Dienstag, 3. September 2013

Grave - Morbid Ascent (EP)

Nachdem sie letztes Jahr der treuen Fanschar mit „Endless Procession Of Souls“ eines ihrer stärksten Alben überhaupt kredenzten, tingeln die alten Schweden von Grave heuer vor allem über die kontinentalen Festivalbühnen. Da kann es nie schaden, neues Material in petto zu haben, und sei es nur, um den euphorisierten Eventbesucher beim anschließenden Grabbeltisch-Ansteuern in Versuchung zu führen. Wolle Death Metal kaufe?



Aber lassen wir den lieben Zynismus mal beiseite, denn die vorliegende 5-Track-EP „Morbid Ascent“ ist zum allergrößten Teil eine runde Sache, die der treue Anhänger des schwedischen Dödsmetall sich ohne längeres Zögern in die Sammlung stellen kann. Die beiden neuen Songs „Venial Sin“ und „Morbid Ascent“ machen nahtlos da weiter, wo der eingangs erwähnte Brutalo-Brocken endete. Kompromisslos stumpfer Uptempo-DM, an strategisch günstiger Stelle auch mal gewaltige Doom-Parts zum Luftholen zwischendurch, Vocals durch die Bank aus den Tiefen einer dieser seltenen Vorhöllen, die der Papst noch nicht ganz abgeschafft haben sollte. In short: Grave in Reinkultur. Gastweise gniedelte: Eric Cutler von Autopsy.


Die B-Seite der bisher nur auf Vinyl* erhältlichen EP eröffnet mit dem bärenstarken Satyricon-Cover „Possessed“, dem die Jungs stilgerecht die Oldschool-DM-Bearbeitung zukommen ließen. Ausgiebige Recherchen meinerseits (read: Panisches Klicken quer über Youtube, bis ein Clip zu finden war, der in #Neuland nicht geblockt ist) führten allerdings auch zum Ergebnis, dass das nicht unbedingt das am schwierigsten zu adaptierende Black Metal-Stück sein dürfte – und für eine Band, die auch schon Songs von Alice In Chains oder Voivod ins eigene Repertoire aufgenommen hat, auch nicht mal unbedingt sooo abenteuerlustig.


„Epos“ war die tonnenschwere Doom-Walze auf „Endless Procession...“, warum dieser Song aber nun als „Risen From The Tomb“-Remix etwas gestrafft wiedergekäut werden musste, erschließt sich mir nur bedingt. Zwingender ist jedenfalls ein weiterer uralter Demosong namens „Reality Of Life“, der in neu eingespielter Fassung herrlichst demonstriert, dass es mit der lieben Weiterentwicklung seit dem dazugehörigen '89er Demotape eher nicht so weit her ist. Oder treffender: dass die Band nach einigen Jahren des Experimentieren sich mittlerweile wieder sehr wohl bei ihren Roots fühlt.


Ergo: kann man kaufen, das (nebenbei superb aufgemachte) gute Stück. Bei akuter Geldknappheit und/oder beschränkter Sammlerwut würde ich aber ein komplettes Album einer jüngeren DM-Band vorziehen, diese Szene ist ja im Moment nicht eben arm an Highlights – und allen Erfahrungswerten nach tauchen Songs wie diese früher oder später wenigstens irgendwo als Bonüsse auf. Die „And Here I Die“-EP von anno dunnemals, deren '13er Äquivalent „Morbid Ascent“ schon irgendwie darstellt, muss sich heute schließlich auch niemand mehr einzeln ordern. (EZ)


Label: Century Media
Veröffentlichung: 23.08.2013








* Na ja, und als Download. Das ist aber einfach nicht true.

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