Dienstag, 5. November 2013

Metal Church - Generation Nothing

Die Diskrepanz zwischen dem lautstarken „Hurra!“ seitens der Metalszene einerseits, als die Metal Church-Reunion bekanntgegeben wurde, und dem kollektiven Abwinken andererseits, als es klar wurde, dass diese Reunion abermals im zuletzt aktiven, von Ronny Munroe gefronteten Line-up stattfinden würde, machte es klipp und klar: sonderlich viel Vertrauen hatte sich die Seattler Institution des Power Metal in letzter Zeit nicht gerade erspielt. Live mag diese Formation wohl überzeugt haben, auf Platte hingegen fehlten eingefleischten Jüngern der Metallkirche dann aber doch zu viele der etablierten Trademarks, die man in der Ägide von David Wayne (R.I.P.!) und Mike Howe auf die Welt losgelassen hatte. Da durfte man zweifelsohne skeptisch sein, zumal das Cover in alter Church-Tradition beinahe schon im Alleingang vom Kauf abschreckte. Was zur Hölle denkt man sich im Hause Vanderhoof eigentlich bei derartiger Minimaloptik? (Lyrics fehlen übrigens auch komplett...) Da hätte sogar noch eher das ganz ansehnliche Bandpic für eine würdigere Verpackung in „Blessing In Disguise“-Tradition herhalten können!

Aber hey, so ist immerhin „Hanging In The Balance“ nicht mehr die lächerlichste Umhüllung, die uns die Band jemals zumutete, und nach der Verpackung soll man ja eh kein Buch beurteilen, gell? Das wenden wir einfach mal analog auf „CD“ an und finden so erfreut das stärkste Material, das uns Metal Church seit Mike Howes Abschied präsentiert haben. Die Band klingt 2013 einfach so, als ob sie es noch einmal wissen will! Sollte Kurdt Vanderhoof sich die teils derbe Kritik auf die letzten drei Alben – von denen ich immerhin „The Weight Of The World“ auch heute noch für ein feines, ohrwurmiges Stück Metal halte, wenn auch nicht für klassische Metal Church – zu Herzen genommen haben? Jedenfalls ist der Sound fetter, die Riffs schneidender, Munroe schreit zuweilen aggressiver denn je - als wolle er das fehlende Bindeglied zwischen Wayne und Howe darstellen! Das dementsprechend programmatisch betitelte „Scream“ etwa grenzt schon beinahe an Thrash, der Titeltrack ist eine für die frühen Jahre der Band typische Hymne, während „Dead City“ mit Maiden-artiger Melodik schon an jüngere Zeiten anknüpft, das allerdings deutlich überzeugender auf die Bühne bringt. Mit „Noises In The Wall“ gibt es auch ein überlanges Epos, das aber kein „Little Boy“ o.ä. vom Thron stoßen wird. Überhaupt fehlt hie und da vielleicht noch etwas der letzte Schliff: so leidet das sich sonst prinzipiell völlig in Ordnung befindende „Jump The Gun“ etwas unter einem rechten Allerwelts-Chorus, und das abschließende „The Media Horse“ darunter, dass Mr. Munroe in den ruhigen Momenten dann doch nicht ganz die Klasse eines Mike Howe erreicht.

That said – besser als hier waren Metal Church lange Zeit nicht mehr. Wer Lust auf ein imaginäres „missing link“ zwischen „The Human Factor“ und „Hanging In The Balance“ hat, sollte keine Zeit verlieren und sich „Generation Nothing“ ins Regal stellen. Es bildet jedenfalls für meinen Begriff mit den aktuellen Releases von Satan und Sacred Steel so etwas wie das diesjährige Triumvirat des Traditionsmetalls... (EZ)


Label: Body Of Work/Rat Pak Records
Veröffentlichung: 22.10.2013

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen