Samstag, 19. Oktober 2013

Motörhead - Aftershock

Wann auch immer in diesem Jahr der Name Motörhead in den News war, handelte es sich in der Regel um eine Hiobsbotschaft, die die angeschlagene Gesundheit der wohl größten lebenden Legende betraf, die die Szene aufzubieten hat. Ich weiß nicht, wie's Euch geht, aber ich bin mehr als froh, endlich mal über etwas anderes aus dem Dunstkreis von Lemmys Mannen reden zu können. Und nicht nur etwas anderes, sondern auch etwas sehr Positives, denn dem neuen Album „Aftershock“ hört man die Schwierigkeiten der jüngsten Zeit nicht nur zu keiner Sekunde an, es handelt sich bei dem guten Stück gar um einen Hammer vor dem Herrn, der die (alles andere als schlechten) letzten zwei Alben geradezu pulverisiert und so an die letzte Hochphase der Band anknüpft, die uns mit „Inferno“ und „Kiss Of Death“ schon zwei Spätklassiker allererster Güte beschert hatte!

„Heartbreaker“ eröffnet den Reigen bunter Melodien noch recht konventionell, bevor „Coup De Grace“ uns schon mal an den Gedanken gewöhnt, dass Phil Campbell seinen inneren Fast Eddie für sich entdeckt haben könnte (das soll auch bei weitem nicht das einzige Mal bleiben, dass man derart vermuten könnte) und schließlich der „Lost Woman Blues“ erstmals die Grenze zur Genialität überschreitet. Der Titel ist hier Programm, das ist Bluesrock von einer Coolness auf early ZZ Top-Niveau. Wenn Led Zeppelin denn jemals so lässig gewesen wären wie der Mann mit der Warze, dann hätte „Since I've Been Loving You“ bereinigt von allen prätentiösen Längen eventuell auch so in etwa klingen können - ein weiterer Klassiker für Lemmys Alltime-Hitregister! Und ich weiß wirklich nicht, wann ich Motörhead zuletzt ähnlich gefühlvoll durch die Prärie cruisen gehört habe wie im ähnlich konzipierten „Dust And Glass“. Come on, Ihr Superharten, da bleibt kein Auge trocken, oder?

Klar, dem gegenüber stehen wie eh und je auch ein paar „gewöhnlichere“ Nummern, bei einer stolzen Anzahl von 14 neuen Songs ist das wohl auch kaum zu vermeiden. Wirklich verzichtbar ist aber auch unter diesen kaum etwas ausgefallen, egal ob das Brechstangen-Metal der „Inferno“- oder „Sacrifice“-Liga ist („End Of Time“, der neue Überhit „Going To Mexico“) oder aber klar an den Achtziger-Alben orientierter Stoff (man feiere die unwiderstehliche „Queen of The Damned“!!!) ist. Auch Lemmys ewiges Steckenpferd - ein wirklich basischer Rock'n'Roll-Song, der mit nur minimaler Bearbeitung ebenso problemlos bei seinem Roots-Nebenprojekt Headcat funktionieren würde - ist mit „Crying Shame“ ebenso gelungen vorhanden wie eine Nummer, die man durchaus auch an AC/DC hätte verkaufen können („Keep Your Powder Dry“). Alles da, nur keine Längen – und bevor dieses Review in Gefahr kommt, von diesem weisen Pfad abzuweichen, verbleibe ich flugs mit einer uneingeschränkten Kaufempfehlung, drehe die Regler großzügig nach rechts und starte einen weiteren Durchgang einer Scheibe, die sogar in einem enorm starken Musikjahr zu den Highlights zählt. Long Live Motörhead! (EZ)

Label: UDR
Veröffentlichung: 18.10.2013

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