Sonntag, 16. Februar 2014

Fates Warning - Awaken The Guardian (Classic Review(s))

"Awaken The Guardian" ist das beste Album aller Zeiten. Punkt. Und zwar nicht das beste Heavy Metal-Album aller Zeiten, sondern das beste Werk, das jemals Musiker eingespielt haben.

Und wie soll man eine musikalische Wundertüte adäquat in Worte fassen, dessen einmalige, bis heute unerreichte Klasse eigentlich gar nicht dafür geschaffen ist, in Worte gefasst zu werden? Bereits zweimal habe ich dies versucht, und im Rahmen der Classic Reviews sollen hier beide (ohne große Korrekturen) noch einmal zu Blog-Ehren kommen.
1997, also vor siebzehn Jahren, klang meine Einschätzung so wie das erste hier per copy & paste eingefügte Review. Der zweite Text stammt aus meinem Top 100-Thread und ist drei Jahre später entstanden.

Review I (1997):

"Tja, wie soll ich zu diesem Album etwas schreiben, wenn nebenher eben dieses läuft und mir ein Schauer nach dem anderen über den Rücken rast? Von den ersten wundervollen Klängen des Openers "The Sorceress" ("I search alone, dark the night, deep the blackest forest, down the devil's hopyard, on my way from Salem I lit a fire...") bis zum letzten Hauch des unbeschreiblichen "Exodus" ("The power of good will not be shown by conquering fear, let it be known it's a constant resist while facing transformation.") ist dieses musikalische Lebenswerk ein einziges gigantisches Hörerlebnis, das im gesamten Musikbereich auch elf Jahre später niemals mehr in dieser Intensität erreicht wurde.
Anno 1986 zelebrierten Fates Warning bereits einen Musikstil, der erst Jahre später als "Progressive-Metal" kategorisiert werden sollte und deren Titulierung doch der Musik niemals gerecht werden wird. Das besondere an "Awaken..." ist die Tatsache, dass die ganze einmalige Athmosphäre nicht durch vordergründig eingesetzte Keyboardstrukturen (kein einziger Ton dieses Instruments ist auf "Awaken..." zu hören!) oder Pseudo-Klassik-Einsprengsel sondern nur durch die perfekte Verschmelzung aus dem (Über-)Gesang von John Arch und dem Gitarrenduo Matheos/Aresti, unterstützt durch die solide Rhythmussektion Joe DiBiase (bass) und Steve Zimmermann (drums) erreicht wird.
Solch magische, elegische Momente wie "Fata Morgana" ("Morrigan you come again, Morgan La Fay, raven on my sill of frost..."), der All-Time-Classic "Guardian" ("These walls are stained, engraved with pain, you will find them under shadows casting shame..."), der ab und an heute noch von der Band gespielt wird oder all die restlichen O(h)rgasmen sind bis heute unerreicht und werden wohl auch niemals mehr getoppt werden.

Ehrlich: auf dem gesamten Album gibt es keine schwache, geschweige denn überflüssige oder langweilige Note, alles passt zusammen und wirkt wie ein Kunstwerk, für das der Künstler sein gesamtes Leben Zeit gehabt hat und das aus diesem Grunde einzigartig geworden ist. Man darf jedoch niemals den Fehler machen, und diese (über allem schwebenden) Fates Warning mit der heutigen Besetzung gleichsetzen, denn eigentlich müssen sie wie zwei verschiedene Bands zu behandeln sein: die, die unsterbliche Musikereignisse wie eben "Awaken..." oder "The Spectre Within" mit all ihrer Mystik und Magie schufen, und die, die (ebenfalls hochklassige) Werke wie "No Exit", "Parallels" und "A Pleasant Shade Of Gray" veröffentlichten, die jedoch in keiner Sekunde an ein Album wie "Awaken The Guardian" heranreichen." (MK)

Review II (2000):

"Wer sich selber schon einmal an Reviews versucht hat weiß, dass es leicht und schwer zu verfassende gibt. Es gibt aber auch beinahe unmöglich zu schreibende und seit Wochen quäle ich mich mit der seit Jahren unangefochtenen Nummer Eins meiner Alltime-Top 100 herum. Mir wollte einfach nichts einfallen.
Ich könnte es mir einfach machen und nur äußern, dass „Awaken The Guardian“ die Krone der musikalischen Schöpfung ist, die Essenz von allem, wofür ich seit 1986 lebe. Das wäre aber immer noch zu wenig Huldigung für ein Werk von einer solch epochal-magischen Ausstrahlung, dass selbst in 200 Jahren noch eine handvoll Auserwählter die Klasse der acht Kompositionen entdecken und bedingungslos lieben werden, während der Großteil ihrer Zeitgenossen lieber dem nächstbesten Trend hinterhechelt (zu spät, er ist schneller)

„I search alone, dark the night – Deep the blackest forest – Down the Devil’s Hopyard – On my way to Salem I lit a fire.“ sind die ersten gesungenen Worte eines Monuments namens “The Sorceress” und Sänger John Arch trifft damit direkt und ohne Umwege ins Herz. Mit seiner hohen Stimme ist er zwar ein typischer “love/hate”-Vertreter seiner Zunft, seine grandiosen, unkonventionellen Melodielinien und die mythischen, schwer verständlichen Texte sind aber etwas ganz Besonderes und formen erst aus einem gigantischen Album ein sprachlos machendes. Ich gebe es gerne und unumwunden zu – viele Lyrics meiner Faves kenne ich auswendig, „Awaken The Guardian“ kann ich aber immer noch nur sehr sporadisch mitsingen, bei der Textsicherheit hapert es einfach auch nach 20 Jahren. Ein typisches Mitsingalbum ist „Awaken The Guardian“ aber selbstverständlich auch nicht und wird es auch nie sein. Und das ist gut so.

Wer dieses Review liest und das Album nicht kennt wird Schwierigkeiten haben nachzuvollziehen, warum gerade ATG hier die Spitzenposition innehat, wer dieses Jahrhundertkunstwerk aber kennt und gar besitzt wird es hoffentlich nachfühlen können. Man höre nur die ersten Sekunden von „Guardian“, den Beginn von „Exodus“ oder verfalle dem „Prelude To Ruin“. Musik war einfach nie emotionaler, nie nachhaltiger, nie tiefgreifender, nie leidenschaftlicher, nie epischer, nie mystischer, nie trauriger, nie entrückter, nie genialer, nie vollkommener, ja, schlicht und ergreifend nie besser.
Danke Jim, John, Frank, Joe und Steve für etliche Stunden Flucht aus dem Alltag.“ (MK) 

Label: Metal Blade Records
VÖ: 10.10.1986

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