Donnerstag, 30. Januar 2014

Attacker - Giants Of Canaan

Die US Metaller ATTACKER, und da sind wir uns wohl alle einig, haben mit "Battle At Helm's Deep" und "The Second Coming" zwei Semi-Klassiker des Genres veröffentlicht, die man als Fan stählerner Traditionsklänge einfach kennen muss. Lange war dann Ruhe im Karton, bevor man mit den beiden Alben "Soul Taker" (2004) und "The Unknown" (2006) zwei nur mittelerfolgreiche Comebackversuche gestartet wurden. Nun, weitere sieben Jahre später, ist man mit "Giants Of Canaan" und einem neuen Sänger back in business - und es wundert mich ein kleines bisschen, dass dieses Album, welches bereits im letzten Jahr erschien, doch erstaunlich wenig Resonanz hervorgerufen hat. Der neue Mann am Mikro ist ein altbekannter, Bobby "Leather Lungs" Lucas, den wir unter anderem von Exhibition (sensationelle EP), der Legende Overlorde sowie Seven Witches (naja...) kennen. Jener Lucas ist nicht nur der beste Sänger, den das Quintett jemals hatte, er ist auch dafür verantwortlich, dass "Giants Of Canaan" ein famoses Power Metal-Album in allerbester Judas Priest-/Cage-Tradition geworden ist. Ihr wisst schon: screaming vocals ohne Ende, schneidende Gitarren, eine ordentliche Grundgeschwindigkeit, simple Mitgröhlrefrains mit Fistraising-Garantie und einfach jede Menge POWER. Granaten wie "Trapped In Black", "The Hammer" oder das Galoppelhighlight "Curse The Light" kann man jetzt hoffnungslos altbacken und "so furchtbar 1990" finden - oder man genießt "Giants Of Canaan" einfach als das, was es ist: Ein richtig gutes, traditionelles Metalalbum mit Melodien, Power und Eiern!

Label: Metal On Metal Records
VÖ: bereits erschienen

Tritonus - Prison Of Light

Das, was da in den ersten Sekunden des Openers tatsächlich ein wenig wie die Spätinkarnation von Death klingt, sind die norwegischen Progressive Metaller TRITONUS, die 1994, vor Urzeiten also, ein ziemlich tolles Demotape namens "Shadowland" veröffentlicht haben. Nun, lockere 20 Jahre (genauer gesagt: 19, denn "Prison Of Light" erschien bereits Ende 2013) danach, hat man es tatsächlich geschafft und eine vollständige Scheibe veröffentlicht, die stilistisch so herrlich nach "typischem 90er-Progressive Metal" tönt, wie man ihn heutzutage kaum noch findet. Die acht Songs auf "Prison Of Light" wurden wohl schon 2007 eingespielt, aber zumindest laut Musikeraussagen nie als "offizielles Demo" veröffentlicht, weshalb es sich also hier um eine echte Premiere handelt. Irgendwo zwischen Ark, Conception, Circus Maximus und, wen wundert es, Dream Theater pendeln die acht Kompositionen, von denen keine qualitativ abfällt, die aber allesamt aufhorchen lassen und dank ihrer wunderbaren Regressivität von allen 90er-Progressivos zumindest mal angestet werden sollten. Man wuppt punktgenau gesetzte Melodiebögen in die Wohnstuben, zeigt immer mal wieder in längeren, breakdurchsetzten Instrumentalstrecken, dass man spielen kann, hat ein Händchen für präzises Powerriffing und schöne Refrains und mit Rolf Kristensen einen Sänger in den Reihen, der selbige auch wohlklingend rüberbringen kann. Auch die Produktion genügt hohen Ansprüchen, weshalb auch die Kopfhörerfraktion diese Platte zufrieden abnicken wird.
TRITONUS, und das ist unbedingt noch wichtig zu erwähnen, verlieren nie den eigentlichen Song aus den Augen, weshalb der erste Hördurchgang kaum Fragezeigen in den Gesichtern der Zielklientel hinterlassen wird. Denn: It's the melody that matters. Zumindest war das tatsächlich mal so. (MK)



Label: Tritech Music
VÖ: bereits erschienen
 

Dienstag, 28. Januar 2014

Metal Inquisitor - Ultima Ratio Regis


Man kann es drehen und wenden wie man will – METAL INQUISITOR zählen seit ihrem Debüt „The Apparition“ zu den besten deutschen Metalbands der 2000er-Jahre. Und, soviel sei verraten, daran ändert auch das vierte Album „Ultima Ratio Regis“ rein gar nichts, denn die Band hat ihren hoffnungslos regressiven Stil nur in Nuancen verfeinert – am Grundrezept ändert man freilich nichts. „Confession Saves Blood“ heißt der Opener und jener benötigt nur wenige Sekunden, um all jene zu beruhigen, die Angst vor Veränderungen haben. Straight, flott und melodiös, vorangetrieben von energetischen Riffs und dem klassischen Gesang von El Rojo, der mittlerweile zu einer der tragenden Säulen des MI-Sounds geworden ist, ist der erste Song direkt der gelungene Auftakt zu einer Scheibe, die erneut ohne wirkliche Schwachpunkte auskommt.

Mittwoch, 22. Januar 2014

Transatlantic - Kaleidoscope

Hier haben wir mal wieder so einen Fall, der Wörterbuch-Nazis überall auf der Welt dazu anregen wird, über den Wortsinn von „progressiv“ zu fabulieren. Denn mal ehrlich: in eben diesem Sinne findet sich auf „Kaleidoscope“, dem vierten Studiowerk des Allstar-Projekts um Neal Morse, Pete Trewavas, Roine Stolt und Mike Portnoy herzlich wenig, was in Sachen Innovation etwa über einen der vielen Running Wild-Wiederkäuer der neunziger Jahre hinausgehen würde. Vor Jahren hätte es sicher noch Sinn gemacht, exakt auseinander zu klabüstern, an welcher Stelle hier oder dort eher Pink Floyd, Yes oder doch den Beatles gehuldigt wird – hier und heute hat sich da längst ein Transatlantic-ureigener Sound herauskristallisiert, und dieser Stiefel wird auch diesmal bis zum bitteren Ende durchgezogen. Dem reichlich hinkenden Vergleich nach ist „Kaleidoscope“ insofern eher ein „The Rivalry“ als ein „Death Or Glory“, will sagen: wenn man als Hörer diesem Sound nicht – wie der Verfasser dieser Zeilen es ist - unbedingt hundertprozentig verfallen ist, könnte der Moment gekommen sein, an dem das Verfallsdatum unaufhaltsam näherrückt. Zumal die ganz großen Melodien (remember das spontane Vor-Glück-sterben-wollen beim Erstkontakt mit Jahrhundertepen wie „My New World“?) ähnlich wie schon auf dem Vorgänger „The Whirlwind“ klar spärlicher gesät sind als noch zu Zeiten der ersten beiden Wunderwerke.

Sonntag, 19. Januar 2014

Däng - Tartarus: The Darkest Realm

Ja, es stimmt. DÄNG dürfte in der Kategorie "dämlichster Bandname" der Titel in diesem Jahr kaum mehr zu nehmen sein. Was die Amerikaner bewogen hat, sich einen solchen Namen zuzulegen, kann wohl nur ein Interview klären. Musikalisch möchte das Quartett mit ihrem  meist schleppenden, tradionellen Metal gerne, und da da bin ich mir sicher, in der Kauzmetal-Ecke Fuß fassen. Dazu fehlt dem Songmaterial aber noch ein wenig die Reife und auch das Ungewöhnliche. Man bemüht sich zwar hörbar um Atmosphäre und auch das textliche Konzept (griechische Mythologie bzw. dessen Unterwelt) hat durchaus Potential, doch gewünscht hätte ich mir lieber ein wenig mehr Abwechslung. Wenn direkt im Opener "Sisyphus" der Refrain aus x Wiederholungen ebenjenes Titels besteht, fragt man sich schon, ob das Absicht war oder ob einem schlichtweg nicht mehr einfiel. Auch scheinen einige Songs  künstlich in die Länge gezogen zu sein, genau deshalb bekommt man aber auch manches Riff nicht mehr so schnell aus der Birne.
Manches Mal erinnert man ein klein wenig an die Phantome von Tales Of Medusa und auch die langsamen, doomigeren Passagen von Slough Feg könnten Pate für die Songs gestanden haben, der Gesang gemahnt ein klitzkelines bisschen an Glen Danzig - von der Klasse erwähnter Musiker (naja, bis auf Danzig vielleicht) ist man jedoch noch ein ganzes Stück entfernt.
Kauzmetaller mit Faible für wirklich alles könnten aber auch hier gerne mal reinhören. (MK)



Label: No Remorse Records
VÖ: 24.01.2014

Sonntag, 12. Januar 2014

Leviathan - Beholden To Nothing, Braver Since Then


Es ist schon erstaulich, wie viele fantastische Progressive Metal-Alben in den „bösen“ 90er, als angeblich der Metal am Boden lag, erschienen sind. Mercury Rising, Eternity X, In The Name, Mara, Symphony X, The Quiet Room, Reading Zero, Foreseen oder Opposite Earth – und man dürfte sich noch an einige Dutzend mehr erinnern, wenn man ein anderes Veröffentlichungsjahr als 1997 zur Hand nimmt. Unbedingt in diese Auflistung gehören auch LEVIATHAN, die nicht nur in erwähntem Jahr das wundervolle, musikalisch wie textlich beeindruckende „Scoring The Chapters“ herausbrachten, sondern im gleichen Jahrzehnt bereits mit ihrer famosen EP (1991) sowie dem Prog-Power-Meisterwerk „Deepest Secrets Beneath“ (1994) beeindruckten.
Jahrelang war es anschließend still um die Männer um Gitarrist John Lutzow und Sänger Jeff Ward (waren also doch die 90er schuld?), bevor man 2011 überraschend mit „At Long Last, Progress Stopped To Follow“ back on track war. Zwar konnte die Colorado-Metaller hier niemals an die Klasse der Vorgängerscheiben anknüpfen, es war aber ein gutes Signal, dass man zurück und der Spaß an der Band wiedergefunden war.

Freitag, 10. Januar 2014

Iced Earth - Plagues Of Babylon

Doch, Iced Earth machen so einiges richtig auf ihrem neuen Album „Plagues Of Babylon“, dem zweiten mit Frontmann Stu Block. Das wichtigste zu Beginn: „Plagues...“ ist die erste Scheibe seit seligen „The Dark Saga“-Zeiten, die so klingt, als hätte sie eine richtige Band geschrieben und eingespielt anstatt nur Jon Schaffer, ein Sänger und ein paar hired hands im Hintergrund. Es passiert musikalisch einfach wieder mehr, was sich wohl schon leise auf dem Vorgänger „Dystopia“ angedeutet hatte, dort allerdings durch die Bank von Allerwelts-Songwriting torpediert worden ist.