Montag, 11. November 2013

Realmbuilder - Blue Flame Cavalry


Der Reiz, den oftmals als kauzig verschrieene Combos wie Slough Feg, Brocas Helm oder auch Tales Of Medusa für wenige Unverbesserliche ausstrahlen, ist schwer zu erklären. Ist es die Tatsache, dass man stolz ist, zu den wenigen „Auserwählten“ zu gehören, die die Bands überhaupt kennen? Ist es der bandseitige völlige Verzicht auf Genrekonventionen und die reine Lust am Drauflosmusizieren der Musiker, welches ihnen so ergebene Verehrer beschert? Oder ist es doch ein klein wenig das „Elitedenken“, welches Außenstehende dem KIT-Publikum gerne andichten möchten und bei dem ich mich bisher immer fragte, woher dieser Gedanke kommt? Ihr habt eure Powerwolf und Wacken, lasst uns unsere Manilla Road und unsere Turnhalle? Keine Angst, das wird keine weitere „Elite vs. Mainstream“-Diskussion hier, das ist der Versuch einer Einleitung zum dritten REALMBUILDER-Album, welches etwas überraschend noch im Dezember diesen Jahres veröffentlicht wird und welches, das direkt vorab, ein Hammer geworden ist.

War das 2011er-Zweitwerk „Fortifications Of The Pale Architect“ schon (nicht nur in punkto Artwork) eine ziemliche Steigerung zum, nun ja, putzig-naiven Debüt „Summon The Stone Throwers“, ist der kreative Knoten der beiden New Yorker nun scheinbar endgültig geplatzt. Vier neue, allesamt großartige Kompositionen hat man auf „Blue Flame Cavalry“ gepackt, die gemeinsam zwar nicht länger als 33 Minuten sind, von denen aber keine einzige schwach auf der Brust ist. Der knackig-kurze Opener „They Write Their Names With Fire“ ist noch der „bandtypischste“ Song des Albums und hätte auch auf dem Vorgänger stehen können. Die Produktion, und das wird bereits hier klar, ist die mit Abstand beste aller drei Platten. Jedes Instrument klingt, wie es klingen soll und man meint mehr als einmal, dass das Schlagzeug direkt hinter einem steht. Auch die Riffs tönen so durchschlagend, wie man es gerne hat.

Dann kommt Song zwei und man starrt knapp dreizehn Minuten mit offenem Mund gen Anlage. „Advance Of The War Giants“ ist nicht nur die beste Komposition, die das Duo bisher verbrochen hat, nein, es ist einer der besten Epic Metal-Tracks der letzten Zeit. Stünden in diesem Jahr nicht Atlantean Kodex und Solstice auf der Veröffentlichungsliste, so gebührte diesem Song der Epic-Kranz am Band für besondere Leistungen. Etliche Melodien dieses Supersongs bekommt man gar nicht mehr aus dem Schädel, die geschickt eingesetzten Chöre passen perfekt und die ganze Atmosphäre ist wirklich epochal-feierlich und zum Schneiden dicht. Eigentlich schon alleine ein Kaufgrund für das neue Album.

Es folgt mit „Adrift Upon The Nightocean“ eine perfekte gesetzt Verschnaufpause. Dieser mit einem poetischen Text versehene Akustiksong ist zwar vielleicht ein, zwei Minuten zu lang geraten, aber ist ingesamt eine wundervolle Verbeugung vor den großen Prog-Epen der 70er, mit denen sich REALMBUILDER ohne Zweifel identifizieren. Bemerkenswert auch das wundervolle Abschlusssolo – das sind echte Gefühle, die da transportiert werden.

Dann kommt der zweite Mammuttrack des Albums und abermals zuckt man vor Begeisterung. Hört etwas weiter unten direkt hinein in den zehnminütigen Titeltrack und lasst euch nicht von den Plastiktröten ins Bockshorn (hihi) jagen – auch „Blue Flame Cavalry“ steckt voller fieser Widerhaken, die man nach ein paar Durchgängen wohl nur mit „Warriors Of The World“-Spülungen wieder los wird. Aber wer will das schon?

REALMBUILDER ist also mit ihrem dritten Streich tatsächlich das dicke Ding gelungen, welches man nach dem zweiten Album zwar irgendwie erhofft, aber dann doch nicht erwartet hat. Ganz große und ein kleines bisschen elitäre Metalkunst. (MK)


 
Label: I Hate Records

Veröffentlichung: 06.12.2013


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