Donnerstag, 17. Oktober 2013

Hamferð - Evst

Irgendwie seltsam, dass das ganze Jahr doomtechnisch eher mau war und auf einmal, beinahe parallel, zwei absolute Genrehighlights, die unterschiedlicher kaum sein können (Solstice und vorliegende HAMFERD), veröffentlicht werden. 

Zu Solstice findet ihr hier alles, was ihr wissen müsst, interessiert euch, ob HAMFERD etwas für euch ist, bleibt aber noch mal eben hier. 
Kurze Fanschichtrekrutierung: Ihr steht auf Anathema, als sie noch Growls in ihrer Musik versteckten? Ihr denkt, dass Warning oder 40 Watt Sun das Non Plus Ultra des Doom Metals sind? Ihr findet, dass man grundsätzlich Bands von den Faröer-Inseln unterstützen sollte? Ihr mögt Alben, deren Gitarrenmelodien sich gerne mal wochenlang in euren Gehörgängen festsetzen? Dann dürften HAMFERD genau das Richtige für euch sein, denn "Evst" wird in den einschlägigen Doomkreisen, da bin ich mir sicher, fast so einschlagen, wie es neue Trauerhymnen von Patrick Walker tun würden.

 Der Opener und Titeltrack (zu hören weiter unten) zeigt direkt, womit wir es bei HAMFERD zu tun haben: Ein langsamer, schleppender Rhythmus, melodische Gitarren - und dann ein paar Textzeilen Gegrowle. Wogegen ich im Prinzip nichts habe und ich möchte hier auch alles andere, nur keine weitere Doom-Diskussion lostreten, aber meiner Meinung nach passt die Death Metal-Stimme nur bedingt zu den melancholischen Trauerepen des Sextetts. Zum Glück hat Sänger Jón Hansen noch eine "zweite Stimme", nämlich eine wundervoll klare in petto, die er, wiederum zum Glück, auch häufiger einsetzt. Die Traditionalisten dürfen also das Messer wieder zuklappen. Auch der zweite Track, "Deyðir varðar", wildert mit seinem ruhigen Beginn und der einfachen, aber umso berührenderen Gitarrenmelodie in Warning-Gefilden und Hansen zeigt hier direkt von Anfang an, dass man in Zukunft auch ohne Probleme komplett auf die natürliche Singstimme setzen könnte (was die Band aber nicht vor hat).
Die Texte sind im übrigen komplett auf Färöisch, weshalb wohl nur die wenigsten Käufer der Scheibe wissen werden, worum es bei dem Konzeptalbum geht. Der Reigen an herbstlichen Selbstmordmelodien geht mit den Tracks drei ("Við teimum kvirru gráu") und vier ("At jarða tey elskaðu" - eher eine Einleitung zum brachialsten Song des Albums, dem Beinahe-Neunminüter "Sinnisloysi") weiter, speziell bei erstgenanntem Track ist man so nahe an "Watching From A Distance", dass man beinahe vom Donner gerührt da steht. Die Melodien des sich gnadenlos immer weiter steigernden Songs, besonders wenn Jón Hansens Stimme in die Höhe geht, sind wirklich große Doomkunst und machen süchtig.

Die zweite Hälfte von "Evst" steht der A-Seite in nichts nach (mit dem absoluten Highlight "Ytst", das einem in zehn Minuten beinahe die Haut vom Leib reißt), ist beinahe ausschließlich emotionalster Doom mit jeder Menge Gänsehautpassagen und diversen Growlparts, die mir vielleicht irgendwann besser reinlaufen, mir aber im Moment noch ein wenig fremd vorkommen im melancholischen Trauerpool. Bei einem bin ich mir aber wirklich ziemlich sicher: dieses Album wird am Ende des Jahres in so mancher Best Of 2013-Liste zu finden sein. (MK)

Label: Tutl Records
Veröffentlichung: 15.11.2013



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