Donnerstag, 17. Oktober 2013

Hail Of Bullets – III: The Rommel Chronicles

Ed Warby ist ein vielbeschäftigter Mensch. Am selben Tag, an dem er bereits mit dem Release des neuen Ayreon-Opus im Rampenlicht steht, erscheint mit dem dritten Album von Hail Of Bullets auch ein Zeugnis seiner musikalischen Wandlungsfähigkeit - und anders als bei Herrn Lucassen, wo er „nur“ als ewiger Gastmusiker agiert, auch noch jeweils eines seiner Songwriting- und Produzentenfähigkeiten. Deutlicher vom verträumten Prog Rock auf der anderen Spielwiese könnte sich der durchschlagkräftige Death Metal der All-Star-Band (zweimal Asphyx, dreimal Thanatos, einmal Gorefest. Wenn das kein niederländisches Who's Who des Todes ist?) schließlich kaum unterscheiden. In einem allerdings herrscht Gleichklang bei beiden Projekten: es handelt sich auch hier um ein Konzeptalbum. Während das Debüt noch Hitlers Russlandfeldzug thematisiert hatte und der Nachfolger sein Auge auf den Pazifikkrieg warf, beschränkt sich das Drittwerk auf das Leben und Handeln einer einzigen Person, nämlich Generalfeldmarschall Erwin Rommel – beginnt dabei aber, ein Novum für diese Band, bereits lange vor den Ereignissen des Zweiten Weltkriegs.


Ich werde jetzt den Teufel tun und das historische Element haarklein auseinander klabüstern – ihr könnt schließlich zur Not alle Wikipedia bedienen und mithilfe von Songtiteln wie „Desert Fox“, „DAK“ (Deutsches Afrikakorps) oder „Tobruk“ dürfte allen, die im Geschichtsunterricht nicht völlig geschlafen haben, eh klar sein, wo der Hase läuft. Aber es muss, gerade bei etwas wie einem „Rommel-Album“, halt doch wieder betont werden: Hail Of Bullets-Lyrics haben mehr mit einem vertonten Geschichtsbuch zu tun, als irgendwelche suspekten Wertungen einfließen zu lassen, gell?

Musikalisch hat sich wenig getan, seit „On Divine Winds“ seinerzeit unsere Gehörgänge malträtierte – wer die schon damals über jeden Zweifel erhabene Mischung aus Bolt Thrower, Asphyx&Co. verehrte, kann sich auch das Drittwerk ohne Zögern ins Regal stellen, auch wenn die unglaubliche Intensität des Debüts auch diesmal unerreicht bleibt. Dafür fühlt man sich beim Hörerlebnis doch dem Geschehen zu distanziert. Vielleicht der Tatsache geschuldet, dass man die Handlung diesmal aus der Generalsperspektive erlebt, wo man auf „Of Frost And War“ noch quasi selber in den Stiefeln des kleinen Soldaten steckte, fehlt vor allem der Produktion dann doch etwas der letzte Faktor Dreck.

Bei Martin van Drunen hat man dieser Tage zwar etwas den Eindruck, er stände alle paar Wochen mit einem neuen Release auf der Matte, aber Hail Of Bullets ragen alleine aufgrund der etwas musikalischeren, weniger archaisch rödelnden Ausrichtung mit zwei Gitarristen (die nun wieder eher das unaufhaltsame Vorrücken ganzer Panzerarmeen anstatt des bedrohlichen Schwirrens feindlicher Nakajimas emulieren und damit immerhin den Bogen zum Debüt ein wenig schließen) sowie natürlich - s.o. - dem „Warby-Faktor“ am deutlichsten aus seinen weiteren Aktivitätsstätten heraus. Und hey, spätestens wenn der Mann in Grabesstimme von der „Gespensterdivision“ röchelt, hat er eh gewonnen - im Gegensatz zu Rommel, dessen von ganz oben befohlener Selbstmord aber im etwas arg offensichtlich betitelten, dafür aber mit enormen, elegischen Gänsehaut-Gitarrenmelodien versehenen „Death Of A Field Marshal“ das große Highlight zum Ende darstellt, wie es einst schon „Berlin“ vorgemacht hatte.

Fazit ist wie immer: Krieg, gerade realen, muss man nicht unbedingt vertonen, aber wenn man es macht, dann sollte es lieber so zerstörerisch und gnadenlos klingen wie hier. Starkes Stück in einem starken Death Metal-Jahr. (EZ)


Label: Metal Blade
Veröffentlichung: 25.10.2013

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