Freitag, 18. Oktober 2013

Robin Beck - Underneath

„First Time“ - the only time? Die Anzahl der Artikel über US-Plüschrock-Chanteuse Robin Beck aus dem letzten Vierteljahrhundert, in denen nicht auf ihren vermeintlichen One-Hit-Wonder-Status in den Achtzigern angespielt wird, dürften traurigerweise nur zu vernachlässigende Zahlen erreichen. Ja, bei Frau Beck handelt es sich um die Dame, die uns anno 1988 mal ein koffeinhaltiges Erfrischungsgetränk näherbringen wollte und die infolge dessen zur Belohnung ihr zweites Album („Trouble Or Nothing“) u.a. vom damals stets vielbeschäftigten Desmond Child auf den Leib geschneidert bekam – eine AOR-Hymnenparade vor dem Herrn, die eigentlich jeder Freund von Childs damaligen Arbeiten von Alice Cooper bis Bon Jovi im Schrank stehen haben sollte. Letzteres ist aber leider einfach nicht der Fall, und nach ein paar weiteren Versuchen, die zuweilen schon ärgerlich glatt polierte Fahrstuhlmusik (Elevator Oriented Rock?) beinhalteten, war trotz einer weiteren prinzipiell sehr eingängigen, aber aufgrund der kategorischen Unsexiness von Fastfood-Produkten kommerziell anscheinend nicht ähnlich verwertbaren Werbekampagne der Superstarzug dann halt irgendwann abgefahren.


Eine Art Comeback feierte Robin zumindest in eingeweihten Kreisen spätestens mit dem 2007er Hitpaket „Livin' On A Dream“ mit Unterstützung einiger Mucker aus dem Umfeld von House Of Lords, der Band ihres Ehemanns James Christian. Die sind in ausführender Funktion auch heuer noch mit auf der Bühne, aber im Gegensatz zu den letzten zweieinhalb Alben (wenn man die Bonustracks der zum zwanzigjährigen Jubiläum neu eingespielten Version von „Trouble...“ mitzählt) lediglich bei zwei Songs auch als Songwriter. Der Rest der Scheibe folgt statt dessen der Machart ihres erfolgreichsten Rundlings, indem er auf allerlei Input von außen setzt. Eine Idee, die mich zunächst beunruhigt schlucken ließ, lesen sich die bisherigen Arbeitsstellen einiger der beteiligen Songwriter für den durchschnittlichen Rockfan doch eher nach Gruselkabinett: von Eurosong-Contest-Veteranen bis hin zu Miley Cyrus-Musen ist da alles dabei. Aber mal abgesehen von zwei eher misslungenen Anbiederungen an kontemporäres Pop/Rock-Radio in der Plattenmitte („Catfight“ und „Check Your Attitude“ stecken wir dann halt in den Skat) wussten offenbar alle Beteiligten ganz genau, worum es hier ging – nämlich um guten, alten Ami-AOR, wie er in den seligen Achtzigern Usus war: Supereingängige Chorusse, breitbeinige Gitarrensoli, herrlich flache Keyboardteppiche, alle „hey hey yeah yeahs“ und „ohohoooos“ im Textblatt abgedruckt, Pathos pur. Und auf dieser Ebene überzeugt Fremdmaterial wie der kraftvolle Opener „Wrecking Ball“ ebenso wie die beiden Eigengewächse „Perfect Storm“ und „You Can't Fight Love“, die zumindest für diesen Fan dann aber doch mit die Höhepunkte des Rundlings darstellen und auch die leicht schwächelnde „The Great Escape“ vergessen machen.

An der Coverfront wurde eh ganz im Sinne der sich nach wie vor bestens bei Stimme präsentierenden Frontfrau gemopst: „Ain't That Just Like Love“ stammt von der dem Beck-Camp befreundeten Schwester im Geiste Fiona (Flanagan), „Follow You“ war in den 80ern ein Minihit des ex-Styx-Recken Glen Burtnik, beide Songs wurden gemeinsam mit den Originalinterpreten eingezockt. Balladentechnisch hingegen hat Frau Beck gleich drei Trümpfe im Ärmel: „Burning Me Down“ ist das mittlerweile beinahe obligatorische Duett mit dem Göttergatten, der Titeltrack der offensichtlichste Versuch, an ein „First Time“ anzuknüpfen (Spoiler: Es klappt, wenn wohl auch nicht im kommerziellen Sinne!), und „I Swear The Nights“ wäre prinzipiell sogar der hitverdächtigste der drei - wenn er denn nur nicht so kackdreist bei David Coverdale und „Here I Go Again“ abgekupfert wäre. Da hilft auch die mitreißende Interpretation in der Tradition der 80er-Heart nur bedingt, das ginge origineller. Alles in allem allerdings macht die Scheibe mächtig Laune – ein feines Stück Melodic Rock mit Sommer-und-Cabrio-Feeling. (Wenn man letztgenanntes doch nur hätte. Das Cabrio, nicht das Feeling. Na ja, dann läuft das halt bei der nächsten Rennspiel-Runde am PC.) (EZ)

Label: HMMR/Cargo Records
Veröffentlichung: 16.08.2013

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