Donnerstag, 17. Oktober 2013

Solstice - Death's Crown Is Victory (EP)

New. Dark. Age. Alleine die Nennung dieser drei Worte sollte jedem Doom-Fan das Wasser in beliebige Körperöffnungen laufen lassen, war, ist und wird doch das 1998er-Album der Briten auf ewig ein Klassiker des Genres sein. Danach war in punkto Veröffentlichungen leider die Luft raus, außer zwei Coverversionen auf Split-Singles und einer (famosen) Compilation ("Only The Strong") gab es nichts mehr. Neun Musiker gaben sich alleine in diesem Jahrtausend die Klinke in die Hand, bevor sich 2011 das Line-Up endlich stabilisieren sollte. Paul Kearns heißt nun der Mann, der das schwere Erbe von Morris Ingram antreten muss (zwischendurch waren noch zwei andere Sänger am SOLSTICE-Mikro...)  - und, soviel sei vorab verraten, man muss sich erst einmal an die neue Stimme gewöhnen. 
Aber der Reihe nach.

Es lässt sich darüber streiten, ob vier neue Songs (von denen auch noch zwei dreiminüter als Intro bzw. Outro fungieren) nach 15 Jahren nicht vielleicht doch etwas wenig an Output ist, aber ich denke, wir sollten alle froh sein, dass Mr Walker und seine Bande überhaupt wieder mit etwas Neuem in unseren heimischen Playern stattfindet. Und es war ja von vornherein klar, dass erst einmal eine EP kommen wird.


Selbige startet mit "Fortress England", das stilecht mit Regen- und Windgeräuschen beginnt. Dann ein Rabenschrei und im Hintergrund setzt die Band ein. Eine schöne Gitarrenmelodie erklingt und man ist sofort wieder gefangen im SOLSTICE-Universum. Nach knappen zwei Minuten ist man zum ersten Mal überrascht von dem brachialen Gitarrensound. Das kann ja heiter werden, denkt man. Und es wird heiter. Der Neunminüter "I Am The Hunter" wurde ja bereits vorab auf youtube "geteasert"  (zu hören unten...). Auch hier wird man vom Gitarrensound in den Sessel gedrückt. Wenn der Song nach einer knappen Minute Fahrt aufnimmt, ist das so typisch SOLSTICE, wie es nur geht. Leider ist gesangstechnisch in den Strophen nicht alles perfekt, was aber auch an der etwas einfallslosen Gesangslinie liegen kann. Musikalisch ist "I Am The Hunter" aber Doom Metal der Extraklasse, wie man ihn besser kaum spielen kann. Perfekte zweistimmige Leads (inklusive Maiden-Gedächtnispart nach etwas vier Minuten), Riffs, die deine Faust automatisch in die Luft recken lassen und jede Menge Atmosphäre, wie man sie (fast) nur in diesem Genre findet. 

Es wird aber noch besser: Der mit Abstand beste Song ist der Titeltrack - und der tönt erst einmal überraschenderweise ziemlich nach DoomSword. Nach 50 Sekunden setzt der Gesang ein und auf einmal passt auch da alles. Und man ist wieder SOLSTICE. "Death's Crown Is Victory" ist nicht nur der vielleicht beste Doomsong des Jahres, sondern wäre auch auf "New Dark Age" ganz vorne mit dabei. Neun Minuten kann man nicht anders als gefesselt da sitzen und wenn Kearns zum ersten Mal "Never Surrender, For We Never Yield!" singt möchte man sich vor Begeisterung in den Reihen SOLSTICEs einfinden, damit never surrendered und vor allen Dingen auch nicht geyielded wird. Und dann erst das Solo ab 6:15 - so herrlich kann Metal sein!
Zum Abschluss wird es wieder instrumental, etwas getragener aber auch super-heavy. "Aequinoctium II" ist ähnlich wie "Fortress England" ein atmosphärisches Stück, das als (auch wieder über dreiminütiges), hochmelodisches Outro fungiert. Auch hier ist man mehr Doom als manch andere dort fälschlich verortete englische Combo jemals sein wird.

Fazit: 26 Minuten neue Musik, davon zwei die Grenze von neun Minuten überschreitende Songs mit sensationellem Gitarrensound. "I Am The Hunter" ist ein gutes Stück und "Death's Crown Is Victory" ein Wahnsinnsteil, für den alleine sich schon der Kauf der gleichnamigen EP lohnt. SOLSTICE are back - und hoffentlich dauert es bis zur nächsten EP nicht ganz so lange... (MK)

Label: Eigenproduktion
Veröffentlichung: 22.10.2013

Update (18.10.2013): Zu haben ist das Teil jetzt hier:
https://solstice-englander.bandcamp.com/album/deaths-crown-is-victory


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