Donnerstag, 27. Februar 2014

Morbus Chron - Sweven

It's death metal, Jim – but not as we know it.“ Danke, Mr. Spock, das war so in etwa auch mein erster Eindruck vom Zweitwerk der Schweden-Jungspunde Morbus Chron. Immerhin käme wohl kaum jemand, dem man den Bandnamen vor dem Anhören nicht verraten hätte, spontan auf die Idee, dass es sich hier um dieselbe Truppe handeln könnte, die noch vor nicht allzu langer Zeit mit „Sleepers In The Rift“ ein Debüt vorlegte, das zwar weitaus einfallsreicheres Songwriting vorweisen konnte als das Gros der Entombed-Epigonen, Autopsy-Anbeter oder Carcass-Kopisten dieser Welt, aber stilistisch halt doch voll und ganz in diese Kerbe schlug. Nun, davon ist höchstens noch der kranke Gesang von Robert Andersson übrig geblieben – musikalisch hingegen melden sich die Schweden heuer zurück aus Welten jenseits unserer Vorstellungskraft.

Mittwoch, 26. Februar 2014

Anarchos – Descent Into The Maelström (EP)

Nö, keine Angst, hier wird nicht heimlich, still und leise Asipunk auf diesen heiligen Seiten eingeschlichen: Anarchos kommen aus Holland (dementsprechend im Geiste eine englische Aussprache des Bandnamens zurechtlegen, gell?) und zocken auf ihrer ersten Fünf-Track-EP „Descent Into The Maelström“ - das frech bei den guten alten Carnage entlehnte Bandlogo deutet es an - oldschooligen Death Metal nach bester Early-Nineties-Manier. Für eine neu gegründete niederländische Kapelle derzeit beinahe schon revolutionär zu nennen, hat man dabei kein einziges (!) Asphyx-Mitglied an Bord (dafür könnte dem einen oder anderen der Name der Neunziger-Kultröchler Ulcerate Fester noch ein Begriff sein, der bei den Ex-Aufzählungen des öfteren fällt!), die Platten dieser Landsleute-Legende aber sicher das eine oder andere Mal zwecks Inspiration auf den bandeigenen Vinyltellern rotieren lassen.

Magnum - Escape From The Shadow Garden

Nur achtzehn Monate nach dem Release des beileibe nicht schwachen letzten Albums "The 13th Day" sind Tony Clarkin, Bob Catley und ihre Mannschaft mit dem siebzehnten Album der Bandgeschichte zurück - und "Escape From The Shadow Garden" vereint abermals all das, für das man die vor 42 Jahren gegründete britische Rocklegende kennt und liebt. Wie ausnahmslos alle Werke seit dem 2002er-Comeback "Breath Of Life" bilden die Clarkin-Kompositionen die tragenden Säulen des Bandsounds, ohne die MAGNUM nicht funktionieren würden:  Bombast bis zum Anschlag, rockige Gitarren, die aber nicht durch unnötige Härte stören, Epik, Catleys märchenhafter Gesang und eine Eingängigkeit, die sich oft an der Grenze zum Kitsch entlanghangelt, aber diese nie überschreitet. Und es sind immer wieder diese typischen Bandmomente, diese Melodien, die nur ein Bob Catley singen und nur ein Tony Clarkin schreiben kann und die einen ob ihrer Großartigkeit manches Mal zusammenzucken lassen.

Sonntag, 23. Februar 2014

Triumphant - Herald The Unsung

TRIUMPHANT ist nicht nur ein ganz vorzüglicher Name für eine Heavy Metal-Band, es ist auch nach Cobra, Sun Worship und Dread Sovereign der nächste Newcomer, der innerhalb kürzester Zeit seine Spuren im Metal Underground hinterlassen wird. "Herald The Unsung" besitzt nicht nur ein fantastisches Artwork, es ist auch musikalisch ein famoser Bastard aus Thrash und Black Metal, versehen mit jeder Menge traditioneller Zutaten, so dass auch der True Metaller von nebenan, der gerne mal in Lauda-Königshofen urlaubt, hier durchaus mal reinhören sollte.
Nach dem Spannung erzeugenden Intro "Triumfator" sollte man sich vom kurz mit einem Blastbeat beginnenden "Nachzehrer" nicht ins Bockshorn jagen lassen, denn die Melodien werden bei den Tirolern von Anfang an groß geschrieben. Man verbindet auf ganz natürliche Weise Hochgeschwindigkeitspart mit Dissection-Gedächtnisgitarrenmelodien, NWoBHM-Riffs mit hochmelodischen Soli ("Zivot Ipsod Obrnutog Krsta") und Running Wild-Vibes ("Necromantic Force") mit absolut hitverdächtigem Schweden-Stahl ("Triumphant", bei dem allerdings die cleanen Vocalparts leicht schief klingen).
Es versteht sich von selbst, dass die Herren as Metal as it gets aussehen, lustige Pseudonyme tragen (Drummer ist beispielsweise der Herr Altar Crusher und am Gesang begrüßt man Bekim Leatherdemon) und sich spieltechnisch nicht hinter vergleichbaren Combos verstecken müssen. Besonders beeindruckt mich das abwechslungsreiche Songwriting, die wirlich natürlich und transparent klingende Produktion sowie die vielen melodischen Gitarrenleads, die dafür sorgen, dass ich "Herald The Unsung" in den letzten Tagen sehr oft aufgelegt habe.
Ich bin mir sicher, dass dieses Album in den nächsten Wochen im Underground ordentlich für Furore sorgen wird.  Und zwar zu Recht!

Die Scheibe erscheint als limitierte Vinylausgabe, als Tape und etwas später auch als CD.

Label: Heavy Forces Records (Vinylausgabe)
VÖ: 28.02.2014

Samstag, 22. Februar 2014

S.A. Slayer - Go For The Throat / Prepare To Die (Re-Release)

Liebe US Metaller da draußen! Ihr könnt ab sofort euern billigen Reborn Classics - Bootleg entsorgen, denn Skol Records hat die ultimative CD-Version der beiden fantastischen S.A. Slayer-Veröffentlichungen herausgebracht. Die in den Jahren 1983 und 1984 aufgenommenen 15 Tracks sind tatsächlich richtige Genreklassiker. Von den beteiligten Musikern des wohl ultimativen Texas Metal-Lineups Steve Cooper (RIP!), Ronnie Jarzombek, Bob Catlin, Don Van Stavern und Dave McClain hat jeder, und da muss man wahrlich kein Prophet sein, Metalfan da draußen mindestens eine Scheibe im Schrank stehen hat.  Schaut mal unter "R"  (Riot), "W" (WatchTower) oder "M" (Machine Head) nach - sehr ihr?
Ohne Zweifel sind Tracks wie das verschachtelte "The Witch Must Burn", die Mercyful Fate-Verbeugung "Ride Of The Horsemen", das vergleichsweise eingängige "Hell Will Be Thy Name" oder die EP-Klassiker "Prepare To Die" und "Final Holocaust" mit ihren schneidenden Gitarren, dem ultra-hohen Gesang Coopers und dem typischen, heute wohl progressiv zu nennenden Songwriting Blaupausen für eine Stilistik, für den auch mehr als 30 Jahre später noch eine kleine, aber umso fanatischere Fanschar schwärmt.
Oder anders ausgedrückt: Wer Helstar, Deadly Blessing, WatchTower oder Riot verehrt, der sollte sich unbedingt ein Exemplare des auf 500 Stück limitierten und von Bart Gabriel remasterten Re-Releases (inkl. Booklet mit vielen alten Bildern und natürlich allen Lyrics) ins Haus holen.
As good as it gets, this one.

Label: Skol Records
VÖ: 28.02.2014

Montag, 17. Februar 2014

Sun Worship - Elder Giants

Ziemlich überraschend (die letzte VÖ, eine Split-12" mit Unru ist gerade einmal zwei Monate alt) steht das erste Full Length-Album der deutschen Black Metal-Nachwuchshoffnung SUN WORSHIP zum Download und, zunächst ganz elitär, als Kassetten-Version zur Verfügung. Und es ist, ich nehme es vorweg, ein Meisterwerk geworden. Vier Songs, davon knacken zwei die 10 Minuten-Marke sowie zwei etwas kürzere Tracks enthält "Elder Giants" und qualitativ weit entfernt von Stil-Ikonen wie Wolves In The Throne Room ist man mittlerweile nicht mehr. Der brachiale Opener "We Sleep" pendelt zwischen nihilistischer Raserei und hypnotischem, dezent an Postrock erinnernden Rhythmen und es ist der nur ein paar Minuten eingesetzte Keifgesang (bei dem man übrigens, ich habe es probiert, wirklich kein Wort der Lyrics versteht), der hier die Spreu vom Weizen (sprich, die Visions-Klientel, auf der Suche nach dem neuesten Shit, vom Black Metaller) trennt.

Sonntag, 16. Februar 2014

Axxis - Kingdom Of The Night II (black and white edition)

Ich kann mich noch gut an den Tag im Jahr 1989 erinnern, als ich das AXXIS-Debüt „Kingdom Of The Night“ als schicke Picture-Disc erstand, die zwar abscheulich klang, aber die musikalisch genau meinem damaligen Geschmack entsprach. Eingängige Melodien en masse, ausschließlich Mitsing-Refrains, hoher Gesang und keinerlei erschreckende Härte – ja, das waren AXXIS damals. Und dafür stehen lustigerweise AXXIS auch heute noch, 25 Jahre nach der Veröffentlichung des Erstlings. Nach dem Release des zweiten Albums „II“ lernte man durch die Metalpresse, dass man als ernstzunehmender Metaller diese Dortmunder nicht gut zu finden hatte (wenn ich mich recht erinnere, hagelte es damals für „II“ nur so Niedrigswertungen im, hust, Metal Hammer). Man kann aber musikalisch von der grundsympathischen Band halten, was man will – sie zogen immer ihren Stiefel durch und schauten nur mal beim Flop „Voodoo Vibes“ nach links und rechts, was gerade angesagt war. Ihre Liveshows sind unterhaltsame Abende voller Hardrockhymnen und bei ihren Scheiben weiß man schon vorher, was man bekommt. Ja, liebe Hardrocker da draußen – traut euch ruhig, zu AXXIS zu stehen! Es tut nicht weh - und man kann ja nicht immer Tyrant's Reign oder S.A.Slayer hören, oder?

Fates Warning - Awaken The Guardian (Classic Review(s))

"Awaken The Guardian" ist das beste Album aller Zeiten. Punkt. Und zwar nicht das beste Heavy Metal-Album aller Zeiten, sondern das beste Werk, das jemals Musiker eingespielt haben.

Und wie soll man eine musikalische Wundertüte adäquat in Worte fassen, dessen einmalige, bis heute unerreichte Klasse eigentlich gar nicht dafür geschaffen ist, in Worte gefasst zu werden? Bereits zweimal habe ich dies versucht, und im Rahmen der Classic Reviews sollen hier beide (ohne große Korrekturen) noch einmal zu Blog-Ehren kommen.
1997, also vor siebzehn Jahren, klang meine Einschätzung so wie das erste hier per copy & paste eingefügte Review. Der zweite Text stammt aus meinem Top 100-Thread und ist drei Jahre später entstanden.

Review I (1997):

Samstag, 15. Februar 2014

Nocturnal - Storming Evil

Deutsche Bands wie Ketzer oder Desaster, die seit Jahren die deutsche Szene irgendwo zwischen Thrash und Black Metal bereichern, erfreuen sich einer durchaus fanatischen Anhängerschaft. Zu dieser Gruppe nicht unbedingt Musik für Feingeister erschaffenden Spezies gehören seit dem Jahr 2000 auch NOCTURNAL, die mit "Storming Evil" etwas überraschend für mich ein thrashmetallisches Ausrufezeichen setzen und damit die bisherige Stilkonkurrenz in diesem Jahr (und auch die letztjährige, by the way) locker düpiert. Das vorliegende Album ist zwar erst das dritte vollständige Werk, demgegenüber besteht die Discography des Vierers aber aus sagenhaften 14 Singles beziehungsweise Split-7" in nicht einmal elf Jahren - ein wahrlich nicht schlechter Output!
Seit der letzten Single hat man sich nun erschreckend lange drei Jahre Zeit gelassen, um nun die bisher beste Scheibe der Bandhistorie auf die Fans loszulassen. Und die hat es in sich!

Freitag, 14. Februar 2014

B.S.T. - Die Illusion

Ich bekenne: Ich habe Vorurteile. Vorurteile, wenn es um deutsche Texte geht. Woran das liegt, kann ich gar nicht mal erklären -  mit typischem Deutschrock á la Die Ärzte, Die Toten Hosen oder den Böhsen Onkelz hat das aber, so denke ich zumindest, recht wenig zu tun. 
Nun kommt eine norddeutsche Combo daher, verkürzt ihren noch aus der Core-Vergangenheit stammenden Namen BLUT, SCHWEISS, TRÄNEN auf die drei Anfangsbuchstaben - und bringt ein richtig gutes Classic Doom-Album heraus. "Die Illusion" enthält sechs zwischen fünfeinhalb und neuneinhalb Minuten lange Songs, die musikalisch durchaus auf Candlemass-, Solitude Aeturnus- oder, aufgemerkt, Warning-Pfaden wandeln. Der Knackpunkt könnte in der Tat der Gesang sein, denn Sänger Heiko Wenck tönt manches Mal doch recht deutschpunklastig und will zunächst so gar nicht zu den hymnenhaften, todtraurigen Doomsongs passen.

Shadowdance - Future Negative Fantasy

Der Name "Schattentanz" klingt, und ich will da niemandem zu nahe treten, wie eine Mittelalter"Metal"-Combo aus Leipzig oder Erfurt. Ihr wisst schon - lustige Verkleidungen, einfallsreiche Pseudonyme, Metgesaufe und Napalm Records. Aber da SHADOWDANCE aus Philadelphia stammen, klingt erstens der Bandname auf einmal total nach Heavy Metal und zweitens hat die Musik mit oben Erwähntem rein gar nichts zu tun. Beworben wird das vorliegende Zweitwerk (das Debüt erschien bereits 2000) als "Dark Power Metal", wobei ich das Dunkle hier beim besten Willen nicht finden kann. Vielmehr sind die zehn Eigenkompositionen (plus "Children Of The Sea"-Coverversion) gelungener, melancholisch angehauchter Power Metal, der an aktuelle Iced Earth, dunklere (ha!) Gamma Ray oder Nevermore erinnern.

Donnerstag, 6. Februar 2014

Slough Feg - Digital Resistance

(The Lord Weird) SLOUGH FEG sind eine der besten und beständigsten Metalbands der Welt. Glaubt ihr nicht? Dann mal aufgemerkt - die Fakten: Acht Alben hintereinander ("Digital Resistance" ist gar das neunte) hat man seit 1996 veröffentlicht, davon ist nicht eines durchschnittlich oder gar ein Ausfall. Stattdessen hat man über all die Jahre unzählige Klassikersongs geschrieben, die locker das Niveau derer, die immer genannt werden, wenn es um "Kauzmetal" geht, erreichen, wenn nicht gar häufig übertreffen. Dabei sind SLOUGH FEG niemals todernst vorgegangen, viele Songtitel sprühen nur so vor Humor und man hatte auch niemals Angst, stilistische Experimente einzugehen, ohne den bandeigenen roten Faden zu verlieren. Denn: Erkannt hat man SLOUGH FEG immer nach wenigen Sekunden, was am einzigartigen Gesang von Mike Scalzi und an seiner nicht minder fantastischen Art, vor Ideenreichtum nur so sprühendes Songmaterial aufzunehmen, liegt.

Cobra - To Hell

Peru hat sich bisher noch nicht unbedingt als Land hervorgetan, welches traditionelle Metalband am Fließband bietet. Mit COBRA, deren 2011er-Debüt "Lethal Strike" ich leider nicht kenne, gibt es nun allerdings ein dickes Ausrufezeichen, welches das südamerikanische Land auf einen Schlag ins Licht aller Traditionsbanger rücken sollte. Dabei startet "To Hell" erst einmal relativ gemächlich, denn der über achtminütige Opener "Beyond The Curse" wird eingeleitet durch ein etwas zu langes Intro und hättte auch ansonsten gerne um ein, zwei Minuten gekürzt werden können. Danach allerdings folgen sieben Superhits, die genau das bieten, was man als Metaller, der noch immer die gleichen, abgenudelten Vinylscheiben aus den 80ern hören mag, erwartet. "Fallen Soldier" ist ein flotter Banger, ausgestattet mit famosen Screams, einem simplen Widerhakenchorus, Double-Bass, hochmelodischen Gitarrensoli und, Achtung, liebe Jungmetaller, einer herrlich unperfekten, aber wunderbar natürlich klingenden Produktion. Und Gitarren! Jeder Menge Gitarren!!