Freitag, 30. August 2013

Annihilator - Feast

Verflucht, haben Annihilator in ihrer gefühlt endlosen Karriere mittlerweile Hits angesammelt! Über siebzig Minuten dauert alleine die dem neuen Album beliegende Bonus-CD mit allerlei neu eingespielten, über jeden Zweifel erhabenen Eigen-Classix an, und ist diese mal verklungen, ist das erste, was dem undankbaren Schreibtischtäter dazu einfällt: „Da fehlt aber noch so einiges.“ Kein „Phantasmagoria“, kein „Human Insecticide“, kein „I Am In Command“...und damit bin ich noch nicht mal über die ersten beiden Alben hinausgekommen. Alle Achtung - diese Band könnte mittlerweile locker eine dreistündige Best-of-Show ohne nennenswerte Längen durchziehen!

Testpost: Ernies 2013 so far

So, zum erneuten Einstand nach langer, langer Zeit tue ich's einfach mal dem Michael gleich und poste testweise die Platten, die mich 2013 bisher mehr oder weniger umgehauen haben...

  1. Deep Purple - Now What?!
  2. Black Sabbath - 13
  3. Witherscape - The Inheritance
  4. Satan - Life Sentence
  5. Procession - To Reap Heavens Apart
  6. Avantasia - The Mystery Of Time
  7. Sacred Steel - The Bloodshed Summoning
  8. Queensryche - Queensryche
  9. Oliva - Raise The Curtain
  10. Manilla Road - Mysterium
  11. Jess and the Ancient Ones - Astral Sabbat (EP)
  12. Lingua Mortis Orchestra feat. Rage - LMO
  13. Amon Amarth - Deceiver Of The Gods
  14. Annihilator - Feast
  15. Stratovarius - Nemesis
  16. Entrails - Raging Death
  17. Spock's Beard - Brief Nocturnes And Dreamless Sleep
  18. Sulphur Aeon - Swallowed By The Ocean's Tide
  19. Wound - Inhale The Void
  20. Jex Thoth - Blood Moon Rise
  21. Saxon - Sacrifice
  22. Revel In Flesh - Manifested Darkness
  23. Black Star Riders - All Hell Breaks Loose
  24. Alice In Chains - The Devil Put Dinosaurs Here
  25. Huntress - Starbound Beast

Damit hätten wir auch in etwa die bunte Palette harter Musik definiert, die ich hier bisweilen antesten werde. Etwas AOR könnte bei Bedarf noch dazukommen, Alice In Chains auf Platz 24 dürfte auch schon der äußerste extrem untrue Rand des Spektrums sein (mein 20 Jahre jüngeres Ich würde trotzdem sicher einen Terminator auf mich durch die Zeit jagen, wüßte er, dass die jemals in einer Top-Liste von mir auftauchen sollten). In diesem Sinne - Onward! Is this thing on?
Ernst Zeisberger

Dienstag, 27. August 2013

Cultes Des Ghoules - Henbane

Zum ersten Mal seit langer, langer Zeit bin ich richtig hilflos beim Verfassen eines Reviews. Wäre ich seit 25 Jahren ein beinharter Black Metaller, dann fiele es mir mit Sicherheit leichter, hier genau darzustellen, an welchen Stellen die Polen von CULTES DES GHOULES an welchen Mayhem-Song erinnern oder wo der Einfluss der norwegischen 90er-BM-Elite am stärksten zu Tage tritt. Da ich das aber nicht bin und immer nur "ein wenig" in dieses spannende Genre reinschnuppere (in der näheren Vergangenheit zugegebenermaßen etwas mehr...) bleibt mir nach etlichen Hördurchgängen dieses Albums nur zu konstatieren: Das ist definitiv eines der verstörendsten, finstersten und bösesten Hörerlebnisse, die ich jemals durchleiden musste. Normalerweise schmeiße ich ein Album direkt in den (mittlerweile ja leider elektronischen) Papierkorb, wenn ich es durchleiden muss, aber "Henbane" fasziniert genau so, wie es abstößt. Stellt euch einen komplett wahnsinnig gewordenen King Diamond vor, der mit alten, instrumentalen Mayhem-Demos in einen Keller voll mit Eierlikör eingeschlossen wird und irgendwie, zwischen etlichen Schlucken Eierlikör, probiert, etwas über die dürftig "produzierte" Musik zu kreischsingen. Heraus kommt dann in etwa sowas wie die ersten Minuten von "Vintage Black Magic" - ein abartiges Stück roher Musik, mal düster-schleppend, mal primitiv knüppelnd. Ja Leute, ich weiß doch auch nicht, wie ich es beschreiben soll, die fünf überlangen Tracks sind gewissermaßen eine noch dreckigere Variante vom TRIPTYKON-Debüt. Man hat jederzeit so eine diffuse Ahnung, was für komplett kaputte Menschen diese vier Musiker sein müssen, wenn sie solche Musik erschaffen - ganz genau will man es aber dann lieber doch nicht wissen.
Ich weiß genau Null über das Standing von CULTES DES GHOULES in der "Szene", weiß nicht, ob das in Wirklichkeit ganz, ganz böse Buben sind, die man aus irgendwelchen Gründen nicht hören darf, eines weiß ich aber ganz gewiss: MGLA, die polnischen Vorzeit-BM'ler, die mich mit dem letztjährigen "With Hearts Toward None" begeisterten und die "Henbane" auch produziert haben, haben einen mindestens ebenbürtigen, schmutzigeren Bruder bekommen. 
Let "The Festival Of Devotion" begin. (MK)



Label:  Under The Sign Of Garazel
Veröffentlichung: 27.01.2013

Sonntag, 25. August 2013

Argus - Beyond The Martyrs

Es sind Bands wie Slough Feg, Pharaoh oder eben Argus, die in den letzten Monaten, ja sogar Jahren, die Fahne des besonderen traditionellen Metals hochgehalten haben. In einem Genre, in dem Stillstand quasi zum guten Ton gehört (und gegen den ich eigentlich auch nie etwas gehabt habe), haben es jene Combos geschafft, sich in dem eng gesteckten musikalischen Rahmen so weiterzuentwickeln, dass die alten Fans bei der Stange bleiben, man aber dennoch auf jedem neuen Album spannende neue Dinge entdecken kann. Nun also Argus, die Dritte. 
Eingehüllt in ein wundervoll detailliertes Artwork (da freut man sich richtig auf das Vinyl) liegt der Nachfolger zum grandiosen "Boldly Stride The Doomed" musikalisch zwar auf der Wellenlänge ebenjenes Werkes, aber, ich sprach davon, es gibt Neues.
Die Gitarrenarbeit des Duos Mucio/Johnson ist tatsächlich noch präziser, noch schneidender, noch begeisternder geworden: Die Soli sind perfekt ausgearbeitet, klingen dabei absolut natürlich und die Twin-Guitar-Leads, die man in jedem der neuen Songs findet, zum Heulen schön. Der abschließende instrumentale Titeltrack bringt die musikalische Vision von ARGUS auf den Punkt: Schleppendes Tempo, hochmelodische Gitarren, ein famoses Gitarrensoli ("The guitar is my sword..."), ein melancholischer Ausklang und ein Schlagzeuger, der auch bei Sabbath keine schlechte Figur machen würde. Auf dem nicht mal eine dreiviertel Stunde langen Album (perfekte Länge!) gibt es keine schwache Note, Sänger Butch Balich liefert seine mit Abstand beste Gesangsleistung ab und auch die Produktion ist natürlich, klar und wunderbar transparent geworden. Qualitativ hochwertige Songs wie den Ohrwurm "The Coward's Path", den perfekt gewählten Opener "By Endurance We Conquer" (wer da nicht bangt, ist tot!) oder "No Peace Beyond The Line", bei dem man doch schon beim Beginn nicht anders kann als auszuflippen, muss man im Metalbereich derzeit lange suchen. Jetzt wird es Zeit, dass auch diese Band endlich einmal mehr Aufmerksamkeit bekommt!

Label: Cruz Del Sur
Veröffentlichung: 04.10.2013

Samstag, 24. August 2013

The Ruins Of Beverast - Blood Vaults (The Blazing Gospel Of Heinrich Kramer)

Man hätte es sich denken können.
Nachdem in den letzten Wochen tröpfchenweise drei Songs des Nachfolgealbums zum BM-Meisterwerk "Foulest Semen Of A Sheltered Elite" (jetzt auch schon satte vier Jahre alt) als Appetizer veröffentlicht wurden, war klar, dass Meilenwald sich musikalisch nicht unbedingt verschlechtern würde. Ganz im Gegenteil: "Blood Vaults" ist tatsächlich abermals ein überragendes Stück dunkler Musik geworden, welches unbedingt, wie alle Vorgängeralben auch, am Stück genossen werden sollte. Schon das Intro mit der Grabesstimme lässt einen erschauern und vielleicht schon erahnen, was einen in den folgenden fast 80 Minuten erwartet. Düsterer BM mit einigen Ausflügen in den Doom-Bereich, unzähligen musikalischen Details und Schnörkeln sowie Melodien, die einen nie direkt anspringen, die einen aber auch nie mehr loslasssen, hat man sie sich einmal erarbeitet. THE RUINS OF BEVERAST, das ist eigentlich auch nichts Neues mehr, verzichten beinahe völlig auf rasende Knüppelparts, es überwiegen dahinmäandernde, sehr lange Songs, in denen soviel Musikalität steckt, dass man alle Leute, die im Jahr 2013 noch immer behaupten, BM sei stumpfes Geprügel, am liebsten, öhm, verprügeln möchte. Natürlich ist der Gesang extrem, natürlich ist die Musik weit davon entfernt, "angenehm" zu klingen - aber hey! Geht es darum? Soweit ich das mal gelernt habe, ist es im Metalbereich essentiell, etwas zu erschaffen, was die Zeit überdauert, und die wenigste "angenehme" Musik hat das in der Vergangenheit geschafft. Metal war vor langer Zeit einmal eine "böse", verruchte Musik und eben kein Mainstream, der in der ZEIT stattfand. THE RUINS OF BEVERAST gelingt im Jahr 2013 zu jeder Zeit das Kunststück, Kunst und Bösartigkeit, das Schöne und das Biest, zu vereinen. Zu fragen wäre jetzt höchstens, wieso der Mainstream Herrn Meilenwald noch nicht entdeckt hat.
Über "Blood Vaults"schwebt eine einmalige sakrale Atmosphäre, man höre nur mal den Beginn vom mächtigen 10-Pünkter "Maleficia" (am besten unter dem Kopfhörer) oder das fies daherkriechende "Spires, The Wailing City" und wenn man nur ein bisschen übrig hat für Songs, die eben nicht nach fünf lustlosen Durchgängen aufhören, zu einem zu sprechen, ist DAS hier euer eindeutig Album.
Wer noch die Geduld und Muße aufbringt, noch eine Scheibe am Stück anhören zu können statt zu den besten Passagen bei YouTube zu scrollen, für den dürfte "Blood Vaults" das wohl faszinierendste Stück BM seit "Celestial Lineage" sein, welches (es tut mir leid, liebe Feuilletonisten!) euer neues Lieblingskind Watain mal eben alleine in den ersten Minuten des zerstörenden Openers "Daemon" pulverisiert. Wieso gibt es eigentlich keine THE RUINS OF BEVERAST-Coverstories? (MK)

Label: Van Records
Veröffentlichung: 06.09.2013

Freitag, 23. August 2013

Atlantean Kodex - The White Goddess



Ich könnte es mir einfach machen und sagen, „The White Goddess“ sei das beste Metal-Album seit „The Golden Bough“ und überhaupt jetzt schon ein Klassiker. Aber ein paar Worte mehr seien mir gestattet, bevor der Versuch einer Mischung aus Review und „Studioreport“ folgt.
Kein anderes Album, keine anderen Songs habe ich seit Wochen (und die Vorabtracks seit Monaten) so häufig gehört wie „The White Goddess“. Mittlerweile dürften die 100 Hördurchgänge locker voll sein, weshalb ich mir durchaus, auch wenn die Veröffentlichung noch fünf Wochen in der Zukunft liegt, das aus allen Zeilen durchscheinende Fazit erlauben kann: Niemals ist in Deutschland ein besseres Metalalbum entstanden, niemals wurde der Begriff „Epic Metal“ so vollkommen definiert und seit langen Jahren wurde ich niemals mehr so berührt von Musik wie von „The White Goddess“. Wer jetzt wieder laut „Hype!“ schreit, wer das alles zu übertrieben und zu schwurbelig findet, wer mir nicht glaubt: Who cares. Go away.

Los geht es - das Wort hat Manuel Trummer.

Donnerstag, 22. August 2013

Grave Miasma - Odori Sepulcrorum

Nachdem, aus mir unerfindlichen Gründen, die traditionelle Metalszene seit Monaten nicht sonderlich viel hervorbringt (mit den strahlenden Sternstunden Atlantean Kodex (dazu demnächst hier mehr) und Satan gibt es selbstverständlich Ausnahmen) geschieht in den "90er-Trendsportarten" Death- und Black Metal derzeit jede Menge Spannendes. Im DM ragten in letzter Zeit Charon, Sulphur Aeon und natürlich die unvergleichlichen Necros Christos heraus - und das waren nur die deutschen Vertreter.
Auch in England gibt es selbstverständlich Musiker, die sich an die große Zeit des DM Anfang der 1990er erinnern, als beinahe wöchentlich Alben erschienen, die nun als Klassiker gelten. Nach zwei EPs (2009 und 2011 erschienen) bringt der UK-Vierer GRAVE MIASMA den im Underground heiß erwarteten Erstling an den Start. Und "Odori Sepulcrorum" enttäuscht dann auch niemanden. Bis in den Keller tiefer gestimmte Gitarren, denen es bei aller Brutalität immer noch gelingt, ein paar Melodien zu verstecken (Anspieltipp: "Eschatos"!), ein Sänger, bei denen man, ähnlich wie bei den grandiosen Finnen von Krypts zwar kein Wort von dem versteht, was er da singt, aber dafür gibt es ja Booklets beziehungsweise das Einlegeblatt der Vinylausgabe. Es überwiegen die schleppenden, beinahe doomigen Rhythmen, die an alte Asphyx erinnern und die Produktion klingt herrlich nach Kellergewölbe, so dass sich Genrefans, die nach 20 Jahren so langsam aus ihrer Lethargie erwachen, ein weiteres Stilhighlight zu Gemüte führen dürfen. (MK)

Label: Sepulchral Voice Records
Veröffentlichung: 13.09.2013

Dienstag, 20. August 2013

Best Of 2013 - the story so far

Best Of 2013
  1. Atlantean Kodex: The White Goddess
  2. Satan: Life Sentence
  3. The Ruins Of Beverast: Blood Vaults - The Blazing Gospel Of Heinrich Kramer
  4. Black Sabbath: 13
  5. Procession: To Reap Heavens Apart
  6. Memento Waltz: Division By Zero
  7. Fates Warning: Darkness In A Different Light
  8. A Cosmic Trail: II - Mistral
  9. Sulphur Aeons: Swallowed By The Oceans Tide
  10. Artizan: Ancestral Energy
  11. Krypts: Unending Degradation
  12. Warlord: The Holy Empire
  13. Jess & The Ancient Ones: Astral Sabbat-EP
  14. Steven Wilson: The Raven That Refused To Sing
  15. Below: Below (EP)
  16. Dark Arena: Ode To The Ancients
  17. Dead Lord: Goodbye Repentance
  18. Our Ceasing Voice: That Day In November
  19. Orchid: The Mouths Of Madness
  20. Biffy Clyro: Opposites
  21. Alpha Tiger: Beneath The Surface
  22. Vorum: Poisened Void
  23. Enforcer: Death By Fire
  24. Age Of Taurus: Desperate Souls Of Tortured Times
  25. Sacred Steel: Bloodshed Summoning

Montag, 19. August 2013

Neue Scheiben im Schnelldurchlauf

Watain - The Wild Hunt
Die neue Watain klingt in etwa, wie man es erwarten konnte. Nach dem Erfolg des Vorgängers gibt es eine Stilkorrektur - noch mehr weg vom brachialen BM, hin zu massenkompatibleren Sounds. Das gipfelt in der Bathory-Huldigung "They Rode On", die aber nicht mal ansatzweise die Klasse von Atlantean Kodex (die ja durchaus auch den ein oder anderen Bathory-Song gehört haben) erreicht.

Though Chamber - Psykerion
Eine gute Progressive Metal-Platte mit instrumental deutlichen DT-Anleihen, aber viel besserem Gesang. Ted Leonard kann es halt. Vielleicht zwei oder drei Songs zu lang, ansonsten müssen Stilanhänger hier wohl zugreifen.

Argus - Beyond The Martyrs
Schon die beiden Vorgänger waren exzellente Metalscheiben, das dritte Album ist exakt auf diesem Niveau. Wer Power Doom mag, mag Argus - so einfach kann das sein.