Samstag, 30. November 2013

Tad Morose - Revenant

Ist das klasse: zum Ende des Jahres hin rafft sich endlich auch die 2013 bisher eher spärlich in meiner Playlist vertretene Echtmetall-Prominenz auf! Nur kurz nach der famosen neuen Metal Church darf nun auch eine Kapelle gefeiert werden, die ich nach langer Abwesenheit schon gar nicht mehr wirklich auf der Rechnung hatte: Tad Morose aus dem schwedischen Bollnäs hatten vor unglaublichen zwanzig Jahren mit ihrem Debüt „Leaving The Past Behind“ die Szene betreten und sich im folgenden Jahrzehnt konstant den Ruf erspielt, neben ihren Stadtgenossen von Morgana Lefay eine der ganz wenigen europäischen Power Metal-Bands zu sein, die das „Power“ im Namen auch verdienen. Denn nach der ansatzweise Prog-beeinflußten Frühphase mit Originalsänger Kristian Andrén (später auch bei Memento Mori) und dem beherzten Wegrationalisieren der vollamtlichen Keyboard-Position wurde spätestens mit dem vierten Fulltime-Werk „Undead“ ein klarer Schwenk in Richtung klassischer US-Sounds vollzogen, der die Band in die Nachbarschaft von Acts wie Savatage oder Metal Church rückte.

Für den Erfolg dieses Ansinnens war seinerzeit nicht wenig Screamgott Urban Breed verantwortlich, dessen Abgang nach der 2003er Machtdemonstration „Modus Vivendi“ dann auch den zwischenzeitlichen Abschied der Band einleitete. Zwar hatte man als Ersatz ex-Liege Lord/Annihilator-Röhre Joe Comeau an Bord, mit dem es aber offenbar auf längere Zeit nicht geklappt hat und mit dem man leider nie eine Veröffentlichung erreichte. Heute hat ein gewisser Ronny Hemlin (ex-Steel Attack) Breeds Platz eingenommen und knüpft da erstaunlich mühelos an die Vorgaben der letzten Alben an. Gerade ein Song wie das etwas thrashigere „Spirit World“ bietet ihm etwa bestens Gelegenheit, wie weiland Urban die spitzen Screams nach Jon Oliva-Manier auszupacken. Kann er, keine Frage: Daumen hoch für die Vokalbesetzung! (Außerdem haben sich mittlerweile Tommi Karppanen (b., ex-Morgana Lefay) und Kenneth Jonsson (g.) dem einzig verbliebenen Originalmitglied Christer „Krunt“ Andersson sowie dem letzten von früher bekannten Mohikaner, Peter Morén an den Drums, angeschlossen.)

Personelle Rotation von dem Ausmaß, dass auch ein Pep Guardiola stolz wäre, macht es klar: „Modus Vivendi“ hundertprozentig imitieren können (wollen?) die neuen Tad Morose mit „Revenant“ nicht unbedingt. Man hört den im wesentlichen im Midtempo gehaltenen Riffwalzen nicht nur die straightere Classic Metal-Ausrichtung des Vorgängers an, sondern bis zu einem gewissen Grade – die Keyboards spielen halt doch wieder nur eine unterstützende Rolle – auch den filigranen Nordmänner-Stahl der frühen Jahre. Eine explosive Mischung, der es höchstens zuweilen etwas an der gebotenen Abwechslung mangelt. Da wäre weniger vielleicht mehr gewesen, denn einen Song wie den von einem dieser unsäglichen Iron-Maiden-Ein-Zeilen-Chorusse geplagten „Millennium Lie“ hätte zumindest ich bei Abwesenheit nicht sonderlich vermisst. Das bleibt aber glücklicherweise ein einmaliger Ausfall, so dass Freunde gleichermaßen anspruchs- wie auch kraftvoller Metalmucke ohne Klischees die Bollnäser freudig zurück begrüßen dürfen. Killersongs wie der kraftvolle Opener „Beneath A Veil Of Crying Souls“, das von hochgradig melodischer Leadarbeit veredelte „Follow“ oder das sich gewaltig heavy daherschleppende „Ares“ hätten jedenfalls nicht weniger verdient, „Absence Of Light“ wage ich gar einen kleinen künftigen Klassiker zu nennen.

Ach ja: der titelgebende „Wiedergänger“ auf dem Cover mag wohl die Situation der Band als Rückkehrer nach langer Zeit ganz treffend symbolisieren. Aber mal ehrlich: so was gehört doch eher auf ein moderndes Death Metal-Demo, oder? (EZ)

Label: Despotz Records
VÖ: 22.11.2013

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