Sonntag, 13. Oktober 2013

Mayfair - Schlage Mein Herz, Schlage


Progressive Metal-Fans, die Anfang der 1990er bereits süchtelnd nach den neuesten Demos „in mindestens Psychotic Waltz- oder WatchTower-Qualität“ lechzten, dürften über kurz oder lang über die Österreicher MAYFAIR und deren "Find My Screams Behind This Gate"-Tape gestoßen sein. Das nicht mal zwölfminütige Demo war wahrhaftig ein Meisterwerk und ist heute ein Klassiker, dem auch der Verfasser dieser Zeilen schnell verfiel und dies ab und zu auch noch immer tut. 1993 erschien das erste Album "Behind" und bereits da war klar, dass MAYFAIR den Terminus "progressiv" zu Recht trugen. Spätestens auf den Nachfolgealben "Die Flucht" und "Fastest Trip To Cybertown" musizierte man dann endgültig schranken-, genre- und schwerelos und so mancher Altfan wandte sich wundernd "gewöhnlicheren Progressivklängen" zu. Ende der 1990er war dann auf einmal die Luft raus und MAYFAIR wurden zur letzten Ruhestätte geleitet. 


Zum Glück nicht zur allerletzen, denn aufmerksamen Lesern (nicht nur) des Sacred Metal-Boards dürfte nicht entgangen sein, dass sich seit 2012 wieder was tut im Bandlager. Nun, satte fünfzehn Jahre nach dem letzten Lebenszeichen möchte "Schlage Mein Herz, Schlage" die vorhandene Fanklientel und mit Sicherheit auch den ein oder anderen Nachwuchsprogger auf seine Seite ziehen.


MAYFAIR, und das ist das einzige, was so ist, wie immer, spielen noch immer genau das, was sie wollen und zwar, so scheint es, ausschließlich für sich selber. Wenn sich dann Musikfans finden, die das toll finden, umso besser. Und „Schlage Mein Herz, Schlage“ IST toll geworden. Los geht es mit dem Titeltrack, deren Chorus man nach einem Durchgang schon nicht mehr vergessen wird. Das englisch gesungene „Firestorm“ beginnt schön ruhig, mit einem pumpenden Basslauf und steigert sich dann zu einem eingängigen Rocksong, bei dem Sänger Mario Prünster besonders bei den leisen Strophen glänzen kann. Das groovige "wwwrong" erinnert anschließend etwas an vergangene "Behind"-Tage, bevor mit "Drei Jahre zurück" ein melancholisches Monster von einem Song folgt. Der großartige, berührende Text könnte auch von Regeners Element Of Crime stammen, musikalisch ist das abwechslungsreiche ganz, ganz große Kunst. Ähnlich packend ist „Island“, das man am besten unter dem Kopfhörer genießt und bei dem besonders die zurückhaltende, aber umso wirkungsvollere Gitarrenarbeit begeistert sowie der Abschlusssong "Der Abschied", nach dessen Ende man erst mal ein paar Sekunden stumm da sitzt. Mehr möchte ich über den "Rest" (wie abwertend das klingt…) des fantastischen Albums gar nicht schreiben, denn:


Wer bis hierher gelesen hat und die Band bislang noch nicht kannte, wird gemerkt haben, dass das Quartett alles andere als ein typischer Genrevertreter der Fates Warning-/Dream Theater-/Threshold-Welt sind. Nein, ihre überwiegend deutsch gesungenen Songs sind, ich schrieb es schon, etwas ganz Besonderes in dieser musikalischen Welt, in der man aus Sicherheitsgründen immer noch alles in Schubladen packt, damit auch ganz genau weiß, was sich dahinter verbirgt. Wer damit klar kommt und auf der Suche nach Musik ist, die man nicht einordnen kann und die auch fernab allem liegt, was man gemeinhin gerne als "Metal" bezeichnet, sollte sich dieses Album dick auf den Einkaufszettel schreiben.

MAYFAIR sind also wieder da. Und zwar so, wie man sie in Erinnerung hatte: Als eine der originellsten, kunstvollsten, besten "echten" Progbands des Kontinents. (MK)

Label: Pure Prog Records
Veröffentlichung: 08.11.2013

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