Sonntag, 1. Dezember 2013

Blitzkrieg - Back From Hell

Schade: der ganz große Wurf, den ich mir nach dem famosen Satan-Comebackalbum „Life Sentence“ schon insgeheim erhofft hatte, ist Blitzkriegs erstes Werk seit 2007 leider nicht geworden. Dabei waren doch alle Voraussetzungen gegeben: Brian Ross ist nach wie vor bestens bei Stimme, wie schon der exzellente Opener und Titeltrack, der auch textlich nahtlos die olle Jack the Ripper-Thematik ihres Klassikers „Unholy Trinity“ fortführt, mit Gänsehaut erzeugenden, halfordesken Screams im Chorus klarmacht. Mit dem langjährigen Gitarristen Ken Johnson hat Brian auch jemanden an Bord, der als Songwriter zwingenderen, memorableren Stoff anschleppt als noch auf dem schwächelnden Vorgänger „Theatre Of The Damned“ vertreten war. (Der Rest der Besetzung wurde mal wieder vollständig ersetzt, u.a. ist mittlerweile Brians Sohn Alan an der zweiten Sechssaitenposition mit dabei.) Die Produktion ist vielleicht nicht perfekt, knallt aber immerhin recht authentisch. Und das liebenswerte, dilettantische Cover ist eh Blitzkrieg pur. Welcome back, Great Bird of Armageddon!

Was fehlt dem Album denn dann, um zu den wirklichen Klassikern der „A Time Of Changes“- oder „Unholy Trinity“-Liga aufzuschließen? Über weite Strecken leider etwas Tempo, Dynamik und Drive. Nach dem tollen Titeltrack und der für meinen Begriff eher überflüssigen Neueinspielung der Debütsingle „Buried Alive“ - hat die wirklich ein Blitzkrieg-Fan noch nicht in irgendeiner Form auf Tonträger gehabt? - bremst erst mal das sperrige „Complicated Issue“, der einzige Solobeitrag von Neu-Basser Bill Baxter mit gesanglicher Unterstützung seiner Gattin Emma, die Scheibe völlig aus. Und daran ändert sich erst mal längere Zeit nix: wenn auch jedes der folgenden vier Lieder für sich gesehen absolut gelungen ist (das schleppende „Sahara“, textlich durch den Film „Stargate“ inspiriert, ist mit vage orientalischen Melodien sogar ein echtes Highlight), so fehlt ihnen doch die Blitzkrieg-typische Leichtigkeit, zudem wird etwa durch längere Intros („V“, über „Guy Fawkes Night“) oder völlig überflüssige Instrumentals („4U“) immer wieder erfolgreich die Entwicklung von so etwas wie einem Albumfluss verhindert.

Der bildet sich nämlich erst wieder mit dem abermaligen Tribut an Judas Priest: nach dem bandeigenen „Metalizer“ sowie dem überragenden „Hell Bent For Leather“-Cover auf früheren Alben beweisen uns die Briten heuer, dass man einen gelungenen Songtext auch einfach mal durch das Aneinanderreihen von Priest-Songtiteln bewerkstelligen kann! Aber auch die dazugehörige Musik macht „Call For The Priest“ zu einem echten Killer mit der Art Power, wie ich sie mir während des bisherigen Albumverlaufs schon längere Zeit gewünscht hätte. Astrein, und das bleibt auch für die verbliebene Spielzeit so: das tonnenschwere, als einziger Song vom Ross-Filius mitgeschriebene „Sleepy Hollow“ hätte auch prima auf das bisherige Härte-Extrembeispiel „Absolute Power“ gepasst, das mit einigen Jahrzehnten Verspätung über den Atlantik zurück winkende Metallica-Cover „S&D“ - keine Bonuspunkte für das korrekte Erraten, welche Nummer hier verwurstet wurde! - bringt auch der taubsten Nuss die Verbindung zwischen der NWOBHM und der „Kill 'Em All“ vor Ohren, und das flotte „We Have Assumed Control“ ist zum versöhnlichen Abschluss gar der stärkste Song des neuen Rundlings - der dann im Blitzkrieg-Kontext immerhin noch irgendwo im Mittelfeld landet. Also etwa weit über dem Vorgänger oder der „Mists of Avalon“ angesiedelt, die eigenen Meilensteine aus den 80ern und 90ern aber bleiben unangetastet. (EZ)

Label: Metal Nation Ltd.
Veröffentlichung: 22.11.2013

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