Sonntag, 29. September 2013

Atlantean Kodex - The White Goddess

Verdammt, was habe ich dieser Platte entgegengefiebert! Drei lange Jahre ist es bereits her, seit Atlantean Kodex aus Bayern mit ihrem Debüt auch die Epic Metal-Welt außerhalb unseres gewohnt gut informierten Forums auf den Kopf gestellt haben. Aber gut Ding, um mal wieder das Phrasenschwein etwas zu mästen, will halt Weile haben, und so ist eigentlich schon nach den ersten paar Tönen des kurzen Intros „Trumpets Of Doggerland“, das das Album in der Tat mit Pauken und Trompeten einläutet, offenbart, dass sich hier absolut nix zum Schlechteren verändert hat – und dann gibt der aufmerksamen Besuchern der Kodex-Website bereits seit einiger Zeit bekannte Opener „Sol Invictus“ dem geplätteten Zuhörer eh den Rest. Fucking hell, tönt das mächtig. Detailreicher eingespielt, gekonnter produziert, etwas weniger archaisch vielleicht - „The White Goddess“ bedeutet in vielerlei Hinsicht einen ähnlich bedeutenden Schritt für den Kodex wie weiland „Nightfall“ für Candlemass nach der rootstreueren „Epicus...“. Zudem zeigt man sich vom Songwriting her noch souveräner: einen übermächtigen Chorus wie den eines „A Prophet...“ noch einmal zu toppen, hätte ich der Band kaum zugetraut, jetzt belehrt einen schon der erste Song eines Besseren. Oh me of little faith.

Dienstag, 24. September 2013

Ritchie Blackmore's Rainbow - Black Masquerade (DVD)

Oh je, die 90er: Hard Rock in der Diaspora. Legionen von einst erfolgreichen Kapellen verzweifeln an der Länge des „Your Ziegenbart must be THIS long to get some airplay“-Schildes am Eingang des MTV-Headquarters und kommen so teils auf die drolligsten Ideen. Remember Van Halen mit...prust...Gary Cherone? Blackie Lawless als siffiger Marilyn Manson-Wannabe? Oder Pink Cream 69, die urplötzlich entdeckten, dass es eigentlich schon immer ihr seligster Herzenswunsch war, allerlei nöligen Grunge in den Äther abzusondern? Alles im Namen der natürlichen Weiterentwicklung, of course.

Freitag, 20. September 2013

Dream Theater - Dream Theater

Mit dem siebten Album seit 2002 zeigen DREAM THEATER, dass sie nicht nur fleißig sind, die zumindest in weiten Teilen vorhandene hohe Qualität der Veröffentlichungen beweist, dass der kreative Output des Quintetts scheinbar nie versiegt. Es wird weiter alle zwei Jahre ein Album aufgenommen, das Fans blind kaufen dürfen. Auch der viel diskutierte Portnoy-Split konnte der Band nichts anhaben, war doch schon das programmatisch betitelte „A Dramatic Turn Of Events“ ein klasse Album mit zugebenermaßen, aber verständlicherweise etwas zu „auf Nummer sicher“ komponiertem Songmaterial.

Nun also, fast dreißig Jahre nach der Gründung, das erste selbstbetitelte Werk und es scheint, als wollen es die Fünf noch mal richtig wissen. Denn so locker-flockig, straight und frisch, aber auch so melancholisch klangen DREAM THEATER seit vielen Jahren nicht.

Sonntag, 15. September 2013

Fates Warning - Darkness In A Different Light

Es ist immer ein Gefühl, als würden die eigenen Kinder einem ein Messer in den Rücken stechen, wenn einstige Lieblingsbands, ehemalige Combos, die man vergöttert hat, nur noch Mist abliefern. Virgin Steeles DeFeis hat sein Songwriting-Rezept scheinbar seit Jahren verlegt, Queensryche bekommen mit dem nächsten LaTorre-Album noch eine einzige Chance bei mir, über Manowar brauchen wir uns hier wohl kaum mehr unterhalten und Dinge wie Cage, Death Dealer oder Aska, die ich früher kaum erwarten konnte, langweilen mich heute nur noch mit Billigheimerproduktionen. 

Zum Glück trifft das alles auf die neben Mercyful Fate/King Diamond beste Metalband aller Zeiten nicht zu, denn neun Jahre nach dem eigentlich von mir prophezeiten Abgesang "X" sind FATES WARNING mit einem richtig starken Album zurück, welches meiner bescheidenen Meinung nach die beiden Vorgänger locker in die Tasche steckt. Nur ein Ausfall bei zehn Songs ist auf jeden Fall ein hervorragendes Ergebnis, das viele etablierte Bands nicht mehr erreichen.

Donnerstag, 12. September 2013

Es war einmal...EDGE OF SANITY

Ein Reisebericht vom Rande des Wahnsinns, Schweden (wish you were here...)



Über Death Metal, insbesondere den schwedischer Bauart, wurde gerade in den letzten Jahren mehr als einmal hochkompetent fachgesimpelt. Muss da wirklich auch noch der offizielle Sacred Metal-Teilzeitelch seinen Senf dazustümpern - zumal er geheimnisgeschwängerte Enthüllungen der Marke „hach, der Ekeroth hat ja den superwichtigen Demoklassiker von Blasphemous Boys aus Bullerbü von anno '91 vööööllig unter den Tisch fallen lassen“ erst gar nicht im Ärmel stecken hat?



Jawoll, muss er - denn unser Thema des Tages lautet immerhin Edge Of Sanity, und über diesen Klassiker seiner Zunft kann man gar nicht genug lobende Worte verbreiten. Oft genug geht das Quintett aus der (laut Wikipedia bezeichnenderweise v.a. für seine Stahlindustrie bekannten) Kleinstadt Finspång ja in den einschlägigen Szene-Retrospektiven etwas unter. Die analog zu den amerikanischen Thrash-Heroen als die „Großen Vier“ ihres Stils bekannt gewordenen Platzhirsche Entombed, Dismember, Grave und Unleashed sind es im allgemeinen eher, die dem interessierten Neuzugang zwecks Hereinschnuppern ans Herz gelegt werden. Nicht einmal zu Unrecht - in der gut sortierten Schwedentod-Sammlung dürfen mal mindestens jeweils die ersten zwei Werke jeder dieser Formationen nicht durch Abwesenheit glänzen - aber es gibt halt mehr zu entdecken als das.

Samstag, 7. September 2013

Subsignal - Paraiso

Nach dem 1997er-Album "Uneven" geschah mit den deutschen Progressivos Sieges Even etwas Unerhörtes: Ein Stilwechsel! Weg vom verschachtelten (ohne jeden Zweifel bis dato hierzulande beinahe konkurrenzlosen) Kopfkino, hin zu mehr Gefühl, Wärme, Melodie und "Songs". Leider war nach zwei grandiosen Alben ("The Art Of Navigating By The Stars" und "Paramount" - beides verdammte Pflichtkäufe!) dann Schluss und die Herren Menses (v.) und Steffen (g.) gründeten SUBSIGNAL, deren zwei bisherige Werke die stilistischen Merkmale nahtlos fortführten.
Nun also "Paraiso". Die Platte klingt bereits nach den ersten Takten wunderbar vertraut, der Wohlfühlprog dringt wieder sofort in jede Pore, die Produktion ist abermals überwältigend gut (Leute, wenn ihr Alben zum Boxentesten benötigt, versucht es bitte mit den beiden letzten Alben von Sieges Even sowie dem Gesamtwerk SUBSIGNALS - viel größer können Platten kaum klingen!) und in die Melodielinien - bereits der Chorus zum Titeltrack (siehe Video unten) ist famos - möchte man sich am liebsten mit offenen Armen hineinfallen lassen. Probiert es aus mit dem Viereinhalbminüter "A Long Way Since The Earth Crashed", was einem trotz des Tites ein dickes Grinsen auf die Backen zaubert. Bei "The Blueprint Of A Winter" hat man sich die Dienste von Stream Of Passion-Sängerin Marcela Bovio gesichert, die ganz gut zu dem hochmelodischen Stil des Songs passt, den es übrigens tatsächlich auch als ganz echte Single auf der Bandhomepage zu kaufen gibt. Highlights hat, und das ist bei dieser Band nichts Neues, "Paraiso" zuhauf, schwächere Songs kann ich beim besten Willen keine finden. Mit dem Piano und der Akustikgitarre als allgegenwärtige melodieführende Instrumente muss man natürlich leben können, dann wird man mit Sicherheit auch an diesem Album monatelang seine Freude haben, zumal es bei aller vordergründigen Eingängigkeit einfach soviel zu entdecken gibt.

Also: wer die Band bisher verehrt hat, wird auch das Drittwerk lieben. "Paraiso", und dieses persönliche Fazit sei mir gegönnt, läuft mir gar noch besser rein als der beileibe nicht schwache Vorgänger "Touchstones". Tolles Album einer wirklich großartigen deutschen Gruppe! (MK)




Label: Zyx
Veröffentlichung: 27.09.2013

Memento Waltz - Division By Zero

Teilt man eine beliebige Zahl durch Null, und das wisst ihr hoffentlich alle noch aus langweiligen Mathestunden, so erscheint "error" auf eurem Taschenrechnerdisplay. Und mit einem solchen "Error-Geräusch", das PC-affine Menschen hassen werden, beginnt auch der erste Song "Omicron" der neuen Scheibe von MEMENTO WALTZ, die zumindest ich und eine handvoll Unentwegte heiß erwartet haben. Nachdem ich mich vergewissert hatte, dass es sich bei dem Geräusch um keinen Fehler meiner Vorab-MP3-Fassung gehandelt hat, ging sie los, die Progressive Metal-Abfahrt. Wer die Vorgänger-EP "Antithesis Of Time" kennt, weiß, was ihn bei den Italienern musikalisch erwartet: Komplexer, anspruchsvoller, dennoch jederzeit nachvollziehbarer Progressive Metal, der, ich übertreibe nicht, mit seinen großen Vorbildern wie Zero Hour, Twisted Into Form oder auch Spiral Architect mithalten kann. Die letzten paar Zero Hour-Alben übertrifft "Division By Zero" sogar, denn MEMENTO WALTZ klingen wärmer, sind zugänglicher und schlicht abwechslungsreicher als die erwähnten US-Progger. In den knappen 40 Minuten des Albums gibt es auf jeden Fall eine Unmenge zu entdecken, es gibt "genre-typische" Instrumentalwahnsinnigkeiten, es gibt atmosphärischen, noch einmal stark verbesserten und sehr variablen Gesang, einen endlich mal fast durchgängig hörbaren Basse, gigantische Gitarrenleads - und es gibt vor allen Dingen das allerwichtigste: Sieben Songs, an denen man sich kaum satthören kann und die einem ziemlich brachliegenden Genre neue Impulse geben könnten. Das Album erscheint übrigens als Eigenpressung, da zwei der für diese Musik wie geschaffene Labels (eines aus Deutschland, eines aus den USA) die Platte ablehnten. Eigentlich komplett unfassbar, da "Division By Zero" eines der besten europäischen Progressive-Alben der letzten Jahre geworden ist. (MK)

Reinhören, march, marsch:
http://mementowaltz.bandcamp.com/

Kontakt: memento.waltz@facebook.com

Label: Eigenproduktion
Veröffentlichung: 30.09.2013

Mittwoch, 4. September 2013

Haken - The Mountain

Wer hätte damit rechnen können, dass im durchaus nicht schwach besetzten Prog-Herbst, der immerhin neue Scheiben von Fates Warning, Dream Theater, SubSignal oder Thought Chamber zu bieten hat, die Briten HAKEN qualitativ ganz vorne mitspielen werden?
Das Debüt "Aquarius" von 2010 war eine gute, wenngleich auch kaum überragende Progscheibe, den Nachfolger "Visions" habe ich dann verpasst, aber "The Mountain" scheint die Band jetzt wirklich ganz nach vorne zu katapultieren.
Der erste Hördurchgang hat mich noch etwas fragend zurückgelassen und ich habe mich lieber der neuen Dream Theater-Platte zugewandt (da weiß/kennt man, was man hat), aber ich hatte immer diese eine Stimme im Hinterkopf: "Hör doch noch mal in die Haken rein, los, mach!" Und dann hat es, nach nicht ganz so langer Zeit wie bei der neuen Fates Warning, doch "klick" gemacht, und ich komme neben meinen derzeitigen Black Metal-Highlights kaum noch dazu, etwas anderes zu hören als den vorliegenden Berg.

Die Plattenfirma haut auf jeden Fall ordentlich auf den Putz, es befänden sich immerhin Musiker von Linear Sphere im Lineup und überhaupt fänden sich hier etliche Absolventen von Musikhochschulen. Mir egal, denn wenn das Ganze so komplett fantastisch klingt wie hier können sie auch auf der örtlichen Tom Angelripper-Schule in Gesenkirchen gewesen sein.
Als erstes fallen dem unbedarften Hörer (lies: mir) die wirklich überragenden Gesangsarrangements auf. Das betrifft nicht nur den hauptamtlichen Sänger Ross Jennings, sondern die perfekten Satzgesänge, die man seit dem Spock's Beard-Debüt kaum mehr zu hören bekommen hat. Dann erwischt man sich von Hördurchgang zu Hördurchgang mehr dabei, dieses eine, das Album durchziehende Hauptthema mitzusingen oder -zusummen, um dann schließlich nie mehr davon loszukommen. Mir liegen leider die Texte (noch) nicht vor, aber ich gehe davon aus, dass, wenn schon die Musik durch diverse Melodien verbunden ist, sich auch textlich zumindest ein grobes Konzept findet. Doch es gibt natürlich nicht nur "diese eine" Melodie, denn die ganze Stunde ist durchzogen von gar wunderschönen Weisen.
HAKEN gelingt das Kunststück, die progmässig kaum zu toppenden 70er (Yes) mit den 80ern (Fates Warning), den 90ern (Dream Theater, Shadow Gallery), den 00ern (Pain Of Salvation) und, oh gott, modernen Sounds zu kombinieren, ohne dabei als weiterer Dream Theater-Clone durchzugehen. Natürlich - ein abgefahrener Instrumentalpart wie beim Monstersong "Pareidolia" findet sich auch auf diversen DT-Blaupausen, aber haben Petrucci und Co schon jemals einen Gesangsoverkill wie "Cockroach King" oder ein kurzes Wunderwerk wie "As Death Embraces" hinbekommen?
Lange Rede, kaum noch Sinn: Prog-Metaller mit Lust auf etwas Besonderes sollten sich "The Mountain" unbedingt in den Schrank stellen.




Label: InsideOut
Veröffentlichung: 03.09.2013

Dienstag, 3. September 2013

Grave - Morbid Ascent (EP)

Nachdem sie letztes Jahr der treuen Fanschar mit „Endless Procession Of Souls“ eines ihrer stärksten Alben überhaupt kredenzten, tingeln die alten Schweden von Grave heuer vor allem über die kontinentalen Festivalbühnen. Da kann es nie schaden, neues Material in petto zu haben, und sei es nur, um den euphorisierten Eventbesucher beim anschließenden Grabbeltisch-Ansteuern in Versuchung zu führen. Wolle Death Metal kaufe?