vorstellungskraft.


Denn es lässt sich nicht anders beschreiben: Morbus Chron haben mal eben ein paar Evolutionsstufen übersprungen und sind schon heute dort angekommen, wo Bands wie bsp. Pestilence erst nach Jahren und gewaltiger Genremüdigkeit landeten: bei einer Scheibe nämlich, die die Anhängerschaft spalten wird. Der Begiff „Sweven“ stand im Mittelenglischen für „Traum“ oder „Vision“, und exakt das ist Programm auf dem gleichnamigen Album: der Sound ist abstrakt, nebulös, eher atmosphärisch als wirklich progressiv im Frickelsinne und folgt einer im wunderschönen LP-Booklet ausgiebig illustrierten Traum- bzw. Geistesreise jenseits von Zeit und Raum. Etablierte Songwriting-Konventionen werden dabei eher mal getrost ignoriert, ähnlich wie schon bei so verschiedenen Acts von Tiamat („Wildhoney“, „A Deeper Kind...“) über Fates Warning („A Pleasant Shade of Gray“) bis hin zu Wolves In The Throne Room (immer und überall) funktioniert „Sweven“ ausschließlich als großes Ganzes - quasi eine in Death Metal, und sei es auch nur im weitesten Sinne, übersetzte Vision der letzten halben Stunde des Kubrick/Clarke-Meisterwerks „2001 – Odyssee im Weltraum“, auch und gerade inhaltlich.

Wer braucht das nun? Fans des knüppelharten Erstlings jedenfalls nur bedingt – und überhaupt nicht, wenn Ihr nur schrullig-humorige Autopsy-Verehrung mit dementsprechenden Songtiteln wie „Creepy Creeping Creep“ oder „Coughing In A Coffin“ wollt. Steht Ihr aber auf die Art grenzenlosen Extrem-Metal, wie ihn einst Death, Pestilence, Atheist oder auch die sträflich unterbewerteten Dark Millennium in ihren musikalisch aufregenderen Phasen zelebrierten (oder wie es eine Band wie Obscura noch heute tut), und seid eventuell dazu noch den schrägeren Momenten der Giganten King Crimson oder Pink Floyd nicht ganz abgeneigt, dann ist „Sweven“ Eure Zeit absolut wert. Ob ich das jetzt persönlich wertiger finde als den bärenstarken Vorgänger? Werde ich vermutlich erst nach Jahren an Beschallung unter dem Kopfhörer so wirklich beantworten können. In jedem Falle ist eine Band aus diesem Dunstkreis, deren Horizont nicht mit dem ewigen Recyclen von „Left Hand Path“ endet (so schön das oft auch sein mag), mehr als willkommen. Deswegen werte ich hier und jetzt mal mit einem anerkennenden Hochziehen der Augenbraue. Faszinierend, Captain! (EZ)


Label: Century Media
VÖ: 21.02.1014

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