Samstag, 19. Oktober 2013

Motörhead - Aftershock

Wann auch immer in diesem Jahr der Name Motörhead in den News war, handelte es sich in der Regel um eine Hiobsbotschaft, die die angeschlagene Gesundheit der wohl größten lebenden Legende betraf, die die Szene aufzubieten hat. Ich weiß nicht, wie's Euch geht, aber ich bin mehr als froh, endlich mal über etwas anderes aus dem Dunstkreis von Lemmys Mannen reden zu können. Und nicht nur etwas anderes, sondern auch etwas sehr Positives, denn dem neuen Album „Aftershock“ hört man die Schwierigkeiten der jüngsten Zeit nicht nur zu keiner Sekunde an, es handelt sich bei dem guten Stück gar um einen Hammer vor dem Herrn, der die (alles andere als schlechten) letzten zwei Alben geradezu pulverisiert und so an die letzte Hochphase der Band anknüpft, die uns mit „Inferno“ und „Kiss Of Death“ schon zwei Spätklassiker allererster Güte beschert hatte!

Freitag, 18. Oktober 2013

Robin Beck - Underneath

„First Time“ - the only time? Die Anzahl der Artikel über US-Plüschrock-Chanteuse Robin Beck aus dem letzten Vierteljahrhundert, in denen nicht auf ihren vermeintlichen One-Hit-Wonder-Status in den Achtzigern angespielt wird, dürften traurigerweise nur zu vernachlässigende Zahlen erreichen. Ja, bei Frau Beck handelt es sich um die Dame, die uns anno 1988 mal ein koffeinhaltiges Erfrischungsgetränk näherbringen wollte und die infolge dessen zur Belohnung ihr zweites Album („Trouble Or Nothing“) u.a. vom damals stets vielbeschäftigten Desmond Child auf den Leib geschneidert bekam – eine AOR-Hymnenparade vor dem Herrn, die eigentlich jeder Freund von Childs damaligen Arbeiten von Alice Cooper bis Bon Jovi im Schrank stehen haben sollte. Letzteres ist aber leider einfach nicht der Fall, und nach ein paar weiteren Versuchen, die zuweilen schon ärgerlich glatt polierte Fahrstuhlmusik (Elevator Oriented Rock?) beinhalteten, war trotz einer weiteren prinzipiell sehr eingängigen, aber aufgrund der kategorischen Unsexiness von Fastfood-Produkten kommerziell anscheinend nicht ähnlich verwertbaren Werbekampagne der Superstarzug dann halt irgendwann abgefahren.

Watain - The Wild Hunt

Gespannt war ich auf das fünfte Album der schwedischen Black Metaller von Watain ja schon. Immerhin hatte der Vorgänger mit dem überragenden „Waters Of Ain“ mal mindestens einen riesigen Klassiker für die Ewigkeit hervorgebracht, der mich wehmütig an die ollen Dissection-Tage zurückdenken ließ. Außerdem versprach der vorab vernommene Titelsong doch so glaubwürdig Bathory-Worship wie einst zu „Twilight Of The Gods“-Zeiten, und herrje: wenn ein so hervorragend aufgemachtes Vinyl wie dieses einen mit einem sirenengleich lockenden „Kauf' mich!“ anlacht, fällt das Nein sagen schon mal schwer. (Bevor jemand fragt: Von den Toten Hosen hab' ich trotzdem nix im Regal.)

Warning - Watching From A Distance

Anfang 2007, als WARNINGs Zweitwerk "Watching From A Distance" auch in Deutschland zu bekommen war ("offizieller" Release war Mitte Dezember 2006), versuchte ich mich bereits an einem Review. Das klang dann so:


"Warnings Zweitwerk ist eines der besten, erhabensten und schlichtweg brillantesten Doom Metal-Alben aller Zeiten. Punkt. Alle fünf Tracks bewegen sich auf dem selben, unverschämt hohen Niveau (und übrigens auch im selben Tempo...) und begeistern durch die Bank mit unsterblichen Melodien, fantastischen Gitarrenharmonien sowie einem Sänger, der ALLE seine Emotionen in seine Stimme legt - und zwar in einem Maße, wie ich es selten gehört habe. Sicherlich ist Patrick Walkers Stimme fernab jeglicher Perfektion, was aber nie egaler als hier war. Dieser Mann lebt für das, was er tut.
Ich mach es kurz und schmerzlos: "Watching From A Distance" (12:06), "Footprints" (7:31), "Bridges" (11:3), "Faces" (8:31) und "Echoes" (10:16) gehören ohne Zweifel in jede Doom-Sammlung - und eigentlich auch in jede Metalsammlung. Denn wer auch nur in geringstem Maße auf emotionale Musik steht, wird beim Warning-Zweitwerk hier vor lauter Trauer (oder auch vor Glück ob der musikalischen Genialität) vergehen."


Donnerstag, 17. Oktober 2013

Hail Of Bullets – III: The Rommel Chronicles

Ed Warby ist ein vielbeschäftigter Mensch. Am selben Tag, an dem er bereits mit dem Release des neuen Ayreon-Opus im Rampenlicht steht, erscheint mit dem dritten Album von Hail Of Bullets auch ein Zeugnis seiner musikalischen Wandlungsfähigkeit - und anders als bei Herrn Lucassen, wo er „nur“ als ewiger Gastmusiker agiert, auch noch jeweils eines seiner Songwriting- und Produzentenfähigkeiten. Deutlicher vom verträumten Prog Rock auf der anderen Spielwiese könnte sich der durchschlagkräftige Death Metal der All-Star-Band (zweimal Asphyx, dreimal Thanatos, einmal Gorefest. Wenn das kein niederländisches Who's Who des Todes ist?) schließlich kaum unterscheiden. In einem allerdings herrscht Gleichklang bei beiden Projekten: es handelt sich auch hier um ein Konzeptalbum. Während das Debüt noch Hitlers Russlandfeldzug thematisiert hatte und der Nachfolger sein Auge auf den Pazifikkrieg warf, beschränkt sich das Drittwerk auf das Leben und Handeln einer einzigen Person, nämlich Generalfeldmarschall Erwin Rommel – beginnt dabei aber, ein Novum für diese Band, bereits lange vor den Ereignissen des Zweiten Weltkriegs.

Hamferð - Evst

Irgendwie seltsam, dass das ganze Jahr doomtechnisch eher mau war und auf einmal, beinahe parallel, zwei absolute Genrehighlights, die unterschiedlicher kaum sein können (Solstice und vorliegende HAMFERD), veröffentlicht werden. 

Zu Solstice findet ihr hier alles, was ihr wissen müsst, interessiert euch, ob HAMFERD etwas für euch ist, bleibt aber noch mal eben hier. 
Kurze Fanschichtrekrutierung: Ihr steht auf Anathema, als sie noch Growls in ihrer Musik versteckten? Ihr denkt, dass Warning oder 40 Watt Sun das Non Plus Ultra des Doom Metals sind? Ihr findet, dass man grundsätzlich Bands von den Faröer-Inseln unterstützen sollte? Ihr mögt Alben, deren Gitarrenmelodien sich gerne mal wochenlang in euren Gehörgängen festsetzen? Dann dürften HAMFERD genau das Richtige für euch sein, denn "Evst" wird in den einschlägigen Doomkreisen, da bin ich mir sicher, fast so einschlagen, wie es neue Trauerhymnen von Patrick Walker tun würden.

Solstice - Death's Crown Is Victory (EP)

New. Dark. Age. Alleine die Nennung dieser drei Worte sollte jedem Doom-Fan das Wasser in beliebige Körperöffnungen laufen lassen, war, ist und wird doch das 1998er-Album der Briten auf ewig ein Klassiker des Genres sein. Danach war in punkto Veröffentlichungen leider die Luft raus, außer zwei Coverversionen auf Split-Singles und einer (famosen) Compilation ("Only The Strong") gab es nichts mehr. Neun Musiker gaben sich alleine in diesem Jahrtausend die Klinke in die Hand, bevor sich 2011 das Line-Up endlich stabilisieren sollte. Paul Kearns heißt nun der Mann, der das schwere Erbe von Morris Ingram antreten muss (zwischendurch waren noch zwei andere Sänger am SOLSTICE-Mikro...)  - und, soviel sei vorab verraten, man muss sich erst einmal an die neue Stimme gewöhnen. 
Aber der Reihe nach.

Es lässt sich darüber streiten, ob vier neue Songs (von denen auch noch zwei dreiminüter als Intro bzw. Outro fungieren) nach 15 Jahren nicht vielleicht doch etwas wenig an Output ist, aber ich denke, wir sollten alle froh sein, dass Mr Walker und seine Bande überhaupt wieder mit etwas Neuem in unseren heimischen Playern stattfindet. Und es war ja von vornherein klar, dass erst einmal eine EP kommen wird.

Mittwoch, 16. Oktober 2013

Ayreon - The Theory Of Everything

Nun ist es also wieder soweit: Herr Arjen bringt Prog-Rock aus Holland. Fünf Jahre ist es schon her, dass das mit seinem SciFi-Opus „01011001“ zum letzten Mal geschah, präsent war Lucassen aber auch in der Zwischenzeit durch das zweite Star One-Album und sein Solowerk „Lost In The New Real“ eigentlich immer. Nur der Ayreon-Name hatte seitdem etwas Ruhe: den wollte Arjen nämlich eigener Aussage nach erst dann wieder ausbuddeln, wenn er ihm etwas gänzlich Neues abgewinnen kann. Ist „The Theory Of Everything“, wie üblich ganz groß im standesgemäßen Doppelalben-Format produziert, etwas, das diesem hochtrabenden Anspruch gerecht werden kann? Größtenteils erfreulicherweise ja.

Sonntag, 13. Oktober 2013

Mayfair - Schlage Mein Herz, Schlage


Progressive Metal-Fans, die Anfang der 1990er bereits süchtelnd nach den neuesten Demos „in mindestens Psychotic Waltz- oder WatchTower-Qualität“ lechzten, dürften über kurz oder lang über die Österreicher MAYFAIR und deren "Find My Screams Behind This Gate"-Tape gestoßen sein. Das nicht mal zwölfminütige Demo war wahrhaftig ein Meisterwerk und ist heute ein Klassiker, dem auch der Verfasser dieser Zeilen schnell verfiel und dies ab und zu auch noch immer tut. 1993 erschien das erste Album "Behind" und bereits da war klar, dass MAYFAIR den Terminus "progressiv" zu Recht trugen. Spätestens auf den Nachfolgealben "Die Flucht" und "Fastest Trip To Cybertown" musizierte man dann endgültig schranken-, genre- und schwerelos und so mancher Altfan wandte sich wundernd "gewöhnlicheren Progressivklängen" zu. Ende der 1990er war dann auf einmal die Luft raus und MAYFAIR wurden zur letzten Ruhestätte geleitet. 

Freitag, 11. Oktober 2013

The Gates Of Slumber - Ein Nachruf

THE GATES OF SLUMBER – 1998-2013. Ein Nachruf. (Teil 1)

I.

Bild
His eyes set upon you as you enter his lair
A cold stone vault at the foot of the stair
Like some vision from an evil dream
Yet none can wake you, or hear your scream.


Und ich wollte nie mehr geweckt werden. Diese vier Zeilen ertönten nach einem Klick auf den „Play“-Knopf auf der Myspace-Seite an einem Tag im April vor vier Jahren aus meinen PC-Lautsprechern. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich von Heavy Metal keine Ahnung. Ich besaß außer der Hälfte des IRON MAIDEN Kataloges, „Ace Of Spades“ von MOTÖRHEAD und einer GRAND MAGUS-Scheibe keine nennenswerten Tonträger aus dem Genre. Ich trug häßliche EMP-Shirts von METALLICA, kannte innerhalb und außerhalb meines Landes genau zwei Personen mit dem annähernd gleichen Musikgeschmack und Nachmittags übte ich Lieder auf meinen Bass, deren bloße Nennung wahrscheinlich die Sperrung meines Accountes nach sich ziehen würde. Zwei Jahre später stehe ich an einem Tag im April in Lauda-Königshofen. Ich bin auf dem Weg zu einem BROCAS HELM-Gig, trinke ein Bier, unterhalte mich mit Underground-Metallern aus ganz Europa und trage ein THE GATES OF SLUMBER-Shirt. Eigentlich wollte ich diesen Nachruf auf die für mich beste Heavy Metal-Band aller Zeiten nicht mit irgendeiner Pathos-Scheiße starten: Aber ja, vier Zeilen eines Heavy Metal-Liedes können ein Leben verändern.


Grave – Necropsy – The Complete Demo Recordings 1986-1991

Nein, es ist bei weitem nicht das erste Mal, dass die Schweden von Grave auf ihre ganz frühe Geschichte zurückgreifen. Die Demos einer der definitiven Death Metal-Kapellen ihres Landes gab es u.a. bereits als Bonus-CDs in ihrer Beinahe-Komplettbox „Death Unhallowed“, teilweise auf der Erstauflage ihres „Comebackalbums“ „Back From The Grave“ - und auch die vorliegende Compilation hatte Century Media vor einiger Zeit bereits auf Vinyl unters Volk gebracht. Aber für Schlafmützen wie den Verfasser dieser Zeilen, an dem der letztgenannte Release unsäglicherweise irgendwie komplett vorbei gegangen war und der für die Investition in die Box dann doch zu sehr Dagobert Duck war, ist „Necropsy...“ auf Doppel-CD für 'nen mageren Zehner der ideale Weg, letzte Wissenslücken zu schließen und ein Stück Death Metal-Geschichte ins Regal zu stellen.

Treblinka – Shrine Of The Pentagram (1987-1989)

Eigentlich bin ich ein großer Fan von Wiederveröffentlichungen wie dieser – es lässt sich problemlos argumentieren, dass die ganz frühe Demo-Ära zu den spannendsten in der schwedischen Death Metal-History zählt – aber hier hat sich das in dieser Spielart in den letzten Jahren wieder äußerst aktive Label Century Media zu einem klaren Fall von style over substance hinreißen lassen. Wie zur Hölle kann man das Œuvre einer gerade mal drei Jahre (!) in dieser Inkarnation bestehenden Band, das dazu noch aus nur läppischen neun (!!) Songs besteht, über die Länge von drei (!!!) CDs auswalzen? Proberaumgerödel, rumpelnde Liveauftritte galore, rein instrumentale Studio-Outakes, that's how. Ich bezweifle stark, dass die CDs Numero 2 und 3 aus dieser Box eine regelmäßige Hörerschaft finden werden, die weltweit über zweistellige Zahlen hinaus geht. Oder unterschätze ich da den Fanatismus der eingefleischten Johan Edlund-Fans, ohne dessen Beteiligung das hier wohl (bestenfalls) ein niedriger bepreister Rundling geworden wäre? Fanfreundlich geht schon anders.